Wie entstehen neue Geschäftsmodelle, wenn Unternehmen enger zusammenarbeiten? Mit dieser Frage beschäftigt sich Dominik Wörner in seiner Lehre an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Im Interview erzählt er, weshalb ihm internationale Projekte besonders am Herzen liegen und welche Erfahrungen Studierende nachhaltig prägen können.

Was unterrichtest du und was fasziniert dich an deinem Fachbereich?
Ich unterrichte Themen rund um Supply Chain Management und Wertschöpfungsnetzwerke. Mich fasziniert besonders, was passiert, wenn Unternehmen ihre Netzwerke (um-)gestalten und Partner nicht mehr nur als Lieferanten oder Kunden betrachten. Dadurch entstehen oft neue Geschäftsmodelle. Plattformen etwa, die Anbieter und Nachfrager direkt verbinden, oder Kreislaufmodelle, in denen Hersteller und Handel Produkte zurücknehmen, aufarbeiten und wieder in den Markt bringen. Digitalisierung und KI sind dabei für mich keine Selbstzwecke, sondern Mittel, um reale Probleme zu lösen und um diese Art von Zusammenarbeit überhaupt erst möglich zu machen.
Neben diesem fachlichen Schwerpunkt liegt mir das Internationale Studierendenprojekt (ISP) «Focus India» besonders am Herzen, welches ich als Supervisor begleite.
Was bereitet dir beim Dozieren am meisten Freude?
Am meisten freut mich der Austausch mit den Studierenden. Besonders schön ist der Moment, wenn aus einem theoretischen Konzept eine konkrete Idee für ein reales Problem entsteht. In einem meiner Kurse wollte zum Beispiel ein Studierender Kindervelos im Pay-per-Use-Modell anbieten. Solche Ideen entstehen oft, wenn Studierende kritisch nachfragen und etablierte Denkmuster hinterfragen.
Was hat dich dazu motiviert, Dozent zu werden?
Nach mehr als 10 Jahren in der Industrie wollte ich meine Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis weitergeben, aber auch selbst mit neuen Technologien und Ansätzen an innovativen Ideen und Geschäftsmodellen arbeiten. Die Hochschule ist für mich der Ort, an dem diese Möglichkeiten zusammenkommen: Praxis, wissenschaftliches Denken und Raum zum Ausprobieren. Mich hat ausserdem schon immer begeistert, Wissen weiterzugeben und gemeinsam mit Studierenden neue Themen zu entdecken. Dabei zu erleben, wie Studierende ihren Weg finden, ist für mich der schönste Teil der Rolle.
Welche Fähigkeiten erwerben die Studierenden bei dir?
Neben dem fachlichen Know-How lernen die Studierenden, komplexe Fragestellungen systematisch zu analysieren, kritisch zu reflektieren und praxisnahe Lösungen zu entwickeln. Mir ist wichtig, dass Studierende Zusammenhänge erkennen und unterschiedliche Perspektiven einnehmen, etwa die von Lieferanten, Kunden und Partnern im Netzwerk. Dazu gehört auch, digitale Technologien und KI sinnvoll einzusetzen und ihre Grenzen zu erkennen, damit sie Veränderungen aktiv mitgestalten können.

Im ISP Focus India gehen die Studierenden noch einen Schritt weiter: Dort lernen sie, ein komplexes Projekt eigenverantwortlich zu managen, auf Geschäftsleitungsebene souverän und überzeugend aufzutreten und an der Verantwortung zu wachsen, die sie dabei übernehmen.
Wie würdest du deinen Lehrstil beschreiben?
Meinen Lehrstil würde ich als praxisorientiert, interaktiv und experimentierfreudig beschreiben. Mir ist wichtig, dass Studierende komplexe Zusammenhänge nicht nur verstehen, sondern selbst erleben. Deshalb arbeite ich mit Diskussionen, aktuellen Fallstudien und Unternehmenssimulationen wie dem Beer Game, The Fresh Connection und The Blue Connection. Besonders die Unternehmenssimulation ermöglicht es den Studierenden, komplexe Zusammenhänge realitätsnah zu erleben, Entscheidungen zu treffen und deren Auswirkungen unmittelbar zu reflektieren.
Was macht das Unterrichten an unserer Hochschule für dich besonders?
Seit diesem Semester unser neuer Campus in Basel. :-)
Was müssen die Studierenden über dich wissen?
Ich freue mich über neugierige Fragen und kritische Diskussionen, denn es gibt selten nur eine richtige Antwort. Wer eigene Ideen einbringt, Dinge hinterfragt und bereit ist, sich aktiv einzubringen, wird bei mir offene Türen finden. Perfekte Antworten sind mir weniger wichtig als Neugier, Eigeninitiative und die Bereitschaft, neue Wege auszuprobieren.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?
Am liebsten verbringe ich Zeit mit meiner Familie. Ausserdem reise ich viel und interessiere mich besonders für andere Länder und Kulturen. Das inspiriert mich auch für meine Arbeit, denn globale Netzwerke bestehen am Ende aus Menschen. Zum Ausgleich mache ich gerne Sport.
Wenn deine Studierenden dich nach einem Semester mit einem Satz beschreiben würden, was würdest du dir wünschen, dass sie sagen?
Er hat mich inspiriert, an einem ISP teilzunehmen. Für mich war das ein Schritt aus der Komfortzone, aber am Ende das Highlight meines Studiums.
Welchen Rat gibst du zukünftigen Studierenden?
Seid neugierig und nutzt die Möglichkeiten, die euch das Studium bietet. Praktische Projekte, Unternehmenssimulationen oder internationale Erfahrungen können euch oft mehr über euch selbst zeigen als jeder Unterricht. Die spannendsten Lernerfahrungen entstehen meistens ausserhalb der eigenen Komfortzone... und genau dort entstehen oft die Erfahrungen, an die man sich später am liebsten erinnert.
Kontakt
Dr. Dominik Wörner
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