Das Team der Hochschule für Wirtschaft FHNW stellte sich beim Junior Agency Award einer echten Kommunikationsaufgabe für die Marke Zweifel. Im Interview erzählen vier der Studierenden, wie sie den Wettbewerb erlebt haben, welche Herausforderungen sie meistern mussten und welche Erfahrungen sie aus dem Live Case für ihre Zukunft mitnehmen.

Wie ist es dazu gekommen, dass ihr am Junior Agency Award teilgenommen habt, und was hat euch motiviert, euch als Team dieser Herausforderung zu stellen?
Lea Habermacher: Als ich gelesen habe, dass es sich um einen Live Case handelt, war ich sofort begeistert von diesem Fachmodul. Es war eine spannende Gelegenheit, die Theorie in die Praxis zu übersetzen und dabei wertvolle Erfahrungen zu sammeln.
Kevin Bächli: Unser Team wurde von den Dozierenden zufällig zusammengestellt, wir kannten uns vorher nicht. Mich hat vor allem motiviert, an einem echten Praxisauftrag zu arbeiten, der für die eigene berufliche Entwicklung sehr spannend ist.
Milena Sanfilippo: Wir konnten uns im Rahmen des Fachmoduls «Marketing Live Case: LSA Junior Agency Award FS26» für den diesjährigen Junior Agency Award qualifizieren. Nach den erfolgreichen Vorausscheidungen innerhalb der FHNW durften wir die Hochschule im Finale in Zürich vertreten. Besonders schön war zu erleben, wie schnell wir als Team zusammengefunden haben, obwohl wir aus unterschiedlichen Studiengängen und von unterschiedlichen Standorten kamen.
Der Wettbewerb verlangt die Bearbeitung einer realen Kommunikationsaufgabe der Marke Zweifel. Was hat euch an der Aufgabenstellung besonders gereizt, überrascht oder was war neu für euch?
Lena Borovsky: Zweifel ist eine Marke, die jeder kennt. Gerade deshalb war es eine spannende Herausforderung, etwas Neues zu entwickeln. Überraschend war für uns, wie viel Tiefe hinter einer scheinbar einfachen Snack-Marke steckt, von Zielgruppen über Konsummomente bis hin zu den Realitäten im Detailhandel. So nah an der Realität zu sein war für uns alle etwas Besonderes.
Lea: Da die meisten von uns kaum Marketingerfahrung hatten, hat uns überrascht, wie vielseitig und verknüpft der Prozess vom Briefing bis zur effektiven Kampagne ist. Besonders spannend war die Erkenntnis, dass nicht die Massnahmen am Anfang stehen, sondern zuerst eine starke Leitidee entwickelt werden muss.
Milena: Für uns war fast alles neu, weil wir zuvor noch nie an einem Live Case gearbeitet hatten. Besonders herausfordernd war die breite Aufgabenstellung: Verschiedene Generationen anzusprechen und gleichzeitig ein gemeinsames Erlebnis zu schaffen, war eine anspruchsvolle, aber sehr spannende Aufgabe.
Seid ihr während des Projekts auf einen Moment gestossen, in dem ihr eure ursprünglichen Ideen oder Annahmen grundlegend überdenken musstet? Was habt ihr daraus gelernt?
Kevin: Wir haben unsere Ideen immer wieder über den Haufen geworfen und neu entwickelt. Irgendwann mussten wir aber auch den Entscheid fällen: Das ist jetzt unsere Idee, und die ziehen wir konsequent durch. Wir haben gelernt, dass man immer weiter optimieren kann, irgendwann muss man sich aber entscheiden.
Lea: Ja, wir kamen mehrmals an diesen Punkt. Nach dem Feedback unserer Dozierenden oder der Agentur mussten wir einzelne Ideen überarbeiten oder, wenn das Konzept nicht mehr aufging, sogar eine neue Richtung einschlagen. Das hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, offen für Veränderungen zu bleiben.
Lena: Wir waren anfangs sehr kreativ unterwegs und hatten viele Ideen und Ansätze. Erst nach einer regelrechten 180-Grad-Wende sind wir bei unserer finalen Kampagnenidee gelandet. Das hat uns gelehrt, früher zu hinterfragen und klare Analyseschritte einzuplanen, bevor man direkt mit der Konzeption beginnt.
Wie habt ihr die Zusammenarbeit im sechsköpfigen Team organisiert, und welche unterschiedlichen Stärken haben die einzelnen Teammitglieder eingebracht?
Milena: Die Zusammenarbeit hat von Anfang an sehr gut funktioniert und jede Person konnte ihre individuellen Stärken einbringen. Lea entwickelte das Storytelling der Kampagne, Aaron brachte sein Know-how im Bereich KI und Budgetplanung ein, Lena war für Design und Kreation zuständig, während Kevin und Malin viele kreative und konzeptionelle Inputs lieferten. Ich selbst übernahm die Koordination und Kommunikation mit den verschiedenen Anspruchsgruppen.
Lea: Wir haben die Aufgaben bewusst nach den jeweiligen Stärken verteilt. So konnten wir uns auf die Visualisierungen, die Anwendung von KI-Tools, das Storytelling, die Präsentationen, das Brainstorming und auf das Strukturieren der Zusammenarbeit konzentrieren.
Kevin: Wir arbeiteten hybrid, mit regelmässigen Meetings und klaren Deadlines. Wenn jemand nicht vor Ort sein konnte, wurde online teilgenommen oder später auf den aktuellen Stand gebracht. Ich habe unter anderem die Projektleitung übernommen. Jeder hat seinen Beitrag zum Erfolg geleistet.
Inwiefern hat die Ausbildung an der FHNW euch auf die Teilnahme am Junior Agency Award vorbereitet und euch Kompetenzen vermittelt, die für eure Teilnahme entscheidend waren?
Kevin: Besonders geholfen haben mir die Module von Marco Casanova. Themen wie Stakeholdermanagement oder Präsentationstechniken waren sehr wertvoll und haben uns Sicherheit für den Pitch gegeben.
Milena: Die FHNW hat uns die methodischen und konzeptionellen Grundlagen vermittelt, die wir für die Bearbeitung der Aufgabenstellung brauchten. Gerade die Kombination aus Theorie, Teamarbeit und Praxis hat uns bei dieser Herausforderung sehr geholfen.
Lena: Vieles, was wir im Studium theoretisch gelernt hatten, wurde plötzlich ganz praktisch. Die Coachings unserer Dozierenden Anna Rozumowski und Aldo Gnocchi, sowie die Inputs zu Kommunikationsstrategie, Markenführung und Projektarbeit haben uns geholfen, strukturiert an die Aufgabe heranzugehen und unsere Ideen gezielt weiterzuentwickeln. Ohne Ihre Unterstützung hätten wir wahrscheinlich etwas länger gebraucht, um überhaupt anzufangen.
Welche Inhalte oder Methoden aus eurem Studium an der FHNW haben euch bei der Entwicklung eurer Lösung besonders geholfen?
Lea: Besonders geholfen haben uns die Module Marketing und Kommunikation. Im Marketing haben wir die Methoden und Konzepte kennengelernt, die hinter erfolgreichen Kampagnen stehen. Im Fach Kommunikation konnten wir unsere Storytelling- und Präsentationskompetenzen weiterentwickeln. Beides waren für den Pitch vor einer Fachjury entscheidende Faktoren.
Milena: Wir konnten vieles aus dem Studium direkt anwenden, insbesondere aus den Bereichen Marketing und Kommunikation. Auch die Arbeit mit Zielgruppen, Personas und Konzepten hat uns geholfen, unsere Ideen zu strukturieren und konsequent auf die Aufgabenstellung auszurichten. Nicht zuletzt haben uns die vielen Gruppenarbeiten an der FHNW auf die enge Zusammenarbeit im Team vorbereitet.
Lena: Eine Kampagne wie diese besteht aus weit mehr als «nur» Marketing. Was letztlich den Unterschied gemacht hat, war die Fähigkeit, im Team zusammenzuarbeiten: Kompromisse einzugehen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten.Das lässt sich nicht aus einem einzelnen Modul herauslesen. Das ist das Ergebnis des ganzen Studiums.
Hat die Teilnahme am Wettbewerb euren Blick auf Marketing, Kommunikation oder Agenturarbeit verändert oder geschärft? Wenn ja, inwiefern?
Milena: Definitiv. Die Teilnahme hat uns einen spannenden Einblick gegeben, wie viele Überlegungen hinter einer überzeugenden Kommunikationslösung stecken. Mir persönlich hat die Arbeit an einem Live Case besonders viel Freude bereitet und mir gezeigt, dass ich die Entwicklung von Kampagnen für Unternehmen eine sehr spannende Aufgabe finde.
Lena: Wir haben gemerkt, wie wichtig Teamdynamik in einer Agentur ist. Eine gute Idee allein reicht nicht, sie muss zuerst intern überzeugen. Und: Marketing passiert unter Zeitdruck, was grundlegend verändert, wie man Entscheidungen trifft. Gleichzeitig braucht es immer jemanden, der am Boden der Tatsachen bleibt und die kreativen Köpfe in einem umsetzbaren Rahmen hält.
Kevin: Ich habe die Zusammenarbeit mit der betreuenden Agentur teilweise kritischer erlebt. Die Organisation der Meetings war nicht immer einfach. Trotzdem war es spannend zu erleben, wie die Zusammenarbeit mit einer Agentur grundsätzlich funktioniert und welche Erwartungen auf beiden Seiten bestehen.
Welche Erfahrungen oder Erkenntnisse aus dem Junior Agency Award nehmt ihr für eure weitere Ausbildung und euren Berufseinstieg mit?
Lea: Für uns war die wichtigste Erkenntnis, dass jede erfolgreiche Kampagne mit einer starken Leitidee beginnt, wie eine Vision. Am Anfang haben wir den Fehler gemacht, bereits über einzelne Massnahmen zu diskutieren, bevor wir überhaupt eine klare Idee entwickelt hatten. Diese Erfahrung werden wir sicher mitnehmen.
Kevin: Für mich war die Teilnahme auch eine Bestätigung meiner Präsentationsfähigkeiten. Ich habe gemerkt, dass ich gerne vor Menschen präsentiere und mich auch in einer Pitch-Situation wohlfühle.
Milena: Ich nehme vor allem die Erfahrung mit, an einer echten Aufgabenstellung gearbeitet zu haben. Den gesamten Prozess einer Kampagnenentwicklung mitzuerleben und zu merken, wie viel Freude mir die kreative Arbeit an Kommunikations- und Marketingprojekten macht, war für mich besonders wertvoll.
Lena: Der Wettbewerb hat uns gezeigt, dass wir auch unter realen Bedingungen gute Ergebnisse liefern können und hat uns ein reales Projekt gegeben, dass wir auch später noch als Erfolg vorweisen können. Gleichzeitig haben wir gelernt, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit ist, wenn Termine näher rücken und der Druck steigt.
Unabhängig vom Wettbewerbsergebnis: Worauf seid ihr als Team und im einzelnen nach dieser intensiven Erfahrung besonders stolz?
Kevin: Wir sind stolz darauf, dass wir die Vorausscheidung gewonnen haben und mit unserem Konzept bis zum Schluss um den Sieg mitkämpfen konnten. Besonders gefreut hat uns auch das positive Feedback der Jury und von Zweifel nach der Preisverleihung.
Lea: Wir konnten eine sehr gute Zusammenarbeit im Team pflegen und sind zusammen mit dem Projekt gewachsen. Besonders stolz sind wir zudem auf unsere starke Leitidee, welche wir aus dem Briefing geschaffen haben.
Lena: Dass wir auch in stressigen Phasen als Team zusammengehalten haben, macht mich besonders stolz. Und dass das Endergebnis wirklich unseres ist, keine Kompromisslösung, sondern ein Konzept, hinter dem wirklich alle stehen konnten. Ausserdem sind wir stolz, dass wir mit unserer Leistung in einer ersten Runde überzeugen konnten und die Möglichkeit hatten, an diesem einzigartigen Event mitzuwirken.
Milena: Auch wenn wir den Wettbewerb nicht gewonnen haben, bin ich sehr stolz auf unsere Leistung. In kurzer Zeit haben wir eine völlig neue Herausforderung gemeistert und gemeinsam ein Konzept entwickelt, hinter dem wir alle stehen können. Besonders gefreut hat mich das positive Feedback und die Wertschätzung, die wir während des Projekts und im Finale erhalten haben. Das zeigt uns, dass sich der Einsatz gelohnt hat, und darauf können wir als Team sehr stolz sein.
Junior Agency Award
Kontakt

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