An der FHNW entdeckte Dave Seiler seine Leidenschaft für Data Analytics und stellte damit die Weichen für seinen beruflichen Richtungswechsel. Der Absolvent des Studiengangs Betriebsökonomie mit Vertiefung Managerial Data Science startet nun ein Graduate Programme am Flughafen Zürich im Bereich Aviation & Data Analytics. Im Interview erzählt er, wie ihn das Studium fachlich und persönlich geprägt hat.
Könntest du dich vorstellen – dein Studienweg an der FHNW, dein weiterer Weg und deine derzeitige Position?
Nach meinem Bachelor in Betriebsökonomie an der Fachhochschule Nordwestschweiz und meinem Master in Business Analytics an der University of Warwick in England bin ich kürzlich in die Schweiz zurückgekehrt, wo ich derzeit übergangsweise bei zwei Treuhandunternehmen tätig bin, zum einen in der Mandatsleitung und zum anderen als Projektleiter im Bereich IT-Transformation.
Ab September starte ich dann ein Graduate Programme am Flughafen Zürich im Bereich Aviation and Data Analytics. Im Rahmen eines Rotationsprogrammes erhalte ich dort Einblicke in verschiedene Bereiche wie Ressourcenplanung und Prozessoptimierung, Performance und System Development sowie Customer & Experience Analytics. Besonders spannend für mich ist, dass sich mit dieser Rolle mein Wunsch verwirklicht, mich vom Finanzbereich in Richtung Data Analytics und Data Science weiterzuentwickeln.
Weshalb hattest du dich seinerzeit für ein Studium an der FHNW entschieden?
Ich habe mich bereits 2015 bewusst für den praxisorientierten Weg über eine Berufslehre mit Berufsmatur und später für ein berufsbegleitendes Fachhochschulstudium entschieden, anstatt an der Kantonsschule zu bleiben. Für mich war früh klar, dass ich Theorie und Praxis verbinden, gleichzeitig Berufserfahrung sammeln und zudem meine akademische Ausbildung selber finanzieren möchte.
Für die FHNW habe ich mich dann bewusst wegen ihrer sehr guten Reputation und ihrer Nähe entschieden.

Für welche Vertiefungsrichtung hast du dich entschieden – und warum?
Ich habe mich für die Vertiefung Managerial Data Science entschieden. Spannend daran ist, dass mein ursprünglicher Weg eigentlich lange im Finanzbereich lag. Durch meine mehrjährige Tätigkeit im Treuhand sah ich diese Richtung lange als die richtige für mich an.
Erst im dritten Studienjahr hat sich das durch das Modul Business Analytics verändert. Dort wurde mir bewusst, dass mich Data Analytics und Data Science noch mehr faszinieren. Besonders beeindruckt haben mich die unglaublich vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten, von Privatunternehmen über das Gesundheitswesen bis hin zu Flughäfen. Wie aus Daten von einfachen Analysen bis zu komplexen Algorithmen völlig neue Erkenntnisse und Entscheidungsgrundlagen entstehen können.
Für mich war deshalb klar: Ich möchte mit Managerial Data Science bewusst in diese Richtung eintauchen und schauen, ob ich meine berufliche Zukunft darin vorstellen kann. Dass daraus tatsächlich eine Neuausrichtung meiner Karriere entstanden ist, freut mich heute umso mehr.
Gab es ein Projekt oder Modul innerhalb deines Studiums, das besonders in Erinnerung blieb?
Neben dem bereits erwähnten Modul Business Analytics und der damit verbundenen beruflichen Neuausrichtung,war für mich mein Engagement bei exploreASEAN im letzten Studienjahr prägend. In einem Organistionsteam von sechs Studierenden haben wir dort ein einwöchiges Seminar in der Schweiz zum südostasiatischen Raum sowie eine 17-tägige Studienreise nach Thailand, Vietnam und Singapur organisiert. Dabei konnten wir Botschaften, Unternehmen und Universitäten besuchen. Eine Erfahrung, die mich fachlich, persönlich und interkulturell stark geprägt und mir auch die Augen fürs Ausland geöffnet hat. Sicherlich ein Mitgrund, weshalb ich mich später für ein Masterstudium im Ausland entschieden habe.
Hast du ein Auslandssemester gemacht während deines Studiums?
Während meines FHNW-Studiums habe ich selbst kein Austauschsemester gemacht, auch weil ich schon früh mit dem Gedanken gespielt hatte, später einen Master im Ausland zu absolvieren. Das habe ich dann mit dem MSc in Business Analytics an der University of Warwick verwirklicht, einem weltweit sehr renommierten Programm (Top 3 in UK, Top 15 weltweit), für das ich mir einen Platz, sogar mit Scholarship, sichern konnte.
Das Masterstudium in England war dann definitiv herausfordernd: Anspruchsvolle Inhalte, ein neues akademisches Umfeld, eine andere Sprache und gleichzeitig ein komplett neues soziales Umfeld. Gerade das hat mich fachlich und persönlich enorm weitergebracht.
Rückblickend war besonders das Internationale einzigartig. In einer Klasse mit rund 250 Studierenden war ich der einzige Schweizer und hatte die Möglichkeit, mit Menschen aus aller Welt Freundschaften zu knüpfen. Einige davon habe ich auf meiner anschliessenden Reise sogar in ihrer Heimat in Japan, China und Taiwan besucht. Solche Erfahrungen bleiben.
Mein Tipp an Studierende wäre deshalb ganz klar: Macht es, wenn ihr die Möglichkeit habt, sei es ein Austauschsemester an der FHNW, ein Double Degree oder ein ganzes Studium im Ausland. Es fordert einen heraus, erweitert den Horizont und bleibt einem garantiert in Erinnerung.

Wie hat das Studium deine berufliche und persönliche Entwicklung beeinflusst? Gab es einen Moment oder ein Projekt, das besonders prägend war?
Neben dem fachlichen Know-how und der Möglichkeit eines Richtungswechsels hat mich das Studium vor allem persönlich stark weitergebracht. Ich habe gelernt, selbstbewusst vor Menschen aufzutreten, Problemstellungen strukturiert anzugehen, aus neuen Blickwinkeln zu betrachten und auch in hektischen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren.
Ein weiteres Projekt, das mich besonders geprägt hat, war meine Bachelorarbeit, die ich zusammen mit meinem Studienkollegen Stephan Ammann und der Pharmaunternehmung Swiss Caps AG umsetzen durfte. Wir entwickelten ein automatisiertes Preisüberwachungstool zur Neukalkulation von mehreren hundert Produkten und Kunden auf Knopfdruck, inklusive konkreter Neuverhandlungsvorschläge.
Das Projekt war sehr anspruchsvoll, aber unglaublich spannend. Zu unserer grossen Freude wurde unsere Arbeit ausserordentlich geschätzt und ist, neben der Auszeichnung als beste Bachelor Thesis des Jahres, bis heute operativ im Einsatz und schafft weiterhin echten Mehrwert, eine besondere Ehre für uns beide.
Welche konkreten Skills oder Erfahrungen aus dem Studium nutzt du heute in deinem Job?
Besonders stark begleitet mich bis heute das analytische und strukturierte Denken, das im Studium immer wieder gefordert wurde. Probleme zuerst sauber zu verstehen, in Teilprobleme zu zerlegen und dann lösungsorientiert anzugehen, nutze ich im Berufsalltag regelmässig.
Auch Datenanalyse und Programmierkenntnisse, insbesondere in R und SQL, werden in meiner kommenden Rolle am Flughafen Zürich zentral sein und bauen direkt auf dem auf, was ich im Studium gelernt habe.
Daneben habe ich auch viel in Bezug auf Präsentation und Auftrittskompetenz mitgenommen, also komplexe Inhalte verständlich zu vermitteln und sicher vor unterschiedlichen Zielgruppen aufzutreten. Gerade diese Kombination aus analytischen und kommunikativen Fähigkeiten empfinde ich heute als besonders wertvoll.
Welche Tipps würdest du aktuellen und künftigen Studierenden mitgeben?
Mein wichtigster Tipp wäre: Seid offen für neue Bereiche und Richtungswechsel. Bei mir hat sich der Weg während des Studiums vom Finanzbereich in die Datenwelt verschoben und genau solche Entwicklungen entstehen oft, wenn man neugierig bleibt.
Engagiert euch aktiv neben dem Studium, sei es in Organisationsteams oder als Teilnehmende bei Angeboten wie Pub Tours, als ESN-Buddy oder bei anderen Initiativen. Gerade solche Erfahrungen prägen oft mindestens so stark wie einzelne Vorlesungen.
Und rückblickend ein besonderer Tipp von mir: Nutzt die Chancen, die die Fachhochschule bietet, um das Ausland kennenzulernen, sei es über ISPs (International Student Projects), ein Austauschsemester oder andere internationale Programme. Solche Erfahrungen erweitern den Horizont und bleiben oft besonders lange in Erinnerung.

Abschliessend möchte ich mich an dieser Stelle nochmals bei allen an der FHNW beteiligten Personen bedanken, die meinen Weg massgeblich beeinflusst haben. Besonders hervorheben möchte ich das Team des Kurses Business Analytics und der Vertiefungsrichtung Managerial Data Science, bestehend aus Martin Sterchi, Anna Caroni, Fabian Heimsch, Thomas Heimsch, Fabian Sander und Matthias Tempel, sowie meinen langjährigen FHNW-Kollegen Stephan Ammann.

Bachelor of Science Betriebsökonomie
Kontakt

Prof. Dr. Carsten Peuckert
- Telefon
- +41 62 957 23 79
- carsten.peuckert@fhnw.ch

Prof. Christian Tanner
- Telefon
- +41 61 279 17 97
- christian.tanner@fhnw.ch

Prof. Dr. Ivan Köhle
- Telefon
- +41 56 202 72 73 (Direkt)
+41 56 202 77 44 (Zentrale) - ivan.koehle@fhnw.ch

