Ein praxisnahes Studium an der FHNW, der Mut zum Dranbleiben und die Begeisterung für KI prägen Andrea’s Weg. Im Bachelor Business Artificial Intelligence verbindet er Technologie mit Wirtschaft und denkt schon heute darüber nach, wie Innovation in der Schweiz konkret umgesetzt werden kann. Seine Erfahrungen zeigen: Wer Theorie direkt in die Praxis bringt, kann einen echten Beitrag leisten.

Weshalb hattest du dich seinerzeit für ein Studium an der FHNW entschieden?
Mir war ein praxisnahes Studium extrem wichtig. Ich bin nicht der Typ, der sich nur auf die Theorie stürzen möchte; ich will das Gelernte zeitnah umsetzen und echte «Hands-on Experience» sammeln. Die FHNW hat genau diesen Ruf, Theorie und Praxis eng zu verzahnen, was für meinen Lernstil entscheidend war.
Du studierst Business Artificial Intelligence. Wie bist du auf diesen Bachelor-Studiengang gestossen und weshalb hast du dich dafür entschieden?
Ich war schon seit meiner Kindheit technikaffin und in meinem privaten Umfeld immer der klassische «Tech Support Guy», wenn etwas nicht funktionierte. Die Entscheidung für BAI fiel aber aus einer strategischen Überlegung heraus: Ich sehe in der Schweiz ein riesiges Potenzial im Bereich Digitalisierung und KI. Wir sind ein eher traditionelles Land – nach dem Motto «Never change a running system». Doch genau hier liegt die Chance. Es braucht Absolvierende wie uns, die nicht nur die Technik verstehen, sondern auch die Brücke zur Wirtschaft schlagen können. Wir müssen Firmen begleiten, ihnen die Angst vor neuen Technologien nehmen und zeigen, wie man Tradition mit Innovation verbindet.
Welche Themen oder Fragestellungen beschäftigen dich aktuell besonders hinsichtlich deines Studiums? Und warum sind sie aus deiner Sicht so relevant für die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft?
Aktuell beschäftigt mich stark die Entwicklung des Codings, speziell das Thema «Vibe Coding». Dabei geht es vereinfacht gesagt darum, dass man Software nicht mehr durch das Schreiben von Syntax erstellt, sondern der KI nur noch die tiefe, konkrete Absicht – den «Vibe» – vorgibt und sie den Rest erledigen lässt.
Ich sehe Vibe Coding als eine Art Demokratisierung des Codings: Es senkt die Einstiegshürde enorm und ermöglicht es plötzlich viel mehr Menschen, eigene Ideen umzusetzen. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass es das Verständnis für Architektur, Qualität und Sicherheit nicht ersetzt – im Gegenteil, diese Kompetenzen werden sogar noch wichtiger, weil jemand die Ergebnisse der KI kritisch einordnen muss. Genau darin sehe ich für die Wirtschaft eine riesige Chance, aber auch eine Herausforderung: Wir werden neue Rollen brauchen, die zwischen fachlicher Absicht und technischer Umsetzung vermitteln. In welche Richtung sich dieser Fortschritt genau entwickeln wird, finde ich extrem spannend zu beobachten.
Du arbeitest neben dem Studium auch. Wie beeinflusst das Studium deine Arbeit?
Ja, ich arbeite als Client Specialist bei VIAC. Das ist eine Rolle, die viel Konzentration und Verantwortung erfordert. Was ich an diesem Studiengang besonders schätze, ist die Flexibilität: Wenn es die Kapazität zulässt, kann man mehr Module belegen. In den letzten zwei Semestern habe ich beispielsweise rein von den Credits her fast ein Vollzeitpensum absolviert, obwohl ich daneben arbeite. Ich liebe diese Kombination, da meine Woche super abwechslungsreich ist. Zudem spüre ich die Auswirkungen des Studiums bis in meinen Alltag hinein: Ich lebe strukturierter und konnte mich mit vielen interessanten Leuten vernetzen. Besonders deutlich wird mir die Relevanz des Studiums, im Austausch mit Personen aus der Wirtschaftspraxis – da greift das Gelernte unmittelbar.
Gibt es irgendwelche Highlights in deiner bisherigen Studienzeit, Momente, die dich beeindruckt haben oder etwas verändert haben?
Ganz ehrlich? Ein Highlight ist definitiv, dass ich überhaupt noch hier bin! (lol) Im ersten Semester war ich nämlich kurz davor, alles hinzuwerfen. In meiner damaligen Position hatte ich sehr viel Verantwortung, Termindruck und einen Workload, der sich kaum mit dem Studium vereinbaren liess. Der entscheidende «Gamechanger» war dann ein Jobwechsel. Das hat mir die nötige Luft verschafft. Wenn ich heute auf den Makeathon-Sieg und meine Projekte schaue, bin ich froh, dass ich damals nicht das Studium aufgegeben, sondern meine Rahmenbedingungen angepasst habe. Das hat mir gezeigt: Manchmal liegt die Lösung nicht darin, das Ziel zu ändern, sondern den Weg dorthin neu zu organisieren.
Du warst im Rahmen des Makeathon 2025 ein Teil des Teams eines der beiden Gewinnerprojekte. Dabei ging es um ein intelligentes System zur Echtzeit-verwaltung komplexer Flughafenressourcen. Erzähl uns kurz etwas über das Konzept des Projektes.
Unser Prototyp heisst «GODC ‒ Ground Operations Dispatcher Control», den wir für den Challenge Provider Swissport erarbeitet haben. Die Idee war, die hochkomplexe Logistik am Flughafen durch ein intelligentes System zu optimieren. Wir haben eine Lösung entwickelt, die Ressourcen in Echtzeit verwaltet und zuweist, um Engpässe zu vermeiden und Abläufe effizienter zu gestalten. Es ging darum, aus statischen Plänen eine dynamisch, reagierende Steuerung zu machen.
Wie bist du dazu gekommen, dass du am Makeathon teilgenommen hast, und wie hat dich diese Erfahrung beeinflusst?
Ich wollte die Herausforderung annehmen und würde es jedem empfehlen, denn am Makeathon geht es um echte Probleme von echten, grossen Firmen. Die Stimmung ist super, es ist cool organisiert und man kommt wirklich an seine Grenzen. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich die ganze Nacht durchgearbeitet!
Besonders eindrücklich war, dass die Organisatoren Technologien von Google, Microsoft und AWS direkt an die FHNW gebracht haben und wir diese Marktführer so hautnah erleben durften. Wir wurden ständig aktiv begleitet, unterstützt und gepusht – es fühlte sich fast schon wie ein Contest mit eigener Fangemeinde an. Das Schöne ist: Trotz der Vorgaben der «Challenge Providers» kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Die Teilnahme hat mir das Vertrauen in mich selbst gestärkt und bestätigt, dass ich ein Problemlöser bin, der auch unter extremem Zeitdruck produktiv bleibt. Ich werde definitiv auch 2026 wieder dabei sein.

Wenn du auf deine bisherige Zeit im Studium zurückblickst: Inwiefern hat dich das Studium – fachlich, aber auch persönlich – verändert?
Das Studium hat meinen Alltag extrem geprägt. Ich arbeite heute viel strukturierter, plane bewusster und gehe Probleme analytischer an. Früher war ich einfach neugierig, heute nutze ich diese Kreativität gezielt, um Ideen weiterzuentwickeln und Zusammenhänge wirklich zu verstehen. Was ich an der FHNW besonders schätze: Genau dieser «Drive», Dinge einfach mal auszuprobieren, wird hier gefördert. Ich habe nicht nur Fachwissen gesammelt, sondern ein Mindset entwickelt, das auf Umsetzung, Zusammenarbeit und ständiges Weiterlernen ausgerichtet ist.
Worauf bist du stolz, wenn du auf deinen bisherigen Weg seit dem Studium zurückblickst?
Besonders stolz bin ich darauf, dass ich den Spagat zwischen Studium, Job und eigenen Projekten gemeistert habe und daraus echten Mehrwert schaffen konnte. Ich habe das Studium nie isoliert gesehen, sondern immer versucht, das Gelernte direkt in der Praxis einzubinden. Der beste Beweis dafür? Aus einzelnen Studienmodulen sind konkrete Initiativen entstanden, an denen wir heute noch arbeiten – wir durften unsere Idee sogar schon bei einer Privatbank pitchen. Dass dieser Transfer von der Theorie in die echte Wirtschaft so funktioniert, ist für mich der grösste Erfolg.
Hast du eine bestimmte Idee, wohin dein Weg nach dem Studium führen soll? Hat das bisherige Studium deine Zukunftsperspektive auf irgendeine Art beeinflusst?
Das Studium hat meinen Blickwinkel definitiv geschärft. Ich sehe meine Zukunft ganz klar an der Schnittstelle zwischen Technologie, Wirtschaft und Unternehmertum. Mich reizt nicht nur das reine Coden, sondern die Frage: Wie integrieren wir neue Technologien sinnvoll in Geschäftsmodelle? Ich möchte diese Brückenfunktion einnehmen – also Innovation verständlich und wirtschaftlich nutzbar machen. Ich will künftig nicht nur in bestehenden Strukturen «mitschwimmen», sondern aktiv gestalten und neue Produkte aufbauen, vielleicht langfristig auch unternehmerisch.
Welche drei Tipps würdest du aktuellen und künftigen Studierenden mit auf ihren Weg geben?
- Lernphasen clever nutzen
Unterschätzt die Lernphase nicht, aber macht euch das Leben nicht unnötig schwer. Statt sich eine Woche «Lernferien» zu nehmen und sich 10 Stunden am Tag zu quälen, lieber kontinuierlich dranbleiben. - Sucht euch «Lernbuddies»
Im Team zu lernen ist um ein Vielfaches effizienter. Man sitzt im selben Boot, motiviert sich gegenseitig und versteht komplexe Themen durch den Austausch schneller. - Projekte ernst nehmen & Stärken nutzen
Der BAI-Studiengang bietet viele Projektarbeiten. Stellt euch starke Teams zusammen, um Grosses zu erreichen. Wichtig ist dabei, die Fähigkeiten jedes einzelnen Teammitglieds zu fördern: Gliedert die Arbeit so, dass jeder seine Stärken ausspielen kann. Gemeinsam kommt man ans Ziel und lernt voneinander. Glaubt an euer Projekt und seid bereit, es in die Realität umzusetzen, wenn das Potenzial da ist. Die FHNW und die Dozenten geben hier sehr starke Rückendeckung und unterstützen, wo Möglichkeiten entstehen.

Bachelor of Science Business Artificial Intelligence
Kontakt

Prof. Dr. Uri Nahum
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