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Von Paris nach Basel – Némoir verbindet Komfort mit Eleganz, Hochschule für Wirtschaft FHNW

19.6.2026 – Hochschule für Wirtschaft


Aus einer Freundschaft in einer Pariser WG entstand eine Modeidee, die heute zur Premium Basics Brand Némoir geworden ist. Die Gründerinnen Nina und Musu setzen auf Kleidung, die zugleich bequem und stilvoll ist, sowohl für Zuhause, den Campus oder Draussen. Im Interview erzählt Nina Gysin, wie Studium in Betriebsökonomie an der FHNW, Kreativität und Unternehmergeist zusammen ihren Traum Wirklichkeit werden liessen.

  • Story

Kannst du euer StartUp Némoir kurz vorstellen? Wer seid ihr, was bietet Némoir an, was ist das Besondere und wann wurde Némoir gegründet?

NÉMOIR wurde im Dezember 2025 von meiner Mitgründerin Musu und mir gegründet. Kennengelernt haben wir uns während unseres Auslandssemesters in Paris. Was damals eine zufällige Wohnsituation war, wurde schnell eine enge Freundschaft und schliesslich eine gemeinsame Idee. Musu kommt aus Berlin und ich aus Basel, aber von Anfang an haben wir gemerkt, dass wir dieselbe Leidenschaft für Ästhetik, Mode und kreative Projekte teilen.

NÉMOIR ist eine Premium Basics Brand die sich auf hochwertige Basics spezialisiert, die genauso gut zuhause wie auf der Strasse funktionieren. Unser Ziel ist es, Kleidung zu schaffen, die Komfort und Eleganz miteinander verbindet. Wir wollten Produkte entwickeln, die man zu Hause tragen kann, in denen man sich entspannt und wohl fühlt, die aber gleichzeitig stilvoll genug sind, um damit ins Café, an die Universität oder in die Stadt zu gehen. Das Besondere an NÉMOIR ist nicht nur das Produkt selbst, sondern die Geschichte und die Werte dahinter. Unser Claim «a memory of softness» beschreibt genau das, was wir vermitteln möchten. Kleidung soll mehr sein als nur ein Gegenstand. Sie kann Erinnerungen wecken, Sicherheit geben und Menschen dabei helfen, sich wohl in ihrer Haut zu fühlen.

Was NÉMOIR für uns persönlich besonders macht ist, dass die Marke aus echter Freundschaft und einer gemeinsamen Erfahrung entstanden ist.

Nina und Musu

Wie ist die Idee, das Konzept zu Némoir entstanden? Was war die Inspiration?

Die Idee zu NÉMOIR entstand in einer WG in Paris. Ich war für mein Auslandssemester in Paris und hatte eine Wohnung die Schimmel hatte. Ich wurde immer wieder krank und irgendwann war klar, dass ich da nicht bleiben konnte. So zog ich kurzfristig in eine neue WG und dort traf ich auf Musu, die damals als Model in Paris lebte und arbeitete.

Wir kannten uns vorher nicht aber vom ersten Tag an waren wir untrennbar. Wir verbrachten von Anfang an viel Zeit zusammen, entdeckten die Stadt, redeten stundenlang über unsere Zukunft und Ideen und beobachteten einfach Paris und die Menschen. Irgendwann in diesen Gesprächen haben wir angefangen über Kleidung zu reden. Darüber was uns fehlte. Musu als Model sah täglich wie viel Aufwand hinter Looks steckte, die nach nichts aussehen sollten. Ich als Studentin wollte morgens schnell raus können, ohne mich zwischen bequem und präsentabel entscheiden zu müssen. Wir wollten dasselbe: Stücke, die sich gut anfühlen, die man wirklich trägt und die trotzdem eine Haltung haben.

Daraus wurde NÉMOIR. Der Name kommt von «né» (geboren) und «mémoire» (Erinnerung) weil die Marke genau dort geboren wurde, in Momenten und in einer Freundschaft, die durch einen blöden Schimmelschaden angefangen hat.

Du studierst Betriebsökonomie an der FHNW. Gab es in deinem Studium Module oder Projekte, die dich zum Konzept von Némoir inspiriert oder beeinflusst haben?

Das Konzept von NÉMOIR ist nicht in einem bestimmten Modul entstanden aber mein Studium hat stark beeinflusst, wie wir die Idee umgesetzt haben. Besonders Module rund um Markenführung und Konsumentenverhalten haben mir gezeigt, wie Marken wahrgenommen werden und warum Menschen bestimmte Produkte kaufen. Das hilft mir heute dabei NÉMOIR nicht nur als Produktmarke sondern als Erlebnis aufzubauen.

Am meisten gelernt habe ich aber im letzten Jahr. Ich schreibe meine Bachelorarbeit über NÉMOIR und führe darin eine komplette Zielgruppenanalyse durch. Was vorher Bauchgefühl war, wird dadurch plötzlich messbar. Ich verstehe jetzt viel besser, wer unsere Kundinnen wirklich sind, was sie antreibt und wie wir sie am besten erreichen. Was früher ein Bauchgefühl war hat jetzt eine fundierte Basis und das merkt man in den Entscheidungen die wir treffen. Diese Erkenntnisse direkt auf eine echte Marke anzuwenden, die mir persönlich so viel bedeutet, ist eine komplett andere Erfahrung als jede Theorie davor.

Die Marke Némoir

Wie habt ihr das Konzept zu eurem StartUp in die Realität umgesetzt? Welche Erfahrungen oder Fähigkeiten aus dem Studium haben dir beim Aufbau von Némoir geholfen?

Der Weg von der Idee zur Umsetzung war umfangreicher als erwartet. Am Anfang stand die Frage wofür NÉMOIR überhaupt stehen soll. Wir haben uns intensiv mit unserer Vision, unseren Werten und unserer Zielgruppe beschäftigt und dann folgten die praktischen Schritte: Markenentwicklung, Produzenten suchen, Materialien auswählen, Website und Social Media aufbauen.

Bei der Entwicklung von neuen Produkten und Kampagnen, greife ich ständig auf Wissen aus den Bereichen Marketing, Strategie und Finanzen zurück. Sie haben mir bei der Definition der Zielgruppe, bei der Positionierung unserer Marke und bei der Preisgestaltungund Budgetplanung geholfen. Das alles sind keine abstrakten Konzepte mehr, sondern Entscheidungen, die ich täglich treffe.

Am wertvollsten aus dem Studium ist aber da strukturierte Denken, das ich mitgenommen habe. Probleme analysieren, komplexe Aufgaben in kleinere Schritte zu unterteilen und Prioritäten zu setzen ist etwas, das man im Studium ständig übt und als Gründerin genauso braucht. Informationen bewerten und trotzdem kreativ und beweglich zu bleiben, ist eine Kombination, die ich bei allem was ich für NÉMOIR tue benötige, und ich merke, dass sie mir jeden Tag hilft.

Gleichzeitig habe ich schnell gemerkt, dass vieles einfach nicht aus Büchern zu lernen ist. Manche Dinge versteht man erst wenn man mittendrin ist. Genau diese Kombination aus Theorie und echten Erfahrungen macht das Gründen für mich so spannend.

Welche Herausforderungen habt ihr zum Anfang von Némoir besonders gespürt? Gab es besondere Hürden und welche Lektionen hast du daraus mitgenommen?

Die grösste Hürde am Anfang war einen guten Produzenten zu finden. Als junges Startup hat man keine grossen Bestellmengen und keine langjährigen Beziehungen. Man muss sich das Vertrauen erst verdienen und das braucht Zeit, Geduld und viele Gespräche.

Genauso schwierig war es Vertrauen bei den Kundinnen aufzubauen. Eine neue Marke kennt niemand und man muss erst beweisen, dass man liefert was man verspricht.

Die wichtigste Lektion war, dass man einfach anfangen muss. Warten auf den perfekten Moment bringt nichts und die wertvollsten Erkenntnisse kommen sowieso erst wenn man mittendrin ist.

Ein Némoir Sweater bei der Verpackung

Euer Konzept vereint zeitlose Eleganz mit dem Komfort persönlicher Momente, kann man das so sagen? Wie schafft ihr es, diese Werte in den Produkten zu verbinden und zu vermitteln?

Ja genau das ist der Kern von NÉMOIR. Wir glauben, dass echte Eleganz durch Qualität, Passform und ein gutes Gefühl entsteht. Deshalb setzen wir auf zeitlose Schnitte, hochwertige Materialien und bewusst reduziertes Design.

Komfort ist dabei genauso wichtig wie Ästhetik. Kleidung begleitet einen durch den ganzen Tag und soll sich dabei einfach richtig anfühlen. Diese Haltung zeigt sich nicht nur in den Produkten, sondern auch in unserer Kommunikation. Unsere Bildwelt und unsere Texte sollen Ruhe und Authentizität vermitteln.

Für uns bedeutet Qualität nicht im Überfluss, sondern im richtigen Material und das Gefühl sich in einem Stück vollkommen wohlzufühlen.

Welche Pläne und Visionen habt ihr für Némoir? Wohin soll die Reise in den nächsten Jahren gehen?

Gerade sind wir mitten im Prozess unserer Herbstkollektion und das alleine fühlt sich schon wie ein neues Kapitel an. Wir entwickeln neue Stücke, arbeiten mit Produzenten und feilen an jedem Detail. Es ist intensiv aber genau das macht es spannend.

Durch meine Bachelorarbeit hat sich ausserdem eine Chance ergeben, die ich so nicht erwartet hätte. Ich habe die Umfrage aus meiner Bachelorarbeit auf LinkedIn geteilt und daraus ist etwas entstanden worüber ich mich sehr gefreut habe. More to come.

Langfristig wollen wir NÉMOIR bewusst wachsen lassen, ohne dabei unsere Identität zu verlieren. Wir können uns Kooperationen mit Kreativen vorstellen, Pop-ups und Events um die Marke erlebbar zu machen und irgendwann auch neue Märkte ausserhalb der Schweiz. Aber immer mit der Geschichte im Hinterkopf aus der NÉMOIR entstanden ist. Freundschaft, Kreativität und das Gefühl sich in einem Kleidungsstück einfach wohlzufühlen.

Viele Studierende überlegen, neben dem Studium ein Start-up zu eröffnen. Welche Tipps würdest du ihnen geben, um ein eigenes Projekt erfolgreich umzusetzen?

Einfach anfangen. Der perfekte Zeitpunkt kommt nicht und ein perfekter Businessplan auch nicht. Der grösste Teil des Lernens passiert sowieso erst wenn man mittendrin ist.

Umgib dich mit Menschen, die dich unterstützen und ehrliches Feedback geben. Ein gutes Netzwerk ist mehr wert als man denkt.

Und mach dir beswusst, dass du dabei Fähigkeiten entwickelst, die du im Studium so nicht lernst. Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen, mit Unsicherheit umgehen. Das ist die wertvollste Erfahrung, die ich bisher gemacht habe.

Wenn du Studierenden einen einzigen Rat geben könntest, wie würde dieser lauten?

Mein grösster Rat wäre, nicht alles bis kurz vor der Prüfung aufzuschieben, sondern sich regelmässig mit den Themen auseinanderzusetzen. Vieles wirkt am Anfang kompliziert, wird aber mit der Zeit deutlich verständlicher. Gleichzeitig lohnt es sich, neugierig zu bleiben, Fragen zu stellen und die Inhalte mit praktischen Beispielen aus dem Alltag oder dem Berufsleben zu verknüpfen. So lernt man nicht nur für gute Noten, sondern nimmt auch etwas mit, das einem langfristig weiterhilft.

Bachelor of Science Betriebsökonomie

Du erwirbst fundierte Kenntnisse in Unternehmensführung, Finanzwesen und Marketing, um wirtschaftliche Herausforderungen erfolgreich zu meistern.
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Carsten Peuckert

Prof. Dr. Carsten Peuckert

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carsten.peuckert@fhnw.ch
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Prof. Christian Tanner

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