Vanessa Orlando unterrichtet Financial Accounting, Management Accounting und Controlling an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Im Interview spricht sie darüber, wie wichtig Zahlen und Kernwerte für die Steuerung von Unternehmen sind, wie Studierende lernen, fundierte Entscheidungen zu treffen und wie zentral kritisches Denken im Zeitalter von KI ist.
Was unterrichtest du und was fasziniert dich an deinem Fachbereich?

Ich unterrichte Management Accounting und Controlling sowie Financial Accounting und bin Teil des Integrationsmodul-Teams. Am Anfang dachte ich, Finance sei schlichtweg Buchhaltung und fand es entsprechend mässig spannend. Mittlerweile weiss ich: Der Finanzbereich ist so viel mehr als reine Buchhaltung. Anhand von Zahlen lernen wir, Unternehmen zu verstehen. Sie geben uns die Messgrössen an die Hand um Entscheidungen zu treffen und Ziele zu erreichen, unabhängig von Grösse oder Phase des Unternehmens, ob man Teil davon ist oder es von aussen betrachtet. Mit den Finanzdaten hat man das Steuer in der Hand.
Was bereitet dir beim Dozieren am meisten Freude?
Am meisten Freude bereitet mir, Wissen zu vermitteln und im Austausch mit den Studierenden zu stehen. Die Tätigkeit ist für mich sehr sinnstiftend, was den Beruf sehr erfüllend macht. Wissen ist essenziell gerade in Zeiten von KI, in denen kritisches Denken gefragt ist. Und kritisch denken können wir vor allem dann, wenn wir selbst über genügend Wissen verfügen und logisches Denken gelernt haben.
Welche Fähigkeiten erwerben die Studierenden bei dir?
Im Finance kommunizieren wir in Zahlen. Sie sind weniger arbiträr als Worte. Trotzdem müssen wir lernen, sie richtig zu interpretieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Die Studierenden lernen, Zahlen richtig einzuordnen, zu hinterfragen und zu beurteilen. Das Schöne am Finance ist, dass es logisch aufgebaut ist und am Ende immer aufgehen muss. Alle Zahlen hängen zusammen. Spätestens am Schluss merkt man also, wenn man irgendwo falsch abgebogen ist.
Wie würdest du deinen Lehrstil beschreiben?
Mir sind Beispiele und Übungen sehr wichtig. Mein Ziel ist es, dass die Studierenden nach der Einführung eines neuen Konzepts direkt eine passende Übung erhalten, damit die Theorie gleich angewendet werden kann und sie dadurch mehr Substanz gewinnen. Kurze und längere konkrete Beispiele und Übungen sollen das Lernen dominieren.

Welchen Rat gibst du zukünftigen Studierenden?
Lernen kann anstrengend sein und zu Beginn hat man leicht den Eindruck das Gelernte nie wirklich anwenden zu müssen. Das stimmt grösstenteils nicht. Ich spreche oft mit ehemaligen Studienkolleg:innen, die sagen: «Hätte ich nur gewusst, dass ich das einmal brauchen werde, dann hätte ich mich mehr reingehängt.» Auch wenn ein Konzept im ersten Moment zu abstrakt wirkt: Unterschätzt nicht, wie oft ihr das erlernte Wissen später anwenden werdet. Auch wenn KI euch vieles abnehmen kann, ihr müsst trotzdem beurteilen können, ob das, was sie euch liefert, sinnvoll und korrekt ist. Nutzt KI zu eurem Vorteil und behandelt sie als Assistentin, nicht als Chefin.
Was müssen die Studierenden über dich wissen?
Ich bin sehr offen, zugänglich und kommunikativ, kann aber auch sehr fordernd sein. Ich setze Eigenverantwortung voraus, bin aber immer bereit zu unterstützen, wo ich kann.
Was machst du gerne in deiner Freizeit?
Ich lerne gerne. Nach meinem Hauptstudium in Finance habe ich einen zweiten Bachelor in Rechtswissenschaften an der HSG begonnen. Ich bin unternehmerisch unterwegs und arbeite in meiner Freizeit an eigenen Startup-Projekten. Ausserdem mache ich gerne Sport, male, gehe gerne gut essen und interessiere mich sehr für Psychologie – dazu habe ich ein Diplom gemacht und selbst Workshops gegeben. Ich bin Vorstandsmitglied in einem Verein für berufstätige Frauen, in dem ich mich national und international mit Frauen austausche, die sich für Gleichstellung einsetzen. So wird mir zum Glück selten langweilig.

