Was als COIL-Projekt an der Hochschule für Wirtschaft FHNW begann, wurde zu einer realen Englisch-Schule in Angola. Die Studentinnen Tugce Anac und Vinusha Vickneswaran entwickelten gemeinsam mit ihrem Projektpartner Zacarias Paulo Quibinda ein Bildungsangebot für junge Menschen in Huambo. Im Interview erzählen sie, wie aus einer Studienidee ein reales Projekt mit gesellschaftlicher Wirkung entstand.

Könnt ihr euch kurz vorstellen? Welchen Studiengang macht ihr an der Hochschule für Wirtschaft FHNW und in welchem Semester seid ihr gerade? Und wieso habt ihr euch für diesen Studiengang entschieden?
Wir sind Tugce und Vinusha und studieren an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Aktuell befinden wir uns im 8. Semester unseres Bachelorstudiums.
Tugce Anac: Ich studiere International Management mit Schwerpunkt Business Administration. Ich habe mich für diesen Studiengang entschieden, weil ich schon immer eine grosse Leidenschaft für verschiedene Kulturen, Sprachen und die internationale Zusammenarbeit hatte. Mich fasziniert, wie Menschen aus unterschiedlichen Ländern und mit verschiedenen kulturellen Hintergründen zusammenarbeiten, voneinander lernen und gemeinsame Lösungen entwickeln können. Durch den Studiengang erhalte ich nicht nur betriebswirtschaftliches Wissen, sondern auch ein tieferes Verständnis für internationale Geschäftsbeziehungen und interkulturelle Zusammenarbeit.
Vinusha Vickneswaran: Ich studiere Betriebswirtschaft. Ich habe mich für diesen Studiengang entschieden, weil mich wirtschaftliche Zusammenhänge, Unternehmensführung und strategische Fragestellungen interessieren. Besonders spannend finde ich die Möglichkeit, theoretisches Wissen auf reale Herausforderungen anzuwenden und nachhaltige Lösungen für Unternehmen und Organisationen zu entwickeln.
Wie seid ihr auf den COIL-Kurs aufmerksam geworden und warum habt ihr euch entschieden, daran teilzunehmen?
Auf den COIL-Projekt wurden wir im Rahmen des Spezialisierungsfachs «Sustainable Entrepreneurship» an der Hochschule für Wirtschaft FHNW aufmerksam. Besonders spannend fanden wir die Möglichkeit, gemeinsam mit Studierenden aus einem anderen Land an einem realen Projekt zu arbeiten und dabei internationale Erfahrungen zu sammeln.
Da wir beide grosses Interesse an Unternehmertum, Nachhaltigkeit und interkultureller Zusammenarbeit haben, war der Kurs für uns eine ideale Gelegenheit, theoretisches Wissen aus dem Studium praktisch anzuwenden. Ausserdem wollten wir verstehen, wie Herausforderungen und Chancen in einem anderen wirtschaftlichen und kulturellen Umfeld wahrgenommen werden.

Die Zusammenarbeit mit unserem Partner Zacarias Paulo Quibinda, einem Studenten der Politikwissenschaften am Instituto Superior Politécnico Sol Nascente in Angola, hat uns die Möglichkeit gegeben, neue Perspektiven kennenzulernen und gemeinsam eine Geschäftsidee zu entwickeln, die nicht nur wirtschaftliches Potenzial besitzt, sondern auch einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten kann.
Könnt ihr uns euer Projekt, die Englisch-Schule in Huambo, kurz vorstellen? Was ist das Konzept und wie kam es zu dieser Idee?
Unser Projekt heisst «Eternal Aprendiz» und entstand im Rahmen des COIL-Kurses gemeinsam mit unserem Projektpartner Zacarias Paulo Quibinda.
Während unserer Zusammenarbeit haben wir viel über die Situation vor Ort erfahren. Dabei wurde deutlich, dass viele junge Menschen in Huambo motiviert sind, Englisch zu lernen, aber oft keinen Zugang zu praxisorientierten Lernangeboten haben. Die englische Sprache ist eine wichtige Voraussetzung für bessere Bildungs- und Berufschancen.
Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee einer Englisch-Schule, die den Fokus auf praktische Kommunikation legt. Unser Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, Englisch nicht nur zu lernen, sondern auch im Alltag und Berufsleben anzuwenden.
Was war eure Motivation, das im COIL-Kurs entwickelte Konzept tatsächlich in die Realität umzusetzen?
Viele Studienprojekte enden mit einer Präsentation. Bei unserem Projekt hatten wir jedoch das Gefühl, dass daraus etwas entstehen könnte, das einen echten Mehrwert für Menschen schafft.
Durch die Gespräche mit Zacarias Paulo Quibinda wurde uns bewusst, dass der Bedarf an praktischer Englischbildung tatsächlich vorhanden ist. Das hat uns motiviert, das Projekt nicht nur als theoretische Übung zu betrachten, sondern die Idee weiterzuentwickeln und ihre tatsächliche Umsetzbarkeit zu prüfen. Uns begeistert die Vorstellung, mit einem Bildungsangebot langfristig positive Perspektiven für junge Menschen schaffen zu können.
Welche Kenntnisse oder Fähigkeiten aus eurem Studium konntet ihr besonders gut in die Projektplanung und Umsetzung einbringen?
Im Verlauf unseres Studiums konnten wir verschiedene Kompetenzen aufbauen, die uns bei diesem Projekt sehr geholfen haben.
Tugce konnte insbesondere ihr Wissen aus den Bereichen International Management, interkulturelle Zusammenarbeit, Projektmanagement und Business Development einbringen. Vinusha konnte ihr betriebswirtschaftliches Wissen, ihr Finanzwissen sowie ihre Kenntnisse in den Bereichen Unternehmensplanung einsetzen.
Zacarias konnte einen wichtigen Beitrag zur Marktanalyse sowie zur Umsetzung der Idee in Angola leisten. Besonders wertvoll war dabei auch sein fundiertes Wissen in Angola und sein lokales Netzwerk.
Wie war die Zusammenarbeit mit den Beteiligten aus Angola? Gab es dabei besondere Herausforderungen oder spannende Momente?
Die Zusammenarbeit mit Zacarias war sehr bereichernd und hat uns viele neue Einblicke ermöglicht. Besonders spannend war es, nicht nur theoretisch an einer Geschäftsidee zu arbeiten, sondern auch die reale Umsetzung mitzuerleben. Dadurch wurde das Projekt für uns greifbarer und emotionaler.
Ein besonderer Moment war der Eröffnungstag. Dieser Tag war sehr interaktiv, lebendig und emotional, weil wir direkt sehen konnten, wie unsere Idee bei den Menschen vor Ort ankommt. Die positiven Reaktionen, das Interesse und die Energie der Teilnehmenden haben uns stark motiviert und gezeigt, dass unsere Arbeit einen echten Mehrwert schaffen kann.
Natürlich gab es auch Herausforderungen, zum Beispiel bei der Koordination, Kommunikation und Organisation über Ländergrenzen hinweg. Trotzdem haben wir gelernt, flexibel zu bleiben, lösungsorientiert zu denken und uns auf die positiven Entwicklungen zu fokussieren. Insgesamt war die Zusammenarbeit eine sehr wertvolle Erfahrung, die uns fachlich und persönlich weitergebracht hat.

Was hat euch bei der Arbeit an dem Projekt am meisten beeindruckt? Sei es an der Kultur, den Menschen oder den Rahmenbedingungen vor Ort?
Am meisten beeindruckt hat uns die Offenheit, Motivation und positive Energie der Menschen vor Ort. Trotz teilweise herausfordernder Rahmenbedingungen war spürbar, wie gross das Interesse an Bildung, persönlicher Weiterentwicklung und neuen Chancen ist. Diese Haltung hat uns sehr inspiriert und gezeigt, wie viel Potenzial in dem Projekt steckt.
Besonders beeindruckend war auch die kulturelle Offenheit und Herzlichkeit, mit der wir aufgenommen wurden. Der Austausch mit den Beteiligten aus Angola hat uns geholfen, unsere eigene Perspektive zu erweitern und besser zu verstehen, wie wichtig es ist, Lösungen zu entwickeln, die wirklich zu den Bedürfnissen vor Ort passen.
Die Arbeit an dem Projekt hat uns gezeigt, dass eine gute Geschäftsidee nicht nur wirtschaftlich funktionieren sollte, sondern auch Menschen stärken und neue Möglichkeiten schaffen kann. Genau dieser gesellschaftliche Mehrwert hat uns besonders motiviert.
Welche wichtigen Lektionen oder Erfahrungen nehmt ihr aus diesem Projekt mit, sowohl persönlich als auch beruflich?
Das Projekt hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, Menschen zuzuhören und ihre tatsächlichen Bedürfnisse zu verstehen, bevor man Lösungen entwickelt.
Persönlich haben wir gelernt, offener für andere Perspektiven zu sein und kulturelle Unterschiede als Bereicherung wahrzunehmen. Beruflich konnten wir wertvolle Erfahrungen in internationaler Teamarbeit, Projektentwicklung und sozialem Unternehmertum sammeln. Ausserdem haben wir gelernt, wie wichtig es ist, Ideen nicht nur theoretisch zu entwickeln, sondern auch ihre praktische Umsetzbarkeit kritisch zu hinterfragen.
Welche Pläne habt ihr für die Zukunft der Englisch-Schule? Soll sie weiter wachsen oder neue Angebote erhalten?
Unser Ziel geht weit über das reine Unterrichten von Englisch hinaus. Wir möchten jungen Menschen in Angola helfen, einen einfacheren Zugang zur internationalen Welt zu finden und neue Perspektiven für ihre Zukunft zu schaffen.
Wir glauben, dass Sprache weit mehr ist als nur Kommunikation. Englisch kann Türen öffnen – zu besseren Bildungsangeboten, internationalen Karrieremöglichkeiten, globalem Wissen und kulturellem Austausch. Viele talentierte junge Menschen verfügen über grosses Potenzial, haben jedoch nicht immer die Möglichkeit, dieses auf internationaler Ebene zu entfalten. Genau hier möchten wir ansetzen.

Mit Eternal Aprendiz möchten wir Studierenden und jungen Erwachsenen die Möglichkeit geben, sich selbstbewusster auszudrücken, neue Kontakte zu knüpfen und Chancen wahrzunehmen, die ihnen bisher möglicherweise verschlossen geblieben sind. Unser Ziel ist es, ihnen langfristige Chancen zu eröffnen, die sie langfristig sowohl beruflich als auch persönlich weiterbringen.
Unsere Vision ist es, eine Generation von jungen Angolanerinnen und Angolanern zu fördern, die selbstbewusst kommuniziert, internationale Chancen erkennt und durch Bildung ihre Zukunft aktiv gestalten kann.
Was würdet ihr anderen Studierenden raten, die ebenfalls Projekte während ihres Studiums starten oder sogar in die Realität umsetzen wollen?
Unser wichtigster Rat ist: Habt den Mut, einfach anzufangen. Viele gute Ideen scheitern nicht an fehlenden Ressourcen oder mangelndem Potenzial, sondern daran, dass man zu lange auf den perfekten Zeitpunkt wartet.
Gleichzeitig würden wir empfehlen, sich nicht entmutigen zu lassen, wenn nicht alle Menschen die gleiche Begeisterung oder den gleichen Einsatz für ein Projekt zeigen. Gerade in Gruppenarbeiten oder Projekten wird man feststellen, dass nicht jeder dieselbe Vision oder Motivation teilt. Man sollte den Fokus auf die Menschen legen, die wirklich mitgestalten wollen. Diejenigen, die an die Idee glauben und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, zeigen sich meist sehr schnell.
Eine zentrale Lektion aus unserem Projekt war: Probleme werden immer entstehen. Entscheidend ist nicht, sie komplett zu vermeiden, sondern kreativ, flexibel und lösungsorientiert damit umzugehen.

Bachelor of Science Betriebsökonomie

Bachelor of Science Business Administration (International Management)
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