Sortierabgänge von Kartoffeln, Zwiebeln und Karotten könnten gezielt reduziert werden, wenn man wüsste mit welchen Geschäftsmodellen sie eventuell aufgewertet werden könnten und entsprechende Akteure zusammenbringen würde.
In der Schweiz fallen gemäss Angaben des Bundesamtes für Umwelt (BAFU, 2021) jährlich 2.7 Mio. Tonnen Lebensmittelverluste (Food Loss) bzw. Lebensmittelabfälle (Food Waste) an, davon mehr als die Hälfte (1.42 Mio. t) bei Produzierenden (Landwirtschaft, Fischerei, Fischzucht) und in der verarbeitenden Industrie. Ein kleiner Teil davon sind Sortierabgänge, also landwirtschaftliche Erzeugnisse, die nicht der von den Abnehmern geforderten Norm entsprechen (z.B. zu klein, zu gross, krupp, optische Makel etc.). Am 6. April 2022 verabschiedete der Bundesrat einen Aktionsplan gegen diesen Food Waste mit dem Ziel, den Verlust von jährlich knapp einem Drittel der für den Konsum in der Schweiz produzierten Lebensmittel bis 2030 im Vergleich zu 2017 zu halbieren.
Die Mitglieder des Verbandes des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels (swisscofel) haben sich in der branchenübergreifenden Vereinbarung zur Reduktion von Lebensmittelverlusten mit dem Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) dazu verpflichtet, die vermeidbaren Lebensmittelabfälle bis 2030 im Vergleich zum Basisjahr 2017 um 50% zu reduzieren. Verbandsinterne Analysen auf Stufe Grosshandel haben ergeben, dass vor allem im Bereich Sortierabgänge von Gemüse und Kartoffeln Potenzial besteht, diese Lebensmittel für den menschlichen Verzehr aufzubereiten und damit hochwertig im Kreislauf des Ernährungssystems zu verwerten. In diesem Upcycling wird eine besonders wirksame Form der Vermeidung von Food Waste gesehen.
In einer Studie mit finanzieller Unterstützung des Programms «Förderung von Qualität und Nachhaltigkeit (QuNaV)» des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLV) wurden Kartoffelnund Karotten ins Zentrum gestellt, weil bei diesen die Sortierabgänge in mittel bis grossen Mengen und im Gegensatz zu anderen Gemüsesorten wie beispielsweise Tomaten und Salat, auch sehr regelmässig (täglich) anfallen. Aktuelle Untersuchungen zeigen zudem, dass die Aufwertung von Nebenströmen die Abhängigkeit von neuen Rohstoffen verringern, die Produktionskosten senken und neue Geschäftsmöglichkeiten in der Lebensmittelindustrie schaffen können. Um dies jedoch verwirklichen zu können, müssen die produzierenden Betriebe ökonomische Argumente haben. Denn nur, wenn die Kosten und Arbeitsaufwände der Vermeidung dieser Lebensmittelverluste potenzielle Erträge aus einem Upcycling nicht übersteigen, können sie sich dies leisten. Dementsprechend benötigen sie funktionierende Geschäftsmodelle. Das Projekt zeigt mögliche Geschäftsmodelle auf und versucht branchenübergreifend Gespräche zur Thematik von Sortierabgängen zu moderieren.
Projektdetails
- Typ
- Forschungsprojekt
- Forschungsfeld
- Sustainable Business and Circular Economy
- Themen
- Kreislaufwirtschaft
- Hochschule/Institut
- Hochschule für Wirtschaft FHNW / Institut für Unternehmensführung
- Partner
- - Verband des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels (swisscofel)
- Branchenorganisation der Schweizer Kartoffeln (swisspatat)
- Circunis - Förderung
- Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), swisscofel, swisspatat
- Volumen
- CHF 75 000
- Laufzeit
- 2025 - 2026
- Leitung
- Aline von Jüchen
- Mitarbeit
- Prof. Dr. Claus-Heinrich Daub
Kontakt

Aline von Jüchen
- Telefon
- +41 56 202 84 35
- aline.vonjuechen@fhnw.ch