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Master MSE Geomatics, Studierende berichten

Studierende berichten: Zwei Wochen GNSS in Finnland

27. Juli 2026

Wie ich die ESA/JRC GNSS-Summerschool in Finnland erlebte.

Personen, die mich kennen, wissen langsam, dass ich eine, vielleicht etwas eigenartige, Faszination für GNSS habe. Ständig labere ich Kollegen und Kolleginnen mit diesem Thema voll. Aber ehrlich gesagt: Wie kann man das Thema nicht spannend finden? Wir haben da ein paar Radiosender, die an Atomuhren gekoppelt sind und auf einer Höhe von 20’000 km mit einer Geschwindigkeit von 4 km/s um die Erde kreisen. Und damit lassen sich Positionen auf der Erde mit einer Genauigkeit von unter 1 cm bestimmen? Einfach nur toll.

Als ich nun im letzten Herbst per Zufall auf die Webseite der „ESA/JRC International Summerschool on GNSS“ gestossen bin, war ich sofort neugierig. Ein 2-wöchiger Kurs nur über Satellitennavigation und Positionierung, organisiert durch die ESA (Europäische Weltraumorganisation) und das JRC (Joint Research Centre der Europäischen Kommission), klang schon sehr verlockend. Ausserdem sollte die Summerschool das nächste Mal in Finnland stattfinden. I was in! Nun ja, noch nicht ganz. Zuerst musste ich mich dafür bewerben, also: Lebenslauf updaten und mich mit einem kurzen Motivationsschreiben gut verkaufen. Anscheinend hat das funktioniert, denn ca. 1 Monat später bekam ich die Mitteilung, dass ich dabei sein darf.

Ein halbes Jahr später sass ich dann auf dem Flug nach Helsinki, etwas nervös, aber voller Vorfreude. Gemäss Programm erwarteten mich zwei strenge, aber interessante Wochen. Der Kurs startete mit einer Eröffnungsveranstaltung, die vollgepackt war mit (meistens) spannenden Reden des Organisationskomitees, des finnischen Wirtschaftsministers und des ehemaligen ESA-Direktors Jean-Jacques Dordain. Am Tag danach startete das dichte Programm: 3 Vorlesungs- und Praktikablöcke à je 75 min am Vormittag, Mittagessen um 13:30 Uhr, 2 Blöcke am Nachmittag und dann Abendessen um 20:00 Uhr (die Hauptverantwortung hatte ein Spanier). Die Themen der Vorlesungen waren sehr vielfältig und immer spannend: Unter anderem die Signalverarbeitung von Satellitensignalen, die Basics der Satellitennavigation, GNSS-Empfängerdesign, Ionosphäre & Troposphäre, PPP (Precise Point Positioning) und weiter mit aktuelleren Themen wie LEO-PNT (Low Earth Orbit Positioning, Navigation and Timing), Navigation auf dem Mond und der Zukunft des Galileo-Systems. Zudem möchte ich eine besonders interessante Vorlesung zu Projektmanagement hervorheben: Der ehemalige Director of Navigation bei der ESA, Paul Verhoef, schilderte seine Erfahrungen vom Aufbau des Galileo-Systems und wie er die Lehren von dort auf andere Projekte übertragen hat.

Insgesamt gab es vier Praktika: zwei zur Signalverarbeitung, strukturiert als Jupyter Notebooks (ähnlich wie die Photogrammmetrie- und Ausgleichsrechnungspraktika bei uns), und zwei zur Positionierung und PPP mit der Software gLAB, die wir im vergangenen Frühlingssemester auch bei uns für ein GNSS-Praktikum verwendet haben. Ein Highlight war, dass ich während der Summerschool mit einem der Entwickler von gLAB sprechen konnte.

Die Tage waren jeweils sehr intensiv und lang, jedoch hatten wir auch genügend Zeit für Soziales und Freizeit. Sauna und Baden im See sind natürlich logisch in Finnland, aber auch Velofahren, Joggen oder Tennisspielen waren dort gut möglich. Da Finnland praktisch nur aus Seen und Wäldern besteht, ist die Verirrungsgefahr eher hoch, was mir auch passiert ist. Zum Glück haben wir die Satellitennavigation. Um nicht nur im Hotel und dessen Umgebung zu bleiben, war am Samstag ein Ausflug in den Nuuksio-Nationalpark geplant. Ein Tag, gefüllt mit Spielen, Paddeln auf dem See und Crêpes über dem Feuer machen. Eine super Gelegenheit, um die anderen Teilnehmer auch anders kennenzulernen. Von denen waren wir nämlich viele: 102 Personen aus der ganzen Welt, Studierende und Ingenieur*innen von Jung bis Alt. Insgesamt hatten sich etwa 300 Personen für die Summerschool beworben, ein Rekordjahr gemäss den Veranstaltern. Während jedes Essens sass mindestens eine Person am Tisch, mit der ich noch nicht gesprochen hatte. Meine üblichen Ice-Breaker-Fragen wurden mir irgendwann zu blöd („Where are you from?“, „What do you do with GNSS?“) und ich musste etwas kreativer werden. Es werden mir wohl vor allem die unterschiedlichen Menschen, die ich kennenlernen durfte, in Erinnerung bleiben. Die meisten von ihnen hatten einen Hintergrund in Elektrotechnik oder in der Luft- und Raumfahrttechnik und hatten noch nie etwas von Geomatik oder Vermessung gehört, was immer zu spannenden Gesprächen führte.

Mit neun der Teilnehmer durfte ich etwas näher zusammenarbeiten. Teil der Summerschool war auch ein Projektwettbewerb, bei dem wir einen Business Case im Zusammenhang mit PNT/GNSS entwickeln sollten. Während 1,5 Tagen erstellten wir das Produkt „SkyFence“ zur automatischen Rehkitzrettung für die Landwirtschaft, basierend auf Thermaldrohnen, automatischer Tiererkennung, Geo-Fencing und einem integrierten Informationsfluss zwischen Traktor und Drohne. Es war eine Herausforderung, da wir uns als Gruppe nicht sonderlich gut kannten und uns gut aufteilen mussten. Am letzten Nachmittag fanden dann die Projektpräsentationen statt. Später am Abend wurden die Gewinner bekannt gegeben, und sage und schreibe schaffte es unsere Gruppe auf einen geteilten 1. Platz mit einer weiteren Gruppe! Bambi zu retten, scheint wohl bei der Jury gut angekommen zu sein. Danach war es schon zu Ende, ein letztes gemeinsames Abendessen und die Zeit war gekommen, Tschüss zu sagen.

Diese zwei Wochen waren ein unvergessliches Erlebnis, voller spannender und lustiger Momente. Für mich werden sie eines der grössten Highlights meines Studiums sein. Aus dem Austausch mit den Kursteilnehmern und Referenten werde ich viel Wertvolles mitnehmen können. Ein grosses Dankeschön an das IGEO und die FHNW, welche mir diese Summerschool ermöglicht haben.

Autor: Fredrik Lennström, Student Master of Science in Engineering MSE, Profil Geomatics

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