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Projekte

Das Wohnen von Babyboomer*innen in der Schweiz – Mythen auf dem Prüfstand, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW

Hochschule für Soziale Arbeit


  • Die Generation, über die alle sprechen
  • Was wir wissen wollten
  • Wohngeschichten statt Statistiken
  • Zwischen Beständigkeit und Veränderung
  • Bericht
  • Projektdetails
  • Kontakt

Babyboomer*innen gelten als wohlhabend, mobil und offen für neue Wohnformen. Die Studie zeigt jedoch ein deutlich differenzierteres Bild: Die meisten wohnen seit Jahrzehnten am selben Ort, Veränderungen erfolgen meist erst bei einschneidenden Lebensereignissen. Hinter der Generation verbirgt sich eine grosse Vielfalt an Lebenslagen, Bedürfnissen und Wohnbiografien.

  • Ausschnitt Oberlörper Mann neben Cabriolet
    ©Jenny Baese
  • Boden neben Sitzbank mit Füssen in roten Schuhen
    ©Jenny Baese
  • Bergpanorama, Haus, Schweizer Fahne
    ©Jenny Baese
  • Baum
    ©Jenny Baese
  • BOO_Hut-Web.jpg
    ©Jenny Baese
  • BOO_Reithalle-web.jpg
    ©Jenny Baese

Die Generation, über die alle sprechen

Die Babyboomer*innen der Jahrgänge 1957 bis 1966 bilden eine der grössten Bevölkerungsgruppen der Schweiz. Mit dem Übergang in die Pensionierung rücken Fragen des Wohnens, der sozialen Teilhabe und des Älterwerdens zunehmend in den Fokus von Politik, Wohnungswirtschaft und Gesellschaft. Gleichzeitig prägen stereotype Vorstellungen die öffentliche Diskussion: Babyboomer*innen werden häufig als vermögende, gesunde und besonders veränderungsbereite «Golden Agers» beschrieben.

Tatsächlich ist die Generation jedoch sehr heterogen. Während einige über Wohneigentum, finanzielle Reserven und grosse Gestaltungsspielräume verfügen, sind andere von steigenden Wohnkosten, gesundheitlichen Einschränkungen oder unsicheren Zukunftsperspektiven betroffen. Die Studie untersucht deshalb, wie Babyboomer*innen in der Schweiz heute wohnen, welche Bedeutung das Wohnen für sie hat und welche Überlegungen sie hinsichtlich ihrer zukünftigen Wohnsituation anstellen. Die Untersuchung wurde von der Age-Stiftung gefördert und von Forschenden der OST - Ostschweizer Fachhochschule sowie der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW durchgeführt.

Was wir wissen wollten

Ziel der Studie ist es, verbreitete Mythen über das Wohnen von Babyboomer*innen zu überprüfen und ein differenziertes Bild ihrer Wohnrealitäten zu zeichnen. Im Zentrum stehen die Wohnsituationen, Bedürfnisse, Handlungsspielräume und Zukunftsvorstellungen dieser Generation.

Die Ergebnisse sollen Fachpersonen aus Wohnungswirtschaft, Planung, Politik, Sozial- und Gesundheitswesen dabei unterstützen, Wohnangebote und Rahmenbedingungen stärker an den vielfältigen Lebenslagen älterer Menschen auszurichten. Zudem macht die Studie innovative und bislang wenig sichtbare Wohnpraktiken sichtbar, die Impulse für zukünftige Wohnformen liefern können.

Wohngeschichten statt Statistiken

Die Studie folgt einem qualitativen Forschungsansatz. Herzstück sind 23 wohnbiografische Interviews mit insgesamt 25 Babyboomer*innen aus der Deutschschweiz. Die Gespräche wurden grösstenteils in den Wohnungen der Teilnehmenden geführt und durch soziodemografische Daten, statistische Analysen sowie Expert*innen-Gespräche ergänzt.

Die Auswertung konzentriert sich auf sechs zentrale Themen: Wohnen zwischen Beständigkeit und Wandel, soziale Einbindung, Selbstbestimmung, Selbstausdruck, Sicherheit und Geborgenheit sowie Zukunftsvorstellungen zum Wohnen im Alter. Dadurch wird sichtbar, wie Wohnentscheidungen entstehen und welche Bedeutung Wohnen in dieser Lebensphase erhält.

Zwischen Beständigkeit und Veränderung

Die Studie zeigt, dass Babyboomer*innen weit weniger veränderungsbereit sind als oft angenommen. Die Mehrheit lebt seit vielen Jahren am selben Ort und möchte dies möglichst beibehalten. Wohnveränderungen erfolgen meist nicht strategisch, sondern als Reaktion auf biografische Ereignisse wie Trennung, Krankheit, Verwitwung oder den Auszug der Kinder. Frauen erweisen sich dabei häufig als treibende Kräfte von Veränderungen.

Familie bleibt ein zentraler Bezugspunkt, muss jedoch in der zweiten Lebenshälfte neu organisiert werden. Gleichzeitig gewinnen Nachbarschaft, Freundschaften und alternative Wohnarrangements an Bedeutung. Obwohl das Interesse an gemeinschaftlichen Wohnformen vorhanden ist, werden diese nur selten umgesetzt.

Besonders wichtig sind Selbstbestimmung, Wohnsicherheit und das Gefühl von Geborgenheit. Ob diese Bedürfnisse erfüllt werden können, hängt stark von den verfügbaren finanziellen, sozialen und gesundheitlichen Ressourcen ab. Während manche Babyboomer*innen neue Wohnformen ausprobieren oder mehrere Wohnsitze nutzen, stehen andere vor finanziellen oder gesundheitlichen Herausforderungen.

Für Planung und Politik ergibt sich daraus die Notwendigkeit, die Vielfalt dieser Generation stärker zu berücksichtigen. Gefragt sind flexible, bezahlbare und gut erreichbare Wohnangebote, die sowohl soziale Einbindung als auch Selbstbestimmung ermöglichen.

Bericht

Der vollständige Bericht der Age-Stiftung kann hier heruntergeladen werden.Zentrale Ergebnisse wurden zudem in einem begleitenden Kartenset visualisiert, das verbreitete Mythen über das Wohnen von Babyboomer*innen einer empirisch fundierten Perspektive gegenüberstellt.


Projektdetails

Typ
Forschungsprojekt
Hochschule/Institut
Hochschule für Soziale Arbeit FHNW / Institut Soziale Arbeit und Gesundheit, Institut Sozialplanung, Organisationaler Wandel und Stadtentwicklung
Partner
OST - Ostschweizer Fachhochschule,
IFSAR - Institut für Soziale Arbeit und Räume
Förderung
Age-Stiftung
Volumen
CHF 180 000
Laufzeit
2022-2026
Leitung
Prof. Dr. Nicola Hilti, IFSAR,
Prof. Dr. Christian Reutlinger

Kontakt

Prof. Dr. phil. habil. Christian Reutlinger

Dozent, Institut Sozialplanung, Organisationaler Wandel und Stadtentwicklung, Institut Soziale Arbeit und Gesundheit, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW
Telefon
+41 62 957 24 54
E-Mail
christian.reutlinger@fhnw.ch

Hochschule für
Soziale Arbeit Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW

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