Rauchen ist in der Schweiz weiterhin eines der grössten vermeidbaren Gesundheitsrisiken. Ein Team der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW evaluierte ein Rauchstopp-Angebot des Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF.

Rund 24 Prozent der erwachsenen Bevölkerung raucht, wobei die Prävalenz bei Menschen mit tieferem Einkommen, geringer Bildung oder Migrationshintergrund deutlich höher ist. Tabakkonsum verursacht jährlich mehrere Tausend vorzeitige Todesfälle und hohe Kosten für das Gesundheitswesen. Obwohl viele Rauchende einen Ausstieg wünschen, scheitert dieser häufig an strukturellen und individuellen Hürden wie Stress, Mehrfachbelastungen, sprachlichen Barrieren oder fehlendem Zugang zu niederschwelligen Angeboten. Entsprechend ist Rauchen auch sozialpolitisch verortet und eng mit Fragen der Chancengleichheit verbunden.
Die Schweizer Tabakpolitik kombiniert gesetzliche Massnahmen – etwa Werbeeinschränkungen oder Schutz vor Passivrauchen – mit Prävention und Unterstützung beim Rauchstopp. Gerade bei sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen zeigen klassische Angebote jedoch eine begrenzte Reichweite. Vor diesem Hintergrund setzt das Projekt «Gemeinsam rauchfrei! Tabakprävention und Rauchstopp mit benachteiligten Bevölkerungsgruppen» an. Es verfolgt das Ziel, Rauchprävalenz und Passivrauchbelastung zu reduzieren, indem es mehrsprachige, kostenfreie und zielgruppengerechte Angebote in vertrauten sozialen Kontexten bereitstellt. Die Evaluation untersucht, wie das Projekt umgesetzt wird, welche Wirkungen es erzielt und welche Erkenntnisse sich für die Weiterentwicklung der Tabakprävention und zukünftige Programme ableiten lassen
Ziele und Vorgehen
Das Projekt «Gemeinsam rauchfrei!» des Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF mit einer Laufzeit vom 1.11.2021 bis 30.11.2024 wurde im Auftrag des Tabakpräventionsfonds durch die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW formativ und summativ evaluiert. Das Projekt zielte darauf ab, die Prävalenz des Rauchens zu senken und das Passivrauchen insbesondere bei sozial benachteiligten und/oder zugewanderten Bevölkerungsgruppen zu reduzieren. Die Intervention umfasste kostenlose, muttersprachliche Workshops, die vor Ort in den Vereinen oder digital durchgeführt wurden, sowie interaktive Livestreams zur Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten zum Rauchstopp. Die Datenerhebung der Evaluation umfasste eine Prä-/Post-Befragung und leitfadengestützte Interviews mit der Zielgruppe sowie Fokusgruppen mit Vereinsmitgliedern und Projektmitarbeitenden.
Ergebnisse
Die Ergebnisse der Evaluation zeigen auf, dass durch den beziehungsgeleiteten und niederschwelligen Ansatz die geplante Anzahl an Workshops durchgeführt werden konnte. Die Workshops vor Ort erleichterten den Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmenden, was von den Befragten als wichtiger Erfolgsfaktor bewertet wurde. Am Projekt nahmen vor allem Migrant:innen in sozial benachteiligten Lebenslagen teil und es erwies sich mit einer Rauchstoppquote von 23 % und 50 % Rauchstoppversuchen als wirksam. Zudem berichtete rund ein Viertel der Nichtraucher:innen, Personen in ihrem Umfeld zum Rauchstopp motiviert zu haben. Signifikante Steigerungen zeigten sich auch bei einigen umsetzungsrelevanten Handlungskompetenzen der Raucher:innen. Darüber hinaus hat das Projekt in einigen Vereinen die Ausweitung rauchfreier Orte initiiert.
Die Empfehlungen umfassen die Erhöhung der Reichweite durch alternative Zugangswege zur Zielgruppe ohne Migrationshintergrund, die Etablierung langfristiger Unterstützungsformate wie Peer-Unterstützungsgruppen und die Stärkung gesundheitsförderlicher Vereinsnormen bzw. der Rolle von Multiplikator:innen in den Vereinen.
Projektdetails
- Forschungsfeld
- Gesundheitsförderung und Prävention
- Hochschule/Institut
- Hochschule für Soziale Arbeit FHNW / Hochschule für Soziale Arbeit, Institut Soziale Arbeit und Gesundheit
- Partner
- Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF
- Förderung
- Bundesamt für Gesundheit BAG, Tabakpräventionsfonds TPF
- Laufzeit
- 15.06.2022 - 31.03.2025
- Leitung
- Prof. Dr. Andrea Zumbrunn
- Mitarbeit
- Samin Sepahniya, Dr. Lucy Bayer-Oglesby, Dr. Pascal Lienert
Kontakt

Prof. Dr. phil. Andrea Zumbrunn
- Telefon
- +41 62 957 21 62
- andrea.zumbrunn@fhnw.ch