Auch wenn ältere Personen das Internet im Allgemeinen seltener nutzen als jüngere Personen, so zeigt sich doch, dass sie insgesamt immer öfter online sind – auch, um gesundheitsbezogene Informationen abzurufen. Die Studie untersucht, welche Motive ältere Menschen bei der Nutzung digitaler Gesundheitsinformationen leiten und wo sie Barrieren wahrnehmen.

In der Schweiz nutzen mittlerweile 9 von 10 Personen über 65 das Internet, nicht zuletzt, um sich online über Gesundheitsinformationen zu informieren (Pro Senectute, Studie Digital Seniors 2025). Dies ist wichtig, weil gesundes Altern unter anderem eine Frage der Gesundheitskompetenz ist, die optimalerweise durch den Zugang zu validen Informationen und vielfältigen gemeinschaftlichen Aktivitäten in der digitalen und physischen Welt gefördert wird.
Digital aufbereitete Gesundheitsinformationen können ältere Menschen bei der Orientierung und Entscheidungsfindung unterstützen. Darüber hinaus eröffnen digitale Angebote Möglichkeiten für den gesundheitsbezogenen Austausch mit Fachpersonen und anderen Betroffenen, wobei sich Informationssuche und Austausch sinnvoll ergänzen können. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt ReDiH, inwiefern ältere Personen digitale Gesundheitsinformationen und gesundheitsbezogene digitale Austauschformate nutzen, welche Motive dabei eine Rolle spielen und wo sie Barrieren wahrnehmen.
Basierend auf den Ergebnissen werden praktische Empfehlungen formuliert – und zwar unter Einbeziehung älteren Menschen, betreuenden Angehörigen sowie Fachpersonen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich.
Vorgehen
Um diese Ziele zu erreichen, wurde ein Mixed-Methods-Ansatz verfolgt, der quantitative und qualitative Methoden kombiniert. Dazu gehörten ein Desk Research, eine repräsentative Befragung von älteren Personen in der Schweiz (N = 1'325) sowie Workshops. Im Rahmen der Befragung wurden die Nutzung digitaler Gesundheitsangebote, Motive und Barrieren sowie verschiedene Kompetenzen wie die Gesundheitskompetenz und die digitale Kompetenz erhoben. Zudem fanden während der Projektlaufzeit mehrere Workshops mit älteren Personen, betreuenden Angehörigen und Fachpersonen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich statt. Ein wissenschaftliches Soundingboard begleitete das Projekt kontinuierlich über die gesamte Laufzeit. Abschliessend wurden konkrete Handlungsempfehlungen formuliert.
Ergebnisse
Rund vier von fünf Personen über 60 Jahren, die das Internet nutzen, suchen dort nach Gesundheitsinformationen. Drei Viertel der Befragten nutzen das Internet, um das eigene Verständnis ihrer Gesundheit zu verbessern, mehr als die Hälfte sucht gezielt nach Informationen zu Medikamenten oder Behandlungsmöglichkeiten.
Doch dabei muss differenziert werden: Viele ältere Menschen berichten zwar, dass sie Informationen online leicht finden und sie auch verstehen können. Deutlich schwerer fällt ihnen jedoch die Beurteilung und Einordnung dieser Gesundheitsinformationen. Schwierig ist insbesondere die Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit und die Frage, ob Inhalte zur eigenen Situation passen.
In einer digital geprägten Zukunft besteht das Ziel darin, älteren Menschen die eigenständige und sichere Nutzung digitaler Gesundheitsangebote zu ermöglichen. Um dies zu erreichen, leitet das Forschungsteam verschiedene Empfehlungen ab. Dazu gehören:
- Die Einrichtung von niederschwelligen Lernangeboten wie lokalen «Digital Cafés», Techniksprechstunden oder Lerngruppen, in denen ältere Menschen digitale Kompetenzen sowie digitale Gesundheitskompetenzen aufbauen können.
- Die Begleitung der älteren Personen bei der Suche und Bewertung von Gesundheitsinformationen, etwa durch Fachpersonen.
- Stärkere Verpflichtung von Anbietenden digitaler Gesundheitsinformationen: Plattformen sollen transparente Quellenangaben, verständliche Inhalte und klare Qualitätsstandards gewährleisten, damit Nutzende verlässliche Informationen erkennen können.
- Sicherung analoger Informations- und Austauschangebote, damit auch Personen ohne digitale Nutzung erreicht werden.
Die vollständigen Ergebnisse sowie alle Empfehlungen finden Sie unter folgendem Link (PDF).
Projektdetails
- Forschungsfeld
- Alter, Digitalisierung in der Sozialen Arbeit und Gesundheitsförderung und Prävention
- Hochschule/Institut
- Hochschule für Soziale Arbeit FHNW / Institut Integration und Partizipation, Institut Soziale Arbeit und Gesundheit
- Förderung
- Schweizerischer Nationalfonds (SNF)
- Laufzeit
- 1.4.2023 – 31.3.2026
- Leitung
- Fabian, Carlo
Seifert, Alexander - Mitarbeit
- Bayer-Oglesby, Lucy
Sepahniya, Samin
Bachofner, Yves
Kontakt

Prof. Carlo Fabian
- Telefon
- +41 62 957 22 12
- carlo.fabian@fhnw.ch

Dr. Alexander Seifert
- Telefon
- +41 62 957 29 38