Coiffeusen und Coiffeure leisten weit mehr als handwerkliche Arbeit. Werden sie genügend darauf vorbereitet? FHNW Forschungsprojekt zeigt Handlungsbedarf auf.
Wer im Salon arbeitet, weiss: Es geht längst nicht nur um Farbe, Schnitt und Styling. Kundinnen und Kunden bringen ihre Geschichten, Sorgen und manchmal auch schwere Lebenssituationen mit. Ein Projekt der Hochschule für Wirtschaft FHNW zeigt: Die kommunikativen und emotionalen Anforderungen im Coiffeurberuf sind hoch. Ein Interviewzitat bringt es auf den Punkt: «Es ist einfach das verdammte Leben, das bei dir auf dem Stuhl sitzt.»
Im Rahmen eines Innosuisse-Innoschecks untersuchte das Institut für Personalmanagement und Organisation der Hochschule für Wirtschaft FHNW explorativ, wie die Branche aktuell mit diesen Anforderungen umgeht und welche Bedürfnisse bestehen. Grundlage waren Branchenanalysen sowie Interviews mit unterschiedlichen Anspruchsgruppen (z.B. Coiffeuse, Verband, Ausbildner, Arbeitgeber, Gewerkschaft sowie Industriepartner).
Hohe emotionale Anforderungen, geringe strukturelle Unterstützung
In der Schweiz arbeiten rund 29 850 Personen in 16 847 Coiffeursalons. Neben fachlicher Expertise erfordert der Berufsalltag ein breites Spektrum an kommunikativen, emotionalen und sozialen Kompetenzen. Coiffeusen und Coiffeure bewegen sich täglich im Spannungsfeld zwischen Nähe und professioneller Distanz. Die Untersuchung zeigt:
- Hohe kommunikative und emotionale Anforderungen: Gesprächsführung, Coachingkompetenz, Abgrenzung und Stressmanagement sind im Berufsalltag hoch relevant.
- Vergleichsweise geringe Verankerung überfachlicher Kompetenzen in Aus- und Weiterbildung.
- Informeller Austausch unter Kolleg:innen fungiert als zentraler, jedoch wenig strukturierter Lernraum.
Gleichzeitig steht die Branche unter Druck: Die Zahl der Lernenden sinkt, Vertragsauflösungen sind überdurch-schnittlich hoch und die gesellschaftliche Wertschätzung bleibt gering.
Kaum Forschung, grosses Präventionspotenzial
Die Coiffeurbranche ist bislang wissenschaftlich wenig untersucht. Das Projekt macht deutlich: hier besteht Nachholbedarf. Dabei geht es nicht darum, Coiffeusen und Coiffeure zu Coaches auszubilden oder ein neues Geschäftsfeld zu eröffnen. Ziel ist, das Kerngeschäft gesundheitsförderlicher, professioneller und resilienter aus-üben zu können.
Jetzt Partner:in für die Folgestudie werden!
Die Ergebnisse unterstreichen den Bedarf an weiterführender Forschung und an branchenspezifischen, niederschwelligen Angeboten. Aufgrund der fragmentierten Stakeholderstruktur und der hohen Kostensensitivität der Branche ist eine breite Allianz zentral. Ein weiterführendes Innosuisse-Projekt ist in Planung. Interessierte Organisationen, Verbände, Ausbildungsinstitutionen, Salons und Praxispartner sind eingeladen, sich am Folgeprojekt zu beteiligen.
Interessiert? Melden Sie sich und gestalten Sie die Zukunft der Gesprächskompetenz im Coiffeurberuf aktiv mit!

Cut’n Coach - Coachingkompetenz im Coiffeurberuf entwickeln
Kontakt

Prof. Dr. Anja Mücke
- Telefon
- +41 62 957 30 23
- anja.muecke@fhnw.ch