Drei Tage lang trafen sich Forschende und Branchenexpertinnen und -experten aus aller Welt am FHNW Campus Olten, um eine der drängendsten Fragen unserer Zeit zu diskutieren: Wie können Menschen und künstliche Intelligenz effektiv zusammenarbeiten?

Die 25. Internationale Konferenz Perspectives in Business Informatics Research (BIR) brachte unter dem Motto „Hybrid Intelligence in Business“ rund 80 Teilnehmende aus 19 Ländern zusammen.
Mit insgesamt 79 Präsentationen, fünf internationalen Workshops, vier Keynotes und einer abschliessenden Podiumsdiskussion bot die Konferenz eine lebendige Plattform für den Austausch über Chancen und Herausforderungen, die künstliche Intelligenz für Organisationen und die Gesellschaft mit sich bringt.
Die Zukunft hybrider Intelligenz erforschen
Das Programm war in fünf zentrale Forschungsbereiche gegliedert:
- Architekturen und Systeme für hybride Intelligenz
- Ethische, verantwortungsvolle und rechenschaftspflichtige KI- und Informationssysteme
- KI-gestütztes Daten- und Wissensmanagement
- Abstimmung, Interoperabilität und Offenheit
- Intelligente Systeme und Anwendungsbereiche
Während der gesamten Konferenz diskutierten die Teilnehmenden, wie KI Organisationen verändert und wie sich menschliche Expertise und künstliche Intelligenz sinnvoll kombinieren lassen, um bessere Ergebnisse zu erzielen.
Besonders bemerkenswert war die intensive Auseinandersetzung mit dem Konferenzthema über die einzelnen Vorträge hinaus. Viele Referierende griffen Erkenntnisse aus anderen Sessions auf, wodurch ein kontinuierlicher Dialog entstand, der den interdisziplinären Charakter der Forschung zur hybriden Intelligenz unterstrich.
Erkenntnisse führender Expertinnen und Experten
Die Keynote-Referierenden näherten sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven, vermittelten jedoch eine gemeinsame Botschaft: KI soll menschliche Fähigkeiten unterstützen, nicht ersetzen.
Prof. Dr. Frank van Harmelen von der Vrije Universiteit Amsterdam skizzierte eine Vision von KI als kognitiver Partner. Intelligente Systeme seien demnach Werkzeuge, die Menschen beim Denken und Handeln unterstützen, anstatt als eigenständig denkende Maschinen zu agieren.
Prof. Dr. Hans-Georg Fill von der Universität Freiburg beleuchtete die Auswirkungen von KI auf Lernprozesse und betonte die Bedeutung von konzeptioneller Modellierung sowie bewusst KI-freier Räume in der Bildung.
Aus Sicht der Wirtschaft hob Dr. Christian Lichka von der BOC Group Switzerland hervor, wie wichtig es ist, den organisatorischen Kontext zu gestalten, in dem KI eingesetzt wird. Unternehmensmodelle könnten dabei als digitale Abbildungen von Organisationen dienen.
Prof. Dr. Toni Wäfler von der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW thematisierte die Risiken einer zu starken Abhängigkeit von KI. Er warnte vor möglichen Einbussen beim kritischen Denken und bei fachlichen Kompetenzen und plädierte für KI-Anwendungen, die menschliche Denk- und Entscheidungsfähigkeiten stärken.
Die Verbindung zwischen Forschung und Praxis stärken
Ein besonderes Highlight war die Lancierung der BIR Industry Bridge, einer neuen Initiative zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.
Vertretende des KI-ZENTRUMS, von Axians Switzerland und T-Systems Switzerland berichteten von ihren praktischen Erfahrungen bei der Einführung von KI. Die Themen reichten von strategischer Planung über technische Implementierung bis hin zu souveränen KI-Lösungen.
Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion über die zukünftige Zusammenarbeit von Forschung und Industrie. Dabei kristallisierten sich zwei zentrale Erkenntnisse heraus:
- Bildungssysteme müssen weiterentwickelt werden, um künftige Fachkräfte auf zunehmend KI-gestützte Arbeitswelten vorzubereiten.
- Unternehmen benötigen stärkere und langfristigere Partnerschaften mit Hochschulen, um komplexe Innovationsherausforderungen zu bewältigen und in einem sich rasch wandelnden Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben.
Eine internationale Gemeinschaft
Neben dem wissenschaftlichen Programm bot die Konferenz zahlreiche Gelegenheiten zum Networking, darunter einen Besuch bei der Alpiq AG, eine Stadtführung durch Olten sowie das Konferenzdinner, an dem der Best Paper Award verliehen wurde.
Der Erfolg der Veranstaltung war nur dank der Zusammenarbeit zahlreicher Forschender, Organisatorinnen und Organisatoren, Helfender und Partner aus Europa, Afrika, Asien sowie Nord- und Südamerika möglich. Als Gastgeberin begrüsste die FHNW die internationale Gemeinschaft am Campus Olten und bot den Rahmen für drei inspirierende Tage voller Diskussionen über die Zukunft von KI und Wirtschaft.
Die Konferenzbeiträge wurden von Springer veröffentlicht. Damit tragen die in Olten präsentierten Erkenntnisse und Forschungsergebnisse auch künftig zur internationalen Diskussion über hybride Intelligenz und ihre Rolle bei der Gestaltung der Organisationen von morgen bei.




