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Bachelor in Geomatik, Studierende berichten

Studierende berichten: Community Musicking in der Exploration Week: Wie aus Wänden Klang entsteht

9. Oktober 2026

Im Rahmen der Exploration Week zum 20-jährigen Jubiläum der FHNW bot das Modul «Community Musicking» Raum für interdisziplinäre Experimente. Die Woche startete gemeinsam in Muttenz, beinhaltete die intensive dreitägige Modulphase und endete mit einer vielfältigen Ergebnispräsentation, Diskussionen und einem gemeinsamen Abschluss in Brugg. Das Ergebnis lädt zum Eintauchen in eine neue Welt ein.

Zu ihrem 20-jährigen Jubiläum lud die FHNW zu einer hochschulübergreifenden Projektwoche ein, der Exploration Week. Das Ziel: Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit von Studierenden und Mitarbeitenden zukunftsrelevante Kompetenzen (Future Skills) fördern und innovative Lehrformate erproben. Als Teilnehmer habe ich mich für das Modul «Community Musicking» entschieden und – obwohl dieses Modul nicht meine erste Wahl war – hat mich vor allem die Lust etwas Neues auszuprobieren und interdisziplinär zu arbeiten motiviert.

Die Woche begann  mit einem gemeinsamen Anlass in Muttenz, wo wir uns dem Thema «Was hält die Gesellschaft zusammen» widmeten.

Abbildung 1 Einstiegsanlass der Exploration Week in der Aula der FHNW in Muttenz

Nach einem gemeinsamen Mittagessen ging es weiter zur Musikakademie in Basel, wo mein Modul stattfand. In der Einführung wurden unser Hör- und Tastsinn durch das blinde Begehen der Akademie mit Augenbinden geschärft. Mit dieser speziellen Wahrnehmung der Umgebung fühlte sich das Rauschen der Bäume und das Knarzen des Holzbodens plötzlich ganz anders an. Um den begangenen Weg zu visualisieren, kreierten wir Karten in welche Farben und Geräusche eingezeichnet wurden. Aufgrund meiner Ausbildung als Geomatiker und dem zuvor betrachteten Lageplan der Akademie glich mein Plan eher einem Feldhandriss. Später ergab sich die Möglichkeit, die begangene Route anhand der gezeichneten Karten zu rekonstruieren, was mir aufzeigte, an welchen Ecken ich im Plan falsch abgebogen war.

Abbildung 2 Beispiele der Karten des blinden Rundgangs mit Farben und Geräuschen

Mit sieben teilnehmenden Studierenden aus unterschiedlichen Institutionen, waren wir eine eher kleine aber feine Gruppe, die für jeden einzelnen einen produktiven Raum für Ideen und Perspektiven bot. Zur gegenseitigen Vorstellung brachten wir «Instrumente», die eine wichtige Rolle in unserem beruflichen Alltag bilden mit. Ich entschied mich für einen Tachymeter, den ich beim Institut Geomatik freundlicherweise ausleihen durfte.

Am nächsten Tag begann, nach einem umfassenden Aufwärmprogramm mit Musik und Bewegung, unser eigentliches Vorhaben: Die Erstellung und Exploration einer gemeinsamen musikalischen Szenografie, die den Campus in einen lebendigen Klangraum verwandelt. Dabei wurden uns verschiedene Alltagsobjekte wie «Gumpibälle» oder eine FHNW-Flasche mit Horn vorgestellt. Es stand uns aber frei, selbst Ideen und kreative Ansätze umzusetzen. Da die Interessen der Gruppen unterschiedlich waren, teilten wir uns in drei Untergruppen auf, wobei der Fokus meiner Gruppe bei der Exploration war. Dadurch konnte ich die Musik auf eine für mich völlig neue Art wahrnehmen.

Ähnlich wie das Projekt Seilsender[1], das die Klangwelt von Seilbahnen erforscht, versuchten wir mit Kontaktmikrofonen die Wandoberflächen der Stadt mittels verschiedener Gegenstände, wie Stöcke oder gar einer FH-Card audiotechnisch zu erfassen. Zur Dokumentation wurde die Aufnahme der Oberfläche mit einer Kamera gleichzeitig aufgezeichnet. Dabei kam die Idee auf, die Kameraoptik inklusive der Knöpfe und Interfaces des Tachymeters als Bildaufnahmegerät zu verwenden. Wegen fehlender Zeit und technischen Schwierigkeiten wurde dieses Vorhaben allerdings wieder verworfen.

Abbildung 3 Versuchsaufbau mit Tachymeter und Webcam

Durch das Zusammensetzen der Tonspuren und des Videomaterials entstand dann unser Produkt. Das Ergebnis war interessant und liess einen auf eine etwas rohe und ungewohnte Art in eine neue Welt eintauchen. Damit ging mein Modul unverhofft schnell am Mittwochabend zu Ende. Wegen Datenschutzbedenken bei den Videoaufnahmen kann das Produkt leider nur als Teaser unter folgendem QR-Code angeschaut werden.

Abbildung 4 QR-Code zum Teaser


Der Abschluss der Woche fand am Freitag, wiederum mit allen Teilnehmenden, am FHNW Campus in Brugg statt. Dabei wurden die Ergebnisse aller Module als «Merkwürdige Gegenstände» auf einzelnen Tischen präsentiert. Für unser Modul entschieden wir uns, die Plastikflasche mit Horn als skurriles Objekt zu verwenden und die Produkte mittels QR-Codes hörbar zu machen. Beim Abschlusskonzert einer anderen Modulgruppe beeindruckten mich ihre Symphonie sehr und die Zukunftsfragestellungen liessen durchaus relevante Diskussionen entstehen. Zum Ende hin liess sich die Woche mit Glace und Apéro wohlgenährt abschliessen.

Abbildung 5 Abschlussanlass der Exploration Week beim Campus in Brugg

Für mich war die Exploration Week eine bereichernde Erfahrung, die eindrücklich gezeigt hat, wie innovativ und inspirierend die Zusammenarbeit über die Grenzen der eigenen Disziplin hinweg sein kann. Das Experimentieren mit Alltagsgeräuschen und Kontaktmikrofonen hat mich gelehrt, meine Umgebung und die Musik aus einer völlig neuen Perspektive wahrzunehmen. Zudem hat mir das Projekt gezeigt, dass selbst eine kleine, diverse Gruppe in kürzester Zeit skurrile, kreative und tragfähige Produkte erschaffen kann.


[1] https://www.fhnw.ch/de/musik/forschung-dienstleistungen/forschung/projekte/seilsender

Autor: Andrin Bolt, Studierender Bachelor in Geomatik im 5. Semester

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