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Bachelor in Geomatik, Studierende berichten

Studierende berichten: Unser Feldkurs in Hofstetten bei Brienz

12. Oktober 2026

Vom Dejustierer bis zum dritten Sandwich: Zwei Wochen, ein Dorf am Fusse der Berner Alpen und jede Menge Daten, die gesammelt werden wollten. Vom 7. bis 18. September fand in Hofstetten bei Brienz der Feldkurs für die Geomatikstudierenden des 3. und 5. Semesters statt. Was nach trockener Vermessungsarbeit klingt, wurde für uns zu einer Lektion in Teamarbeit, Geduld und der Erkenntnis, dass man Sandwiches irgendwann auch mal satt haben kann.

Der Feldkurs ist für uns Studierende der Startschuss ins neue Semester und das untrügliche Zeichen, dass die Ferien vorbei sind. Statt gemütlich in den Hörsaal zurückzukehren, ging es direkt ins Feld. Je nach Vertiefungsprofil ging es darum, Daten zu erfassen, die während des Semesters weiterverarbeitet werden oder als Grundlage für eine künftige Bachelorthesis dienen. Wir belegen die Vertiefungsprofile Geosensorik & Monitoring und Geodesign & Planung. Zwei unterschiedliche Schwerpunkte, ein gemeinsames Ziel: möglichst saubere, verwertbare Daten nach Hause zu bringen.

Aufgebautes Reflektorstativ und Tachymeter mit Weitblick über Meiringen im Berner Oberland.
Abbildung 1: Aufgebautes Reflektorstativ und Tachymeter mit Weitblick über Meiringen im Berner Oberland.

Der Tagesablauf war schnell eingespielt: Morgenessen, um acht Uhr raus ins Feld, mittags ein Sandwich, abends um sieben dann das wohlverdiente Nachtessen. Das Wetter spielte mit, die Stimmung im Team war gut, und auch kulinarisch wurden wir verwöhnt. Bis auf das Mittagessen: Nach drei Tagen in Folge mit Sandwich zur Mittagszeit haben wir uns nach etwas Warmem gesehnt – das mag nach einer Kleinigkeit klingen, ist uns aber nach zwei Wochen draussen Unterwegssein doch sehr prominent in Erinnerung geblieben.

Im Vertiefungsprofil Geodesign & Planung verlangte unsere eBee Drohne mitten im Kurs ein Software-Update. Was auf den ersten Blick nach einer Sache von wenigen Minuten aussah, kostete uns am Ende einen halben Arbeitstag. Für ein eng getaktetes Programm sowie die zeitlich begrenzten Flugbewilligungen war das ein gravierender Vorfall. Genau solche Momente zeigen, wie wichtig eine gute Planung ist und wie schnell technische Kleinigkeiten den ganzen Zeitplan durcheinanderbringen können.

Drohnenstart der ebee
Abbildung 2: Endlich startklar: Die eBee nach erfolgreichem Software-Update.

Im Vertiefungsprofil Geosensorik & Monitoring ging es deutlich technischer zur Sache: Wir überwachten das Rutschgebiet Schwanden bei Brienz, eine Flanke des Brienzer Rothorns, die bereits seit 1901 aktiv ist. Seit den 1980er Jahren werden dort regelmässig Geländebewegungen registriert und das Institut Geomatik der FHNW führt diese Überwachung seit 1989 durch. In diesem Jahr lag der Staffelstab bei unserem Jahrgang. Unsere Aufgabe ging über reines Datensammeln hinaus: Wir prüften, ob sich das bestehende Messnetz mit langstatischen GNSS Messungen modernisieren lässt, um aufwändige terrestrische Verbindungen zu reduzieren bei Genauigkeitsanforderungen im Millimeterbereich. Am Ende standen 14 GNSS Messungen, 468 tachymetrische Beobachtungen von 107 Stationen sowie Doppelnivellements und trigonometrische Höhenbestimmungen zu Buche.

GNSS Empfänger bei dichtem Nebel
Abbildung 2: Aufbau eines GNSS Empfängers bei dichtem Nebel.

Letztere waren mit das Spannendste am ganzen Kurs: Nachtmessungen von 23 bis 3 Uhr morgens, über Distanzen von bis zu 2,5 km denn nachts ist die Luft stabiler und die atmosphärischen Korrekturen bleiben konstant. Dabei erlebten wir unsere eigene kleine Drohnenpannen-Parallele: Eine Justier-Vorrichtung für die optischen Lote unserer Dreifüsse erwies sich als derart unzuverlässig, dass sie schnell den Spitznamen „Dejustierer» bekam. Weil bereits einige der langen GNSS Messungen liefen, vermassen wir beim Abbau kurzerhand den Fehler am Boden, um ihn später rechnerisch herauszukorrigieren – Krisenmanagement statt Zeitverlust.

Nachtmessung mit Taschenlampe und Tachymeter unter klarem Sternenhimmel.
Abbildung 3: Nachtmessung mit Taschenlampe und Tachymeter unter klarem Sternenhimmel.

Diese Erfahrungen waren für uns die wohl wichtigste Lektion des Feldkurses: Gute Planung und klare Absprachen im Team sind das A und O. Und wenn man sich nicht sicher ist, ob ein Gerät, eine Messung oder ein Datensatz wirklich passt, lohnt es sich, lieber einmal zu viel zu kontrollieren, statt später im Büro festzustellen, dass etwas fehlt oder fehlerhaft ist. Im Feld nachzumessen ist meistens deutlich aufwändiger, als es direkt richtig zu machen.

Am Ende der zwei Wochen nehmen wir mehr mit als nur Daten für unsere Projekte. Wir haben gelernt, wie unterschiedlich die Arbeitsweisen der einzelnen Vertiefungsprofile sind und wie viel man trotzdem voneinander profitieren kann, wenn man sich austauscht. Der Feldkurs in Hofstetten war anstrengend, lehrreich und trotz Drohnenpanne und Sandwichüberdosis eine Erfahrung, die wir nicht missen möchten.

Autoren: Cédric Fauster und Siro Gentilini, Bachelorstudierende Geomatik im 5. Semester

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