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Erzähl mal… Rohit Ranjan

Rohit Ranjan, Fachmann für Energy Studies am Himalayan Institute of Alternatives, Lakdah (HIAL), arbeitete von Anfang September bis Mitte November am Institut für Nachhaltigkeit und Energie am Bau FHNW. Im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes befasste er sich damit, das thermische Verhalten von passiv solar beheizten Gebäuden zu simulieren, um das Design solcher Gebäude für HIAL und die Menschen in Ladakh zu verstehen und zu verbessern. Erzähl mal…

«Hallo! Ich bin Rohit. Ich bin 30 Jahre jung und komme aus Indien - und zwar aus dem nördlichsten Teil Indiens, der Ladakh heisst, was soviel bedeutet wie «das Land der hohen Pässe». Ladakh liegt jenseits des Himalayas und hat eine Ausgangshöhe von etwa 3000m über Meer.

Aufgewachsen bin ich an den Ausläufern des unteren Himalayas in Westbengalen, in der Nähe von Darjeeling, dem berühmten Teeort. Dort besuchte ich die Schule und zog später aus, um eine höhere Ausbildung zu machen.

Bereits gegen Ende meines Bachelor of Technology in Luftfahrttechnik in Ajmer (einer Oase im Wüstenstaat Rajasthan) wurde mir klar, dass ich kein guter Luftfahrtingenieur würde. Also entschied ich mich für einen Master of Technology in Renewable Energy Engineering and Management an der TERI School of Advanced Studies in Delhi. Das war der Wendepunkt für mich. Dieser Bereich faszinierte und interessierte mich. Alles daran war aufregend! Und noch spannender wurde es, als ich zu Beginn des Jahres 2018 die Chance bekam, nach Ladakh zu gehen.

TERI School of Advanced Studies (Master of Technology in Renewable Energy Engineering and Management)

TERI School of Advanced Studies (Master of Technology in Renewable Energy Engineering and Management)

In Ladakh war ich zunächst als Freiwilliger resp. Teilzeitmitarbeiter für SECMOL (Students' Educational Movement of Ladakh) tätig, eine Nichtregierungsorganisation, die das Bildungswesen in der Region revolutioniert hat und ein Zentrum für die Entwicklung genialer, technisch einfacher, aber effektiver Lösungen für lokale Probleme ist. Und an Problemen mangelt es hier nicht, da die Temperaturen in Ladakh zwischen +35 °C im Sommer und -35 °C im Winter schwanken.

Eine der grössten Herausforderungen in Ladakh ist der Bedarf an Raumheizung. Obwohl dieser Bedarf einfach dadurch gedeckt werden könnte, dass man die Strahlen der Sonne passiv in ihrer eigentlichen Form zur Beheizung von Gebäuden nutzt (Passive Solar Heating of Buildings). Nur: Photovoltaikanlagen mit einem Wirkungsgrad von 15 % zur Stromerzeugung einzusetzen und die anschliessende generierte Energie zur Erzeugung von Wärme zu verwenden ist nicht sehr effizient, wenn man die Möglichkeit hat, die Wärme durch die Bauweise direkt im Gebäude einzuschliessen - und Ladakh hat viel Sonnenlicht; mehr als 300 Sonnentage pro Jahr. Mich interessierte deshalb, warum die Bevölkerung und Regierung in Ladakh diese Technologie nicht nutzen, obwohl es sie seit 40 Jahren gibt und es mehrere Demonstrationsprojekte gab. Was muss getan werden, um sie zu etablieren? Damit beschäftige ich mich nunmehr seit 2019, als ich nach fast einem Jahr in Ladakh, hauptberuflich für das Himalayan Institute of Alternatives, Lakdah (HIAL) arbeiten konnte.

Prototyp eines assiv-solargeheizten Gebäudes auf dem Campus

Prototyp eines assiv-solargeheizten Gebäudes auf dem Campus. Des Himalayan Institute of Alternatives, Lakdah (HIAL), welches die Grenzen des konventionellen Denkens durchbrechen und das Lernen durch die praktische Anwendung von Wissen fördern will. 

Das HIAL wurde 2017 eröffnet, nachdem Sonam Wangchuk 2016 den Rolex-Preis für Unternehmertum erhalten hatte. Er wurde für seine Erfindung der Eis-Stupa, einem künstlich geschaffenen Eiskegel, welcher Schmelzwasser speichert, um die Wasserknappheit im Himalaya-Gebiet zu verringern geehrt. Wangchuk nutzte das gewonnene Geld als Startkapital für die Gründung einer Hochschule für die Bergregion, das HIAL. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die Hochschulbildung erfahrungsorientierter zu gestalten und sie zur Lösung von Problemen in der Region mit ihren speziellen Herausforderungen einzusetzen.

Eis-Stupa

Ein Eis-Stupa ist ein künstlich geschaffener Eiskegel, der Wasser speichert – eine hilfreiche Erfindung für das Himalaya Gebiet, in dem Wasser knapp ist.

Während mein Projektvorschlag über Passive Solar Houses PSH fertig war und ich nach möglichen Partnern und Geldgebern dafür suchte, kam Karen Schrader von der Hochschule für Technik FHNW nach Ladakh, um unsere Gründungsgeschäftsführerin, Gitanjali JB, zu treffen. Karen Schrader hatte von HIAL und den Ice Stupas gehört, da einer ihrer Studierenden des Studiengangs Energie- und Umwelttechnik an der Entwicklung von Düsen für die Ice Stupa Sprinkler arbeitete und sie als englischer Kommunikationscoach den Bericht begutachten durfte. Wir trafen uns zufällig und als ich von diesem PSH-Projekt erzählte, war ihr Interesse geweckt. Es entstand ein reger Austausch per Mail mit dem Ergebnis, dass das DEZA (Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit) am 1. Juli 2020 das Projekt "Mainstreaming Passive Solar Heating in Northernmost India" oder, wie wir es liebevoll nennen, das "Ladakh Passive Solar Heating (LPSH) Project" bewilligte, welches Karen Schrader managt.

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Karen Schrader von der Hochschule für Technik FHNW traf Rohit in Lakdah und initiierte die Zusammenarbeit

Am LPSH-Projekt ist auch das Institut für Nachhaltigkeit und Energie am Bau FHNW (INEB) beteiligt, um das HIAL – resp. mich - fachlich zu unterstützen. Zum einen sollen mit thermischen Gebäudesimulationen der Komfort an einem Modell mit den verschiedenen HIAL-Konstruktionen verglichen sowie zum anderen HIAL mit dem Aufbau und Durchführung eins detaillierten Monitorings an zwei HIAL-Gebäuden unterstützt werden. Das INEB führte mich zudem in die Thematik der thermischen Gebäudesimulation ein, damit ich künftig selbst solche Berechnungen für die Weiterentwicklung von PSH durchführen kann.

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Gemeinsames Arbeiten am Simulationsmodell, hier mit Monika Hall vom INEB.

Im Zusammenhang mit dem LPSH-Projekt wurde in Frühlingssemester ’21 auch ein Studentenprojekt über PSH in Ladakh von Studierenden im 4. Semester des Studiengangs Energie- und Umwelttechnik bearbeitet. Sie haben mit einer thermischen Gebäudesimulation den Komfort eines PSH und nicht PSH gegenübergstellt und sich mit der Wirtschaftlichkeit von PSH/non PSH beschäftigt. Grundlage war ein HIAL-Gebäude bei dem die PSH-Konstruktion mit einer Indischen Standardkonstruktion ausgetauscht wurde. Karen Schrader und Monika Hall haben dieses Projekt gecoacht, in das auch ich eingebunden war, um die Struktur eines EUT Studentenprojekt kennenzulernen. Zusätzlich hatte ich die Chance, von Yvonne Zickermann (HT) in das Projektmanagement eingeführt zu werden, da angedacht ist, dass HIAL ebenfalls solche Projekte für die Studierenden anbietet. Auf Grund Corona im Frühjahr musste jedoch alles online stattfinden. Besonders gefreut hat mich deshalb, dass ich während meinem Aufenthalt an der FHNW drei der Projektmitglieder persönlich kennenlernen konnte.

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Auch der Austausch mit den Studierenden des «Analysis of HIAL passive solar heated houses» Projekts im Studiengang Energie- und Umwelttechnik EUT kam nicht zu kurz: Rohit mit Dominic Gassl, Sneka Sugumaran und Gian Huser (v.l.n.r.) Anthea Nauer fehlt.

In den zwei Monaten in der Schweiz konnte ich viel lernen, insbesondere über das Simulationsmodell und wie daraus nachahmungsfähige Entwürfe entwickelt werden können, was dazu beiträgt, das Design solcher Gebäude für HIAL und die Menschen in Ladakh zu verstehen und zu verbessern. Das ist ein Ziel dieses internationalen Forschungsprojekts. Alles in allem war es unheimlich spannend und die die Zusammenarbeit hat viel Spass gemacht. Alle haben mich sehr herzlich aufgenommen und waren aussergewöhnlich grosszügig, freundlich und lustig. Es war grossartig hier!»

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Rohit im Cube am Campus Muttenz. 

Institut Nachhaltigkeit und Energie am Bau

Hofackerstrasse 30 4132 Muttenz
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