Der CAS Dialogisch-systemische Abklärung und Mandatsführung im Kindesschutz bringt Fachpersonen mit sehr unterschiedlichen Praxishintergründen aus der ganzen Schweiz zusammen. Yvonne Geiger arbeitet als Schulsozialarbeiterin an einem Gymnasium und berichtet im Interview, was sie mitgenommen hat.

Warum haben Sie sich für den CAS Dialogisch-systemische Abklärung und Mandatsführung im Kindesschutz entschieden?
Ich finde ihn grundsätzlich sehr relevant und fachlich spannend. Im Studium kommt man da relativ wenig in die Tiefe: Das Thema wird zwar gestreift, aber nicht wirklich vertieft.
Sie haben an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW studiert. Wie lange ist der Bachelor her?
Ich habe einige Semester länger studiert, weil ich stets sehr hochprozentig gearbeitet und nur nebenbei studiert habe. Abgeschlossen habe ich daher im Winter 2018. Ursprünglich hatte ich Fachfrau Betreuung gelernt, dann die Höhere Fachschule in Sozialpädagogik absolviert und direkt danach das Studium in Sozialer Arbeit begonnen. Zeitgleich mit dem Bachelor-Studium habe ich die Ausbildung in Paar- und Familientherapie begonnen. Den Bachelor habe ich mit der Vertiefungsrichtung Kindheit und Jugend abgeschlossen, zugleich jedoch einen Fokus auf die Schulsozialarbeit gelegt. Den dazugehörigen CAS habe ich auch bereits Ende des Bachelors absolviert.
Was hat Sie konkret dazu bewogen, jetzt den CAS zu machen?
Ich arbeite seit fast zehn Jahren als Schulsozialarbeiterin – lange war ich auf der Kindergarten-Primarstufe und seit nunmehr anderthalb Jahren an einem Gymnasium. Da ist das Thema Kindesschutz natürlich mindestens genauso relevant, jedoch um einiges komplexer. Das Grundthema an sich bleibt bestehen, aber wir haben andere Gefährdungssituationen und andere Voraussetzungen. Unsere SuS sind sehr autonom unterwegs, die Sichtbarkeit einer möglichen Gefährdung wird zuweilen erst spät erfasst. Daher nimmt die Thematik an Brisanz zu.
Hatten Sie mehrere CAS zur Auswahl oder war dieser eine gezielte Entscheidung?
Es war eine ganz gezielte Entscheidung – ich finde den Kindesschutz grundsätzlich extrem wichtig und umfassendes Wissen hierzu eine Grundvoraussetzung in der Sozialen Arbeit. Deshalb war für mich stets klar, dass ich diesen CAS absolvieren möchte, vor allem jedoch auch an der FHNW. Vor diesem CAS hatte ich aus Interesse auch noch den CAS Kriminalprävention an der ZHW absolviert.
Wie haben Sie den CAS wahrgenommen? Hat er Ihren Erwartungen entsprochen?
Grundsätzlich finde ich ihn äusserst interessant und spannend und er hat dem entsprochen, was ich mir vorgestellt hatte. Es war einfach durchgehend bereichernd und hilfreich. Ich merke zwar, dass er für mein Setting als Gymnasiums-SSA nicht immer direkt greifbar ist – wir haben dort ganz andere Themen und Gefährdungslagen, die im CAS wenig beleuchtet werden. Das ist aber auch nicht sein Auftrag und dessen muss man sich bewusst sein. Der CAS richtet sich eher an Fachpersonen, die Abklärungen machen und Mandate führen.
Was ich besonders schätzte, ist der Austausch zwischen den Kantonen: zu merken, wie es in anderen Kantonen läuft – zum Beispiel, dass der Kanton Zürich sehr privilegiert ist, was Ressourcen und Massnahmen betrifft, und dass es in kleineren Kantonen noch einmal ganz anders aussieht. Ich finde es spannend, die Unterschiede zu sehen und zu merken, wie die sozialpolitische Landschaft in der Schweiz funktioniert. Das weiss man sonst nicht, da wenig Kontakt über die Kantonsgrenzen hinweg besteht.
Wie gross war die Gruppe?
Es waren ca. 20 Personen, also ein normal grosser CAS. Das ist toll, weil man von den anderen so doch auch viel mitbekommt und sich vernetzen und austauschen kann.
Welche Module haben Ihnen am besten gefallen?
Das Modul Gesprächsführung finde ich an sich immer wieder gut, um sich damit auseinanderzusetzen und sich zu reflektieren. Das Modul zu psychischen Beeinträchtigungen fand ich äusserst interessant und auch das Modul zur Berichtserstattung – dies wurde seitens der Dozierenden sehr spannend und praxisnah gestaltet. Der Fokus auf Ethik war ebenfalls ein Highlight.
Was hat Sie inhaltlich am meisten überzeugt? Was haben die Dozierenden mitgebracht?
Ich finde die Vielfalt der Dozierenden sehr lässig. Was ich immer sehr schätze, ist, wenn Dozierende aus der Praxis kommen und die Theoriebezüge greifbarer werden. Ich unterrichte selbst an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW ein Modul im CAS Systemische Schulsozialarbeit und die Teilnehmenden fragen immer: Hast du ein Beispiel? Wie macht ihr das in der Praxis? Dieses «Hey, bei mir in der Praxis hat sich das bewährt» – das ist es. Ich finde einfach, es braucht beides: den wissenschaftlichen und den Forschungsaspekt und gleichzeitig den Praxisbezug.
Merken Sie, dass sich in Ihrer Arbeit etwas durch den CAS verändert hat?
Die Frage ist, wie messbar das wirklich ist. Ich glaube, es ist mehr eine Grundhaltung, die durch das Wissen und den Input, den man mitnimmt, nochmal gestärkt wird. Da ich nicht explizit in einem Kindesschutz-Setting arbeite, ist es schwieriger, direkte Veränderungen festzumachen. Von anderen, die zum Beispiel Abklärungen machen oder Beistandschaften führen, höre ich aber, dass sie den Input direkt umsetzen können. Das habe ich selbst natürlich nicht, aber es schärft das Bewusstsein, immer wieder zu wissen: «So und so ist die Gesetzeslage, das kannst du einfordern, das kommt auf dich zu.» Das ist wertvoll.
Und es gibt auch etwas Konkretes, das ich umsetzen konnte: Als Abschlussarbeit habe ich für das Gymnasium einen Leitfaden zum Umgang mit Gefährdungssituationen erstellt. Das hatte sich direkt angeboten, weil es auf Gymnasiumsstufe bisher nichts gab. Ansonsten ist es eher so, dass sich das Wissen aus dem CAS kontinuierlich einbringt – laufend, aber nicht messbar an einem einzelnen Moment. Ob man eine Abklärung optimieren kann, wie das rechtliche Gehör funktioniert oder ob man einfach genauer weiss, warum etwas lange dauert. Das fliesst ein, ohne dass man es immer so klar benennen kann.
Was würden Sie einer Person sagen, der Sie den CAS empfehlen?
Ich würde sagen: Sei dir bewusst, was du damit machen willst. Was ist dein konkreter Wunsch? Wenn du unsicher bist, frag vorher bei der FHNW nach, wie der CAS inhaltlich aufgebaut ist. Empfehlen würde ich ihn insbesondere denjenigen, welche die Zusammenhänge verstehen wollen, vertieftere Infos zu Abklärungen wünschen oder auch ganz konkret in diesem Kontext arbeiten. Der CAS ist auch eine tolle Chance, über den Tellerrand zu schauen, Informationen aus anderen Kantonen zu erhalten und sich zu vernetzen – ein riesiger Mehrwert.
Wie war die Arbeitsbelastung?
Im Vergleich zum CAS an der ZHW, bei welchem ich im Laufe eines Jahres laufend Leistungsnachweise erbringen musste, war es im CAS in dieser Hinsicht entspannter. Der CAS an der FHNW wird mit der Zertifikatsarbeit abgeschlossen und zwischendurch gibt es nur teilweise Vorbereitungsaufträge. Somit ist es der einzelnen Person selbst überlassen, wie differenziert man sich mit den Themen auseinandersetzt, auch je nach Kapazität und eigenen Ressourcen.
Alles in allem: Wie war der CAS?
Grundsätzlich finde ich es einen tollen und spannenden CAS. Besonders geschätzt habe ich, dass nicht nur Beistandspersonen dabei sind, sondern auch Schulsozialarbeitende, jemand aus der Familienbegleitung oder Teamleitungen – eine echte Vielfalt. Gerade aufgrund dieser Vielfalt entstand ein spannender Fachkräfteaustausch. All das hatte stets viel Platz und war enorm wertvoll. Dank der diversen Module und Fachseminare sehe ich auch eine Chance, den CAS noch weiter zu öffnen und verschiedene Zielgruppen anzusprechen.
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