Angela studiert Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule Mainz und verbringt ihr Auslandssemester an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW. Nach den ersten Wochen erzählt sie von Wickelfischen im Rhein, Schweizer Bürokratie und der Freiheit, ihr Studium selbst zu gestalten.

Mitte September ist Angela Berg in Basel angekommen, ohne grosse Erwartungen, aber mit viel Neugier. Wir begleiten sie durch ihr Austauschsemester an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW in Muttenz: Im ersten Gespräch blickt sie auf ihre Anfangszeit zurück.
Warum hast du dich für die Schweiz und die FHNW entschieden?
Die FHNW ist eine Partnerhochschule von uns. An einem Infotag zum Auslandsstudium habe ich mir die Liste angeschaut und gemerkt: Ich möchte raus aus dem Alltag, eine andere Hochschule und eine neue Umgebung kennenlernen. Dass an der FHNW auf Deutsch unterrichtet wird, passt für mich gut. Meine Motivation waren also neue Eindrücke, Austausch und Unterricht in meiner Muttersprache.
Durch das Erasmus Student Network (ESN) habe ich ausserdem sehr viel internationalen Kontakt. Die Leute kommen von überall her, aus Finnland, Argentinien oder Thailand. Diesen Austausch zu haben und Eindrücke zu teilen, macht richtig Spass.
Was hast du dir vor der Abreise vorgestellt?
Ich bin ohne grosse Erwartungen gekommen und dachte, es sei wohl ziemlich ähnlich wie bei uns. Ich war vorher noch nie in der Schweiz. Basel finde ich sehr schön, die Architektur ist super. Und weil ich gerne wandere, war ich auch schon in den Bergen. Und mir fiel auf: Samstags tragen im Zug alle Wanderschuhe.
Wie waren deine ersten Tage?
Sehr viele schöne, neue Eindrücke und viel Organisatorisches: Bankkonto eröffnen, beim Amt anmelden und so weiter. Wir waren aber auch schon im Rhein schwimmen, das macht man bei uns in Mainz eher weniger, da es Verbotszonen gibt und davon abgeraten wird. Wir haben uns bei der Tourist-Info Wickelfische ausgeliehen und sind rein. Dazu kamen Stadttouren und ein Besuch auf dem Flohmarkt.
Was ist im Studienalltag anders als in Mainz?
Ich habe mich auch wegen der Vertiefungsrichtungen für die FHNW entschieden. Dass man Module frei wählen und sich auf die eigenen Interessen konzentrieren kann, finde ich spannend. Ich habe «Planung und Steuerung von sozialem Raum» und «Unterstützungssysteme in Bezug auf Behinderung und Beeinträchtigung» gewählt. Man kann hier in viele Bereiche reinschauen, und selbst wenn man noch nicht weiss, was man später machen möchte, kann man zumindest Dinge ausschliessen.
Ein weiterer Unterschied: In Mainz haben wir ein Praxissemester, hier macht man mehrere Praktika während des Studiums. Je mehr Praktika, desto besser, finde ich. So wird man gut auf die vielen Handlungsfelder vorbereitet.
Auch die Leistungsnachweise sind anders. Bei uns gibt es eher Klausuren und mündliche Prüfungen, hier eher Exposés, Präsentationen oder Kreativprojekte, oft in Gruppen. Man setzt sich anders mit den Themen auseinander. Ich bin gespannt, wie die Vorbereitung auf die Abgaben wird.
Wie erlebst du die Soziale Arbeit in der Schweiz?
Dazu kann ich ehrlich gesagt noch nicht viel sagen. Spannend finde ich aber den Unterricht in Sozialpolitik, denn Soziale Arbeit ist sehr politisch. Zu sehen, wie andere Länder aufgebaut sind, hilft mir später: Ich weiss dann, dass es auch anders laufen kann, und kann mit Wissen und Fakten argumentieren.
Wie verbringst du deine Freizeit?
Wir sind viel am Rhein, wandern, gehen an ESN-Events und erkunden die Stadt. Und ich besuche die Sportkurse der FHNW. Dass es dieses breite Angebot direkt im Gebäude gibt, finde ich mega toll. Hier habe ich auch zwei Freundinnen kennengelernt, die ebenfalls im Auslandssemester sind.
Was war bisher die grösste Herausforderung?
Die Sprache ist eine grössere Herausforderung, als ich gedacht hätte. Und die Bürokratie am Anfang: Für die Anmeldung beim Amt mussten mir meine Eltern meine Geburtsurkunde schicken. Bis dahin habe ich mit dem U-Abo gewartet, weil es danach günstiger war, und bin mit dem Halbtax jeden Bus einzeln gefahren.
Überhaupt ist es nicht ganz einfach zu entscheiden, was man braucht und wofür man Geld ausgibt. Deutschland ist in den letzten Jahren teurer geworden, aber die Schweiz ist nochmals teurer. In Mainz essen wir in der Mensa für fünf oder sechs Euro, hier kostet es schnell das Doppelte. Dafür bietet die Hochschule viel Raum zum Zusammensitzen, mit Mikrowellen und vielen Sitzplätzen drinnen und draussen. Dort verbringen wir regelmässig Zeit.
Und wie ist der Kontakt zu deinen Mitstudierenden?
Im Unterricht sind alle offen, man wird gut einbezogen. Nach dem Seminar eher weniger. Ich bin gespannt, ob noch tiefere Kontakte entstehen.
Was möchtest du bis Weihnachten unbedingt erleben?
Ich würde gern an einen Ski-Event gehen, und ich freue mich auf die Basler Feste, die Herbstmesse und den Weihnachtsmarkt. Ich bin total gerne hier. Es gibt sogar einen Supermarkt im Gebäude und viele Orte zum Lernen. Wenn alle um einen herum die gleichen Ziele verfolgen, motiviert das, dranzubleiben. Und ich freue mich auf den Winter in der Schweiz. Bin gespannt, was es dann für Möglichkeiten gibt, Zeit miteinander zu verbringen.
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