Seit Sonntag ist Prof. Dr. Jibril Gabriel Solomon als Gastdozent an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW. Im Interview gibt er Einblicke in seine Motivation, seine Perspektiven und darauf, was ihn als Mensch und Wissenschaftler antreibt.

Hinweis: Das Interview wurde auf Englisch geführt und ins Deutsche übersetzt
Sie sind gerade in der Schweiz angekommen – wie fühlt es sich an, hier zu sein, und was sind Ihre ersten Eindrücke von der FHNW?
Ich habe schnell gemerkt, dass mich vieles an meine Heimat in New England erinnert. Basel fühlt sich ähnlich an wie einige kleinere Städte, die ich aus den USA kenne. Gleichzeitig ist mir aufgefallen, wie freundlich und offen die Menschen sind – sowohl an der FHNW als auch generell. Besonders beeindruckt hat mich auch die Art, wie sich die Menschen hier fortbewegen: Viele sind zu Fuss, mit dem Fahrrad oder mit dem Tram unterwegs. Dieses Bewusstsein finde ich sehr inspirierend. Und die internationale Atmosphäre, etwa in der Markthalle in Basel, in der wir am Sonntagabend gegessen haben, hat mich direkt an die kulturelle Vielfalt in den USA erinnert.
Was hat Sie dazu bewegt, diese Erfahrung anzunehmen – auch über die fachliche Perspektive hinaus?
Ich habe den Kontakt zur FHNW selbst gesucht, weil ich an einer Zusammenarbeit interessiert war. Im Austausch habe ich mich sofort wohlgefühlt. Die Werte und Prinzipien der Hochschule sind meinen sehr ähnlich – insbesondere das Interesse am Wohl der Menschen. Für mich ist dieser Aufenthalt eine Chance, meine Perspektiven einzubringen und gleichzeitig viel von der FHNW zu lernen. Diese Kombination hat die Entscheidung sehr einfach gemacht.
In Ihrer Arbeit beschäftigen Sie sich mit Trauma, Mental Health und sozialer Gerechtigkeit. Was treibt Sie persönlich an?
Mein ursprünglicher Hintergrund liegt in der Biologie. Schon in meinem Bachelor-Studium hat mich interessiert, wie das Gehirn funktioniert und wie es den Körper beeinflusst. Besonders spannend finde ich, wie Trauma und psychische Belastungen körperliche Prozesse auslösen und beeinflussen können. Die Soziale Arbeit verbindet dieses Wissen mit gesellschaftlichen Fragestellungen und ermöglicht es, Interventionen zu entwickeln. Genau diese Verbindung fasziniert mich – und ich denke, dass Sozialarbeitende hier eine zentrale Rolle spielen. Dieses Wissen zu teilen und weiterzuentwickeln, treibt mich an.
Was möchten Sie aus diesen Wochen an der FHNW mitnehmen – persönlich und beruflich?
Auf persönlicher Ebene geht es mir darum, weiter zu wachsen. Ich versuche bewusst, neue Erfahrungen zu machen und unterschiedliche Lebensweisen kennenzulernen. Für mich ist das ein zentraler Teil des Menschseins: Die Erfahrung ist einerseits universell, andererseits aber auch in jedem Kontext einzigartig. Diese Perspektiven erweitern mein Verständnis – und beeinflussen wiederum, wie ich lehre und mit Menschen arbeite. Das ist für mich auch eine Form von professionellem Wachstum.
Sie bezeichnen sich als «Scholar Adventurer». Was bedeutet das konkret – gerade bei einem Aufenthalt wie diesem?
Für mich bedeutet das, dass ich durch Reisen und Begegnungen lerne. Jede Erfahrung im Ausland macht mich zu einem besseren Lehrenden, Sozialarbeiter und Menschen, weil ich neue Perspektiven gewinne. Diese Erfahrungen fliessen direkt in meine Lehre ein – etwa, wenn ich mit Studierenden aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen arbeite. In einer zunehmend globalisierten Welt ist es wichtig, diese Perspektiven zu verstehen und integrieren zu können.
Wenn wir in zwei Monaten nochmals sprechen: Was würden Sie dann gerne über Ihre Zeit an der FHNW sagen können?
Ich würde gerne sagen können, dass ich sowohl persönlich als auch beruflich gewachsen bin. Und dass ich echte Verbindungen aufgebaut habe – zu Studierenden, Mitarbeitenden und Menschen hier vor Ort. Idealerweise entstehen daraus auch gemeinsame Projekte und Forschungskooperationen, es ist bereits etwas in Planung. Ich sehe diesen Aufenthalt als Beginn einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen der FHNW und der Bridgewater State University – vielleicht sogar mit zukünftigen Austauschprogrammen oder einer Rückkehr in die Schweiz in ein bis zwei Jahren.
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Judith Sibold
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