«Wir machen ein spannendes Tool für die Praxis, das Methoden liefert, um die Klient*innen besser einzubeziehen» – das war der Plan. Herausgekommen ist ein Kartenset, das sich in Gruppen- oder Einzelsettings ebenso kreativ einsetzen lässt wie in Supervision oder Coaching.
«Wenn du ein Film oder eine Serie wärst: Welchen Titel hättest du? Such dir mal eine Karte raus, die genau das rüberbringt»: Dieser Einstieg in den Austausch und in die Reflexion sind ungewöhnlich. Das Besondere: Er sorgt für den anderen Blickwinkel, für das Extra beim Gespräch oder für den hilfreichen Ansatz, der bei einem einfachen «Wie geht es dir» nicht unbedingt zu greifen ist.

Ungewohnter Prozess, aussergewöhnliches Ergebnis
Die Methode ist Teil eines aussergewöhnlichen Kartensets, das Jakin Gebert gemeinsam mit Ursula Hochuli Freund entwickelt hat. Ursprünglich war der Coach, Supervisor und Berater wegen einer ganz anderen Idee aus dem Coachingbereich mit der Herstellerfirma im Gespräch. «Und dann hat es sich einfach so ergeben: Ob man fachlich nicht auch etwas für die Soziale Arbeit machen könnte, in Sachen Kooperativer Prozessgestaltung?» Jakin Gebert, der lange als Mitarbeiter an der Hochschule arbeitete und heute neben seiner Selbstständigkeit für die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW als Lehrbeauftragter tätig ist, nahm Kontakt zu seiner früheren Mentorin/Kollegin Ursula Hochuli Freund auf. Sie, die einst die Kooperative Prozessgestaltung massgeblich mitgeprägt hatte, war von der Idee angetan… und es entstand ein Projekt. «Der Gedanke, ein Kartenset zu machen, war schnell da. Und dann wurde aus der Idee ein Prozess, der ungefähr ein Jahr dauerte.» Ein ziemlich ungewohnter Prozess, denn es galt Fragen zu klären wie «Wem nutzt das eigentlich?» oder «Wie viele Fragen sollen denn da draufstehen?» oder auch «Hat das überhaupt einen Markt?» All das waren keine Fragen, meint Jakin Gebert, die die beiden Projektverantwortlichen von Hochschulseite aus originär interessiert hätten. Aber es waren doch die entscheidenden Fragen, um das Projekt erfolgreich zu realisieren.

Das Autor*innenduo war für die Inhalte zuständig, Jakin Gebert lieferte zusätzlich Skizzen für das Design, und die Herstellerfirma schliesslich kümmerte sich um die endgültige Gestaltung. «Die Farben und der Stil sind komplett aufeinander abgestimmt – solche Sachen hätte man nie selbst machen können. Es ist schon toll, wenn jemand genau das visualisiert, was man sich vorstellt, und einheitlich umsetzt!» Die Kooperation zwischen allen Beteiligten war gut, wenn auch relativ aufwändig, erinnert sich Jakin Gebert: Das Kartenset wurde zunächst auf Englisch entwickelt, weil die Herstellerfirma dafür auch mit Fachleuten auf den Philippinen zusammenarbeitete. «Das heisst, es gab Zeitverschiebungen, unterschiedliche kulturelle Kontexte – und daneben spielt die Soziale Arbeit auf den Philippinen eine ganz andere Rolle als bei uns.»
Positive Reaktionen auf das spielerische Tool
Für die Erstauflage wurden 500 Kartensets hergestellt – die Reaktionen sind durchweg positiv, erzählt Jakin Gebert: «Ich bekomme rückgemeldet, dass man viele Anregungen bekommt. Und gerade diejenigen, die in ihrer Organisation mit dem Konzept der Kooperativen Prozessgestaltung arbeiten, können bestimmte Schritte mit dem Kartenset weiter vertiefen.» Neben kreativen Anregungen und der Möglichkeit zum einfachen Ausprobieren neuer Methoden bietet das Kartenset noch einen unschlagbaren Vorteil: «Es macht ein relativ komplexes Konzept einfach greifbar», meint Jakin Gebert. «Das Tool hat tatsächlich etwas Spielerisches, weil man Karten auslegt, etwa zu einem Schritt oder zu bestimmten Themen – und je nach Bildinhalt kann sich die Logik verändern. ‘Was machen wir? Worüber reden wir?’ – diese Fragen können dann auch mal wegfallen, weil sich das Gesprächsthema aus der Karte ergibt.»

Und weil die Erfahrungen mit dem ersten Set so positiv waren, gibt es Überlegungen, ein weiteres für die Fachebene zu entwickeln. Der grosse Erfahrungsschatz, den Jakin Gebert beim ersten Herstellungsprozess sammeln konnte, dürfte bei einem neuen Tool sehr hilfreich sein.
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Prof. Raphaela Sprenger
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