Zugänge zu Kultur schaffen – bedeutet dies Rollstuhlbereiche und Tickets für Begleitpersonen bei Konzerten oder Lifte und Rampen in Museen? Bestimmt auch. Doch Menschen mit Lernbeeinträchtigungen haben andere Bedürfnisse. Einblicke in ein Forschungs- und ein Vermittlungsprojekt im Rahmen des 2. Treffpunkts Leichte Sprache an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW zeigen, wie diesen Bedürfnissen Rechnung getragen werden kann.

Kulturelle Teilhabe ist ein Menschenrecht, Teil der UN-Behindertenrechtskonvention und auch in der Schweizer Kulturpolitik verankert. Trotz allgemeiner Fortschritte sehen sich Menschen mit Lernbeeinträchtigungen in der Schweiz nach wie vor mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert, wenn sie kulturelle Einrichtungen und Freizeitangebote wie Museen, Theater, Musikfestivals, Führungen oder andere kulturelle Veranstaltungen nutzen möchten. Hindernisse bestehen insbesondere in Bezug auf Kommunikation und verständliche Informationen, die für eine selbstbestimmte Teilhabe am kulturellen Leben unerlässlich sind.
Ein exploratives Forschungsprojekt der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW untersuchte, welche Erfahrungen Menschen mit Lernbeeinträchtigungen beim Besuch von kulturellen Veranstaltungen gemacht haben. In zwei Fokusgruppengesprächen (mit Expertinnen aus dem Kulturbereich einerseits, mit Menschen mit Lernbeeinträchtigungen andererseits) wurden Fragen rund um die Planung, die Ankunft am Kulturort, die Erlebnisse während des Besuchs und die Zeit nach dem Besuch diskutiert.
Zum Beispiel: Der Weg zu Orten der Kultur
Vom Konzertbesuch über Theater bis zu Museen: Oft werden Ausflüge von einer Institution organisiert. Gleichzeitig wurde in der Untersuchung deutlich, dass kulturelle Angebote auch selbständig besucht werden. Bei selbstständigen Besuchen zeigen sich für Menschen mit Lernbeeinträchtigungen jedoch früh Barrieren. Für sie ist die Planbarkeit und Organisation eines Kulturbesuchs sehr wichtig. Genau diese Informationen sind auf Webseiten oft fehlend oder nicht geeignet dargestellt: der genaue Ort und eine Wegbeschreibung, die Zahlungsmodalitäten, welche Verpflegungsmöglichkeiten es gibt, der Standort von WC-Anlagen und viele mehr. Digitale Zahlungssysteme sowohl im Vorfeld wie auch vor Ort etwa beim Kauf von Verpflegung, können Hürden darstellen, die in die Planung miteinbezogen werden müssen. Auch alle Informationen im Zusammenhang mit der Rückreise sind wichtig, so beispielsweise eine klare Kommunikation des Veranstaltungsendes.
Liegen diese Informationen in Leichter Sprache und gut auffindbar vor, geben sie Personen mit Lernbeeinträchtigungen Sicherheit und helfen, einen Besuch möglich zu machen oder zu erleichtern. Am Veranstaltungsort selbst ist eine gute Beschilderung und klare Erkennbarkeit des Personals wichtig, um Orientierung und Vertrauen zu schaffen.
Zugänge zu Kunst
Wie Kulturvermittlung auf die Bedürfnisse von Menschen mit Lernbeeinträchtigungen ausgerichtet werden kann, zeigt der zweite Beitrag am Treffpunkt Leichte Sprache vom 27. Mai 2026 in Olten. Kunst in Leichter Sprache zugänglich zu machen, ist das Ziel eines Buchprojektes des Vereins «Kunst in Leichter Sprache» , das von Sara Smidt und Sara Stocker Steinke vorgestellt wurde. Beide haben langjährige Erfahrung mit Leichter Sprache im Museumsbereich und haben das Fachseminar «Leichte Sprache» an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW besucht. Sie möchten nun ihre Expertise, die sie bisher in einzelnen Museen und Organisationen gewonnen haben, einem breiteren Publikum zugänglich machen.
Das Buch wird als Reisebegleiter durch die Kulturlandschaft des Kantons Bern konzipiert. Das Besondere daran: Die Inhalte des Buches entstehen in einem gemeinsamen, partizipativen Prozess mit Menschen mit einer Lernbeeinträchtigung. Eine gemischte Gruppe macht sich auf den Weg und besucht verschiedene Orte. Dabei werden die Erfahrungen festgehalten, Fragen und Interessen eingefangen. Das Buch, das dabei entsteht, soll Spass an Kunst schaffen, persönlichen Erfahrungen Raum geben und für inklusive Kultur sensibilisieren. Denn auch wenn sich das Buch an Menschen mit Beeinträchtigungen richtet, ist der Entstehungsprozess darauf ausgerichtet, Begegnungen zu schaffen. Das Anliegen, sich immer wieder und in neuen Zusammensetzungen mit Kunst und Kultur auseinanderzusetzen, soll insbesondere auch nach dem Erscheinen des Buches (voraussichtlich im Mai 2027) durch Lesungen und Kunstvermittlungsveranstaltungen unterstrichen werden. So soll nachhaltig ein Bewusstsein für Zugänge zu Kultur geschaffen werden.
Interessieren auch Sie sich für Leichte Sprache? Möchten Sie selbst Kompetenzen in diesem Bereich aufbauen? Die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW vermittelt im Fachseminar Leichte Sprache die nötigen Grundlagen, um Texte und Inhalte für Menschen mit Lese- und Verständnisschwierigkeiten aufzubereiten. Nächster Start: 10. September 2026.
Das Fachseminar ist Teil des CAS «Adressatengerechte und barrierefreie Kommunikation». In diesem CAS lernen Sie für verschiedene Zielgruppen und in verschiedenen Formaten, Inhalte zu vermitteln. Ein Einstieg ist laufend möglich. Mehr Informationen.
Weitere Informationen zu bisherigen Projekten, Anlässen und Dienstleistungen rund ums Thema adressatengerechte und barrierefreie Kommunikation: barrierefreie-kommunikation.ch
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