Kurz vor Abschluss: Wir haben mit zwei Teilnehmenden des CAS «Altersarbeit als soziales Feld» gesprochen. Sie erzählen uns von ihrer Motivation, ihren Erlebnissen bei der Arbeit und was sie aus der Weiterbildung für ihre berufliche Tätigkeit mitnehmen.

Nino Rölli und Silvana Sampt waren dieses Jahr bei der ersten Durchführung des CAS «Altersarbeit als soziales Feld» dabei. Beide sehen in der Altersarbeit einen wachsenden und zukunftsfähigen Arbeitsbereich. Und beide entschieden sich für eine Weiterbildung an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW. Dennoch: Ihre beruflichen Hintergründe sind sehr unterschiedlich:
Nino Rölli hat vor kurzem sein Studium Soziale Arbeit in Zürich abgeschlossen und arbeitet nun beim Sozialdienst. Wo er sich in der Zukunft sieht, ist noch offen. Aber die Arbeit mit älteren Menschen könnte er sich als Tätigkeitsfeld vorstellen. Deswegen besuchte er den CAS Altersarbeit als soziales Feld, um sich bereits fachlich vorzubereiten.
Silvana Sampt arbeitet beim Sozialdienst in einem Spital. Sie kommt ursprünglich aus der Pflege, hat dann ein Studium Soziale Arbeit absolviert. Nach acht Jahren Berufstätigkeit wollte sie sich erneut mit konzeptionellen Grundlagen auseinandersetzen – idealerweise in einem Bereich nahe an ihrer jetzigen Tätigkeit.
Wir haben mit ihnen über ihre Erfahrungen während der Weiterbildung gesprochen.
Hallo Silvana, hallo Nino – Danke, dass ihr euch Zeit nehmt, um über eure Erfahrungen in der Weiterbildung zu sprechen. Ihr seid gemeinsam in der Weiterbildung gewesen. Wie war das? Konntet ihr von den Erfahrungen der anderen Teilnehmenden profitieren?
Silvana: Ich finde ja. Für mich ist das etwas, das den CAS ausgemacht hat. Wir kommen alle aus anderen Bereichen, das war mega spannend. Die verschiedenen Blickwinkel zu sehen, z.B. von einer Fachstelle Alter, vom Sozialdienst oder vom Spital, hat mir viel gebracht.
Nino: Ich habe den CAS gemacht, weil ich mich umorientieren möchte. Da ist es wichtig zu wissen, welche Jobs es im Altersbereich überhaupt gibt und die Erfahrungen der anderen zu hören. Das half mir einzuschätzen, welcher Job etwas für mich wäre, wo das Schöne daran ist und wo auch die Schwierigkeiten sind.
Im Moment habt ihr mehr oder weniger mit älteren Menschen zu tun. Könnt ihr mir etwas über eure Arbeit erzählen?
Nino: Ich habe mit sehr unterschiedlichen Menschen zu tun im Sozialdienst, darunter sind viele junge Erwachsene. Ältere Menschen weniger, denn mit dem Rentenalter und der AHV/EL sind sie nicht mehr Teil meines Aufgabengebietes. Was mir dabei immer wieder begegnet, ist das Bedürfnis nach Stabilität: Viele haben Schulden, sind schon länger erwerbslos oder haben gesundheitliche Probleme. Hier wünschen sich viele eine Verbesserung. Sie haben den Wunsch, in der Gesellschaft gebraucht zu werden, Anerkennung zu erhalten, wieder eine Struktur zu haben.
Silvana: Bei mir ist es ähnlich, Menschen kommen aus einer Notlage heraus zu mir. In ein Spital geht niemand freiwillig. Ich arbeite im Kantonsspital und habe entsprechend Kontakt mit allem, was das Spital abdeckt: mit Chirurgie, Medizin, Orthopädie und auch mit der Frauenklinik. Ich arbeite viel im stationären Bereich, von Unfällen bis zu palliativer Versorgung. Es geht oft um die Frage, wie es nach dem Spital weitergehen kann, wo ist was noch möglich. Ich bin so zusagen Rausschmeisserin des Spitals (lacht).
Ältere Menschen kommen oft noch aus einer Zeit, als man so lange im Spital blieb, bis man wieder ganz gesund ist. Heute geht das nicht mehr. Für diese Übergange eine Lösung zu finden, ist meine Aufgabe. Da kommen viele verschiedene Ansprüche zusammen – Finanzierbarkeit, Krankenkassen, Angehörige, mangelnde Plätze in Pflegeheimen, Wünsche der Patienten. Das ist teils auch frustrierend, besonders da ich nur für die Sequenz zuständig bin, bis ein Patient das Spital verlässt. Dann ist ein Fall für mich abgeschlossen, auch wenn keine nachhaltige Lösung gefunden wurde.
Das Thema Alter an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW
Wenn ihr auf den CAS zurückblickt, habt ihr neue Perspektiven kennengelernt oder Antworten auf Herausforderungen in eurem Alltag erhalten? Was nehmt ihr mit?
Silvana: Was mir geblieben ist, ist, dass es im Alter verschiedene Lebenslagen gibt, ob jetzt Demenz oder Migration oder LGBTQ. Und damit die Frage, wie ich auf einen Menschen zugehe. Dass man nicht einfach einen Fragekatalog abarbeitet, sondern dass man es offen gestaltet und Raum gibt, die Leute selber erzählen lässt. Damit anerkennt man auch, was diese Menschen bereits alles geleistet und erlebt haben. Gute Betreuung heisst auch, älteren Leuten Zeit zu schenken, auch wenn der Alltag mega stressig ist. Ich habe gemerkt, dass es hilft, einfach mal fünf Minuten hinzuhocken und zuzuhören und erst danach die Fragen in die Richtung zu lenken, die ich für meine Arbeit brauche. Zeit zu schenken. Es ist schwierig, aber eigentlich etwas Schönes, zu wissen, dass wir das als Professionelle der Sozialen Arbeit dürfen.
Nino: Dem würde ich zustimmen. Es wurde sehr viel Sensibilisierung für gewisse Problemlagen vermittelt. Ich hatte bis jetzt eher weniger mit älteren Menschen zu tun, aber ich sehe extrem viele Parallelen auch zu jüngeren Menschen. Gerade von der psychosozialen Beratung konnte ich viel mitnehmen. Es ist wichtig anzuerkennen, was eine Person im Leben alles gemacht hat. Wir sehen oft nur das Alter: die Gebrechlichkeit, das «Gebückt sein» oder das eingefallene Gesicht. Aber sie haben ein interessantes Leben hinter sich. Das gilt es anzuerkennen und wertzuschätzen.
Was waren eure Highlights? Was hat euch auch gefehlt?
Silvana: Wir haben viel Hintergrundwissen, aber etwas zu wenig Einblick in der Berufsalltag erhalten. Wir haben uns z.B. intensiv mit dem Thema Tod auseinandergesetzt. Da hätte mich auch noch interessiert, wie z.B. Bestattungsmöglichkeiten konkret aussehen oder welche administrativen Aufgaben auf Professionelle zukommen.
Nino: Für mich war das aber ganz gut. Zu vielen Themen hatte ich noch nicht viel Grundlagenwissen. Die Inhalte konnten viele offene Fragen bei mir beantworten, z.B. beim Thema Demenz. Ich denke, die Umsetzung in der Praxis kommt dann mit der Arbeit selbst. Das vermittelte Wissen hilft Orientierung zu haben. Aber mit z.B. mit jemandem von der Spitex zu sprechen, wäre schon spannend gewesen. Gut fand ich auch, dass nicht nur erwartbare Themen angesprochen wurden, sondern auch Themen wie LGBTQ, das ich vorher nicht auf dem Schirm hatte.
Silvana: Ich hätte auch gerne noch mehr mit älteren Menschen selbst gesprochen. Ein Highlight war die Stadtbegehung, über Kommunales wusste ich noch nicht so viel. Wir haben eine Begehung mit älteren Menschen geplant und umgesetzt. Dort kamen wir mit älteren Menschen in Kontakt, haben uns ausgetauscht, was aus ihrer Sicht gut oder schlecht ist, das war spannend. Ich gehe jetzt anders durch meine Gemeinde als zuvor. Davon gerne noch mehr!
Vielen Dank euch für die Auskünfte! Ich wünsche viel Erfolg für eure Zukunft!
Selbst an der Weiterbildung interessiert? Alle Informationen zum CAS Altersarbeit als soziales Feld finden sich hier.
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