Lea Straub leitet die Suchtberatung ihrer Organisation und kommt damit aus einem Feld, in dem betriebswirtschaftliche Fragen lange keine Rolle spielten. Als sie die Verantwortung für ein Team von dreizehn Mitarbeitenden übernahm, entschied sie sich für einen berufsbegleitenden MBA an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Heute sagt sie, das Studium habe ihr vor allem eines gebracht: mehr Selbstbewusstsein im Führungsalltag.
Von der Therapie in die Führung

Ihr Hintergrund ist sozial und therapeutisch. Lea Straub studierte Soziale Arbeit und absolvierte danach einen Master in Suchttherapie sowie zwei Therapieausbildungen, eine verhaltenstherapeutische und eine systemische. In die Führungsrolle sei sie über mehrere Zufälle hineingerutscht, erzählt sie, und mit der Verantwortung für die Suchtberatung wurde ihr rasch klar, dass sie sich stärker mit betriebswirtschaftlichen und mit Führungsthemen befassen musste. Reizvoll fand sie zudem, dass Führungspersonen im Bereich der Suchthilfe meist entweder aus der Fachpraxis oder aus dem Management kommen, während die Mischung aus beidem selten ist. Genau die wollte sie. «Wenn ich schon eine Führungsausbildung mache, dann möchte ich eine gescheite machen.»
Zwei Welten, die näher beieinanderliegen
Zu Beginn befürchtete sie, in eine völlig fremde Welt einzutauchen, doch diese Sorge löste sich schnell auf. Vieles liess sich mit ihrem sozialen Blick verbinden, und an zahlreichen Stellen im Studium konnte sie einen anderen Anteil beisteuern. Schliesslich müsse auch ihr Bereich finanziert und tragfähig aufgestellt sein, sagt sie, und genau dort berühren sich das Soziale und das Wirtschaftliche.
Was vom Studium bleibt
Am weitesten von ihrem bisherigen Alltag entfernt war die Buchhaltung, und gerade dort ist viel hängengeblieben. Wenn sie heute das Budget ihres Bereichs bespricht, weiss sie, was sie vor sich hat, und kann nachvollziehen, wovon die Fachperson in den Finanzen spricht. Auch grössere wirtschaftliche Zusammenhänge sind ihr klarer geworden. In der Mitarbeiterführung half ihr zwar die therapeutische Ausbildung, doch kamen viele Aspekte hinzu, die sie so noch nicht gesehen hatte.
Begegnungen und Netzwerk
Als besonders wertvoll beschreibt sie den Austausch mit Mitstudierenden aus ganz anderen Branchen. Ihr Blick sei zuvor stärker auf das Soziale beschränkt gewesen, und im Studium lernte sie andere Blickwinkel, Werte und Ideen kennen. Hinzu kamen viele Dozierende, die mit spürbarer Begeisterung unterrichteten. In den Diskussionen hielt sie sich nicht zurück, sondern brachte ihren Standpunkt mit Überzeugung ein. Über Studienreisen und Veranstaltungen schuf die FHNW zudem viel Raum für Networking, auch in Berufsfelder hinein, zu denen sie sonst kaum Zugang hat.
Japan, Brasilien und der Blick über den eigenen Bereich
Das Programm wählte sie nach einer Umschau bewusst aus. Das Curriculum sprach sie an, und die beiden Studienreisen nach Japan und Brasilien reizten sie besonders, gerade weil ihr eigener Arbeitsalltag nicht international ausgerichtet ist. Japan beeindruckte sie tief, sei sie dort doch nicht als Touristin unterwegs gewesen, sondern habe echten Einblick in Unternehmen erhalten. Fachlich blieben ihr vor allem der volkswirtschaftliche Teil, in dem sie erkannte, wie der soziale Bereich hineingehört, und der Personalführungsteil in Erinnerung.
Studium und Beruf unter einen Hut
Während des Studiums arbeitete Lea Straub zu 80 Prozent weiter, mit Unterricht am Freitag und Samstag und der übrigen Woche für die Arbeit. Es war eine intensive Zeit, die klare Struktur verlangte. Geholfen habe ihr das Wissen, dass es sich um ein festes Zeitfenster handelt, rund anderthalb Jahre Präsenzunterricht und danach die Masterthesis, worauf man sich von Anfang an einstellen müsse. «Es hat auch ein Ende, es ist in sich geschlossen, und danach hat man den MBA-Titel.»
Eine Arbeit für mehr Frauen im MBA
Ihre Masterthesis widmet sie der Frage, wie mehr Frauen für einen MBA gewonnen werden können. Schon zu Beginn war sie unsicher, wie das Verhältnis von Frauen und Männern ausfallen würde, und dass es am Ende so wenige waren (in ihrer Klasse waren es nur zwei), hat sie überrascht und zugleich angetrieben. Ihre Leitidee lautet, natürlich könnten Frauen einen MBA absolvieren, doch die Frage sei, ob sie es auch wollten. Sie hat zahlreiche Studien ausgewertet und will nun Frauen befragen, die sich gegen einen MBA entschieden haben, um daraus Handlungsempfehlungen für die FHNW abzuleiten. Für sie steht fest, dass es sich lohnt, den Blick stärker auf Frauen zu richten.
Ihre Empfehlung
Weiterempfehlen würde Lea Straub den MBA gerade auch Frauen, und ausdrücklich solchen, die nicht aus einem wirtschaftlichen oder technischen Umfeld kommen. Gerade dann helfe er enorm, sich besser aufzustellen und ein sichereres Standing zu gewinnen. Wer sich darauf einlässt, solle sich auf eine fordernde und fokussierte Zeit einstellen. Was ihr am Ende bleibt, fasst sie in einem Satz zusammen:
Das Programm im Überblick
Berufsbegleitender MBA der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Der Unterricht findet schwerpunktmässig freitags und samstags am FHNW-Campus in Windisch statt. Auf rund anderthalb Jahre Präsenzunterricht folgt die Masterthesis. Zum Programm gehören internationale Studienreisen, deren Ziele jedes Jahr wechseln. Lea reiste zum Beispiel nach Japan und Brasilien.
Master of Business Administration (MBA) FHNW
Kontakt
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