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Von der FHNW nach Barcelona – ein Austauschsemester am Mittelmeer

2. Oktober 2026

Tobias Hirsbrunner studiert im Master of Science in Engineering an der FHNW, Vertiefung Energy and Environment, und arbeitet daneben als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Elektrische Energietechnik. Von Februar bis Juli 2026 hat er sein Austauschsemester an der Universitat Politècnica de Catalunya (UPC) in Barcelona verbracht. Im Interview erzählt er, wie es dazu kam, was er dort erlebt hat und was er künftigen Austauschstudierenden mitgeben möchte.

Blick über Barcelona in der Abenddämmerung

Wie kam es zur Wahl von Barcelona?

«Ein Austauschsemester war für mich schon zu Beginn des Masterstudiums klar. Mein Betreuer, Prof. Dr. Matthias Resch, hatte an der UPC promoviert und bereits Kontakte vor Ort. Als die Idee aufkam, gab es aber noch gar kein Austauschabkommen zwischen der FHNW und der UPC, das musste zuerst aufgebaut werden. Barcelona hat mich als internationale Studierendenstadt mit Meer und Bergen gereizt, und fachlich hat mich die starke Expertise der UPC in erneuerbaren Energiesystemen überzeugt.»

Abendstimmung an der Strandpromenade

Wie sah die Vorbereitung und der Einstieg an der UPC aus?

«Die Planung begann ungewöhnlich früh, weil zuerst das neue Abkommen zwischen den Hochschulen entstehen musste. Prof. Resch hat dabei viel koordiniert und mich durch den ganzen Prozess begleitet. Die Anerkennung meiner Kurse verlief danach unkompliziert, und über das Swiss-European Mobility Programme erhielt ich einen finanziellen Beitrag an den Aufenthalt.

Die Organisation der UPC für ankommende Austauschstudierende war hervorragend. Schon vor der Anreise kamen praktische Informationen, etwa zu Wohnungssuche und öffentlichem Verkehr. Vor Ort halfen mir Informationsveranstaltungen und das Willkommensprogramm des Erasmus Student Network (ESN), schnell andere Austauschstudierende kennenzulernen.»

Die Sagrada Familia, eine der Sehenswürdigkeiten Barcelonas

Wie hast du gewohnt?

«Meine Wohnung fand ich über eine der von der UPC empfohlenen Plattformen, mitten im Zentrum nahe dem Plaça de Catalunya. Mit meinen vier Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern aus Irland, Frankreich und Finnland hatte ich grosses Glück und wir sind schnell zu einer eingeschworenen Gemeinschaft geworden.

Mit der Metro, dem T-jove-Abo und dem Bicing-Fahrrad direkt vor der Haustür war ich praktisch überall schnell unterwegs. Auffällig war der verschobene Tagesrhythmus, Mittagessen oft erst um 14 Uhr, Abendessen um 21 oder 22 Uhr. Das hat sich aber schnell ganz normal angefühlt.»

Blick vom Balkon der WG nahe dem Plaça de Catalunya

Welche Kurse hast du an der UPC belegt?

«Ursprünglich hatte ich Energy Markets und einen Data-Science-Kurs eingeplant. Kurz nach der Ankunft habe ich aber gemerkt, dass sich die beiden Kurse im Stundenplan überschneiden, also habe ich den Data-Science-Kurs durch Hydraulic and Marine Energy ersetzt und Energy Markets behalten. Energy Markets war für mich der wertvollste Kurs, es ging um Strommärkte und Optimierungsmethoden, und ich habe dabei auch vertiefte Einblicke in den spanischen Energiesektor bekommen. Am Ende gab es sogar die Matrícula de Honor, die höchste Auszeichnung im spanischen Notensystem. Hydraulic and Marine Energy hat mir Wasserkraft- und Meeresenergietechnologien nähergebracht, mit denen ich mich vorher wenig beschäftigt hatte.

Das Herzstück war aber mein Projekt 8: Optimization-Based Energy Management for Local Electricity. Ich habe ein bestehendes FHNW-Optimierungsframework für Energiemanagement von einzelnen Haushalten auf ganze lokale Elektrizitätsgemeinschaften erweitert, zusammen mit Betreuenden der FHNW und der UPC, inklusive eines Vergleichs zwischen Schweizer und spanischem Regulierungsrahmen.»

Strand bei Sonnenuntergang, das Meer war von der Wohnung aus schnell erreichbar

Wie hast du deine Freizeit in Barcelona verbracht?

«Meine WG wurde schnell zu weit mehr als nur einer Unterkunft. Mit vier weiteren Austauschstudierenden aus Irland, Frankreich und Finnland zusammenzuwohnen, bedeutete, dass der Austausch von Anfang an zum Alltag gehörte, spontane Pläne, gemeinsame Abende und lange, ungeplante Gespräche in der Wohnung. Ich bin nach Barcelona gegangen, ohne dort jemanden zu kennen, und innerhalb weniger Monate sind daraus Freundschaften geworden, die enger waren, als ich erwartet hatte.

Barcelona selbst hat enorm viel geboten, Clubs, Lokale, Veranstaltungen, es war fast immer irgendwo etwas los. Aber auch das Reisen hat den Austausch stark geprägt. Einige Ausflüge, etwa nach Mallorca und Andorra, hat ESN organisiert. Andere sind aus unseren eigenen Plänen entstanden: eine Reise nach Marokko mit Erasmus-Freunden, mehrere Besuche in Montserrat, und spontan sind wir mit einer grossen Gruppe an den Formel-1-Grand-Prix gefahren, als bezahlbare Tickets verfügbar wurden.»

Blick auf das Gebirgsmassiv von Montserrat bei Sonnenaufgang
Die blaue Stadt Chefchaouen in Marokko

Was hat dich am meisten geprägt?

«Eines der schönsten Erlebnisse war ein Campingwochenende, das wir gegen Semesterende selbst organisiert haben, als letztes gemeinsames Abenteuer, kurz bevor die Ersten von uns Barcelona wieder verlassen haben. Daneben habe ich mir noch einen langjährigen persönlichen Wunsch erfüllt: Ich habe in Castelldefels regelmässig Kitesurfen gelernt, nachdem ich vorher schon Erfahrung im Wellensurfen hatte. Über das Semester Fortschritte zu machen, hat mir besonders viel bedeutet. Dazu kamen Ausflüge nach Sitges, wo wir den Karneval miterlebt haben, und in die Küstenstadt Blanes.»

Kitesurf-Ausrüstung in Castelldefels

Deine Tipps für künftige Austauschstudierende?

  • Frühzeitig planen, besonders wenn mit der Gasthochschule noch kein Abkommen besteht
  • Ein, zwei alternative Kurse bereithalten, falls der Stundenplan erst spät verfügbar ist
  • Die Informationen der Gasthochschule nutzen und am Willkommensprogramm teilnehmen
  • Öffentlichen Verkehr, Velo und Fusswege kombinieren
  • Ein paar Brocken der Landessprache lernen
  • Auch ausserhalb der Uni an Aktivitäten teilnehmen und einfach Ja sagen

Würdest du es wieder tun?

«Ohne zu zögern. Die Kombination aus UPC, Barcelona, meiner WG und der akademischen Arbeit hat das Semester aussergewöhnlich bereichernd gemacht. Es ist eines der unvergesslichsten Kapitel meines Studiums geworden.»

Ausflug in die Natur Kataloniens
Blick auf die Küstenstadt Blanes

Wir danken Tobias herzlich für seinen ausführlichen Erfahrungsbericht und die vielen schönen Bilder, die er uns zur Verfügung gestellt hat, und wünschen ihm für seinen weiteren Weg alles Gute.

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Kommentare

Ein Kommentar erfasst zu Von der FHNW nach Barcelona – ein Austauschsemester am Mittelmeer

    Peter Stuber

    Ganz toll!
    und beneidenswert :-)

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