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Zweite Chance für Glasfasern: Bachelorarbeit trifft Weltmesse

2. Juni 2026

Im Rahmen seiner Bachelorarbeit für die Firma Verretex konnte der EUT-Student Elias Sager im März 2026 die JEC World in Paris besuchen, die weltweit grösste Messe für Verbundwerkstoffe (Composites). Drei Tage lang stellten dort rund 1’400 Firmen aus 52 Ländern ihre neuesten Produkte aus, besucht von über 45’000 Fachleuten aus 94 Ländern. Im Interview gibt Elias Einblick zu seiner Bachelorarbeit und seinen Eindrücken in Paris.

Du arbeitest in deiner Bachelorarbeit an einer Fragestellung für die Firma Verretex. Welches sind die Produkte dieser Firma?

Verretex ist ein Spinoff der EPFL und versucht im Kern, Glasfasern eine zweite Chance zu geben. Glasfasern stecken in unglaublich vielen Produkten: in Windrotoren, Bootsrümpfen, Autoteilen, Sportgeräten. Das Problem kommt am Ende. Der heutige Standardweg für ausgediente Verbundwerkstoffe heisst Deponie. Das ist ökologisch unschön und ökonomisch ärgerlich, denn in diese Fasern ist bei der Herstellung viel Energie geflossen.

Verretex kann durch ihren spezifischen chemischen Prozess Glasfaser nach einer Pyrolyse (Rückgewinnung Kunstharz) wieder regenerieren. Die Faseroberflächen werden dabei neu beschichtet und anschliessend zu neuen Vliesstoffen verarbeitet, die wieder in der Industrie eingesetzt werden können. Das eigentliche Produkt sind also diese Vliesstoffe aus regenerierten Glasfasern.

In meiner Bachelorarbeit führe ich eine vergleichende Ökobilanz durch — eine sogenannte Cradle-to-Gate Life Cycle Assessment. Ich analysiere die Umweltauswirkungen von Vliesstoffen aus neuen Glasfasern im Vergleich zu solchen aus upgecycelten Fasern, vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt. Das ist genau das, was Verretex und die Industrie brauchen, um zu entscheiden, ob diese Lösung wirklich nachhaltiger ist.

Du hast an der Messe einige interessante Beispiele aus dem Gebiet der Kreislaufwirtschaft gesehen. Welche haben dich besonders beeindruckt?

Eines hat mich besonders beschäftigt: das LIUX-BIG-Projekt. Es geht um ein Elektrofahrzeug, dessen Karosserie aus Verbundwerkstoffen besteht — konstruiert von Anfang an mit dem Recycling am Ende im Sinn. Das ist technisch deutlich anspruchsvoller, als es auf den ersten Blick wirkt. Faserverstärkte Kunststoffteile zu recyceln ist normalerweise eine grosse Herausforderung, weil die Materialien chemisch so eng verbunden sind, dass eine saubere Trennung kaum möglich ist.

Was beim LIUX BIG bemerkenswert ist: Das Projekt demonstriert, wie Additive Manufacturing und computergestützte Designmethoden es erlauben, Komponenten von Anfang an für das Recycling zu konstruieren. Es ist nicht nur ein technisches, sondern auch ein wirtschaftliches Modell — und ein Vorzeichen für die Zukunft.

Generell hat mich an der JEC World überrascht, wie präsent die Themen Automation und künstliche Intelligenz waren. Nicht nur bei den Produktionsmaschinen, sondern auch in der Qualitätskontrolle und in den computergestützten Designprozessen. Die Branche nutzt zunehmend AI und Automation, um Produktionsprozesse zu optimieren und gleichzeitig Nachhaltigkeit in der Konstruktion zu verankern.

Das zeigte sich deutlich in den zwei dedizierten Ausstellungsbereichen: dem «Circularity Village» und dem «Bio-Materials Village». Kreislaufwirtschaft ist nicht mehr ein marginales Thema — sie ist zentral für die industrielle Zukunft geworden.

Könntest du dir vorstellen, nach deinem Studium auf dem Thema «Verbundwerkstoffe» zu arbeiten?

Ehrlich gesagt hatte ich vor dieser Bachelorarbeit mit Verbundwerkstoffen kaum etwas zu tun. Heute sage ich: Ja, vorstellen könnte ich es mir gut. Die Branche steckt gerade in einer spannenden Phase, in der gleichzeitig sehr viel produziert und sehr viel über das Ende der Produkte nachgedacht wird. Das ist genau die Schnittstelle, an der ich im EUT-Studium gerne arbeite — wo Technik, Wirtschaftlichkeit und Ökologie zusammenkommen.

Ob es am Ende wirklich Verbundwerkstoffe werden oder eine andere Branche, weiss ich noch nicht. Was ich aber gemerkt habe: Verbundwerkstoffe waren bis vor einem halben Jahr für mich ein Wort aus einem Skript. Heute denke ich tatsächlich daran, wenn ich an einem Windrad vorbeifahre oder ein Velo mit Carbonrahmen sehe. Und ich möchte später nicht an etwas arbeiten, wo das Wort «Entsorgung» die letzte Antwort ist.

Danke, Elias, für den Einblick und die Eindrücke aus Paris. Wir wünschen dir viel Erfolg mit deiner Bachelorarbeit!

Mehr zum Studiengang Energie- und Umwelttechnik an der FHNW: fhnw.ch/eut

Schlagworte: Bachelor-Arbeit, Energie- und Umwelttechnik, EUT-Studierende

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