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Bachelor in Geomatik, Studierende berichten

Studierende berichten – Geomatik-Frühlingskolloquium vom 5.5.2026: Landmanagement als Grundlage für Entwicklung in Ruanda

28. Mai 2026

Wie können Geodaten Menschen dabei helfen, sicherer zu wirtschaften und langfristig Einkommen aufzubauen? Der Kolloquiums-Vortrag von Thomas Gross und Piera Hug zeigte am Beispiel Ruandas, dass Geomatik weit über Vermessung und Karten hinausgeht. Im Zentrum standen sichere Landrechte, Landwirtschaft und die Frage, wie aus Daten konkrete Entwicklung entstehen kann.

Wer an Geomatik denkt, denkt oft zuerst an Vermessung, Karten oder digitale Datenmodelle. Im Vortrag von Thomas Gross und Piera Hug, von HYCON im Rahmen des vierten Geomatik-Kolloquium wurde jedoch schnell klar, dass Geomatik auch in Entwicklungsprojekten eine wichtige Rolle spielen kann. Am Beispiel eines geplanten Pilotprojekts in Ruanda zeigten sie, wie eng Landrechte, Geodaten, Landwirtschaft und Finanzierung miteinander verbunden sind. Für uns war besonders spannend zu sehen, dass Geodaten hier nicht nur technische Grundlagen liefern, sondern Menschen dabei unterstützen können, Land sicherer zu nutzen und eine langfristige wirtschaftliche Perspektive aufzubauen.

HYCON ist in verschiedenen Ländern tätig und verbindet technische Themen wie Wasser, erneuerbare Energie und nachhaltiges Landmanagement mit sozialen Fragen wie Gender, Diversity und Protection. Eine wichtige Rolle spielt zudem die Swiss Land Management Foundation. Sie bringt Schweizer Fachwissen in Landmanagement, Kataster, Raumplanung und Geodaten international ein.

Abbildung 1: Einsatzorte und Tätigkeitsbereiche der Firma HYCON (https://hycon.ch/#Locations abgerufen am 05.05.2026)

Zu Beginn des Vortrags wurde deutlich, dass Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe stark unter Druck stehen. Staatliche Mittel werden gekürzt, während der Bedarf in vielen Regionen gross bleibt. Für uns war deshalb interessant zu sehen, welche Rolle private Stiftungen und spezialisierte Organisationen in solchen Projekten übernehmen können.

Der Fokus des Vortrags lag auf Ruanda. Das Land ist klein, dicht besiedelt und wird oft als „Land der 1000 Hügel» bezeichnet. Wie Abbildung 3 zeigt, prägen terrassierte Hügel die Landschaft, weshalb flaches Ackerland besonders knapp und wertvoll ist. Landwirtschaft ist für viele Menschen die wichtigste Einkommensquelle. Gleichzeitig leben in Ruanda zahlreiche geflüchtete Menschen, vor allem aus der Demokratischen Republik Kongo und aus Burundi.

Abbildung 2 Landschaft Ruandas. Foto: Peace Batuma, „Land view of Rwanda», Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, 16. Mai 2022, (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Imirambi.jpg abgerufen am 13.05.2026)

Besonders betrachtet wurde das Mahama Camp im Osten Ruandas. Es ist das grösste Flüchtlingslager des Landes und liegt in einer Region, die stark von Trockenheit und Dürre betroffen ist. Dort treffen mehrere Herausforderungen zusammen: begrenzter Zugang zu Land, Klimawandel, Naturgefahren und fehlende Finanzierungsmöglichkeiten.

Landwirtschaft ist hier nicht nur eine Frage von Saatgut, Bewässerung oder Ertrag. Wer investieren will, braucht Sicherheit. Wenn eine Kooperative ein Feld bewirtschaftet, eine Bewässerung installiert oder ein Lagerhaus baut, muss klar sein, dass sie diese Fläche auch in einigen Jahren noch nutzen kann. Ohne gesicherte Landrechte, Katasterinformationen und funktionierende Prozesse bleibt jede Investition unsicher.

Ein zentrales Problem sind die Pachtverträge. Geflüchtete und kleinbäuerliche Betriebe können Land oft nicht kaufen, sondern nur pachten. Diese Verträge sind jedoch häufig nicht stark genug, um bei einer Bank als Sicherheit zu dienen. Damit fehlt der Zugang zu Krediten. Investitionen für Bewässerung, Lagerung oder Verarbeitung können dadurch kaum umgesetzt werden.

Auch bei der Wertschöpfungskette zeigte sich ein praktisches Problem. Viele Produkte können zwar angebaut werden, gehen aber nach der Ernte verloren, weil Lagerung, Kühlung oder Verarbeitung fehlen. Dadurch bleibt das Einkommen tief, obwohl Potenzial vorhanden wäre.

Eine wichtige Rolle spielen Geodaten im erweiterten Sinn. Klassische Geodaten wie Topografie, Grundstücke, Raumplanung oder Naturgefahrenkarten bilden die Grundlage. Zusätzlich braucht es Informationen darüber, wo Produzentinnen und Produzenten sind, wo Abnehmer liegen, welche Wege zu Märkten führen und wo sich ein Lagerhaus lohnt. Erst wenn diese Informationen zusammengeführt werden, entsteht ein echter Nutzen.

Eine reine Karte mit vielen Layern reicht dafür nicht aus. Entscheidend ist, dass aus Daten verständliche Informationen entstehen und daraus funktionierende Prozesse aufgebaut werden. Es muss klar sein, wer die Daten pflegt, wer darauf zugreifen darf und wie eine Plattform langfristig betrieben wird.

Das geplante Pilotprojekt in Ruanda verfolgt drei Hauptziele. Erstens soll der rechtliche Rahmen rund um Landzugang und Pachtverträge verbessert werden. Zweitens soll die landwirtschaftliche Wertschöpfung gestärkt werden, etwa durch bessere Lagerung, Verarbeitung und Marktzugang. Drittens sollen Umwelt und Geodaten besser genutzt werden, besonders für Naturgefahren, Klimaanpassung und nachhaltige Raumplanung.

Für uns wurde spürbar, dass Geomatik in solchen Projekten eine konkrete Wirkung haben kann. Es geht nicht nur darum, Daten zu erfassen oder Karten zu erstellen. Es geht darum, Lebensgrundlagen zu sichern. Wenn Landrechte klarer werden, Investitionen möglich sind und Entscheidungen auf besseren Informationen beruhen, können Menschen ein stabileres Einkommen aufbauen.

Abbildung 3: Der Referierende des Kolloquiums: Thomas Gross (Eigene Aufnahme – Erstellt 05.05.26)

Gleichzeitig müssen solche Projekte sensibel umgesetzt werden. Land ist knapp und kann schnell zu Konflikten führen. Werden nur geflüchtete Menschen unterstützt, kann dies Spannungen mit der lokalen Bevölkerung auslösen. Deshalb sollen sowohl Flüchtlinge als auch die umliegenden Gemeinden einbezogen werden. Ziel ist eine gemeinsame Entwicklung.

Das Projekt steht noch am Anfang. Ein Pilotprojekt über rund drei Jahre ist vorgesehen. Danach soll geprüft werden, ob der Ansatz funktioniert und ob er auf weitere Länder übertragen werden kann. Der Vortrag zeigte bereits jetzt, wie stark Geodaten, Landrechte, Finanzierung, Landwirtschaft und lokale Zusammenarbeit verbunden sind.

Geodaten entfalten ihren Wert erst, wenn sie in konkrete Prozesse übersetzt werden. Im Projekt in Ruanda können sie dazu beitragen, Land sicherer nutzbar zu machen, Investitionen zu ermöglichen und Menschen eine langfristige wirtschaftliche Perspektive zu geben.

Eine Aufzeichnung des Vortrages finden Sie hier.

Autoren: Jonas Frey und Jascha Metzler, Studierende Bachelor in Geomatik im 4. Semester

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