Es betrifft viele Studierende, wird aber selten hinterfragt: die Preisgabe persönlicher Daten bei Online-Diensten. Wie Asmir Baftijari nach Alternativen suchte und warum ihn seine Geschichte nach Singapur führte.
Wer den Studierendenrabatt bei Spotify, Apple Music oder vielen anderen Online-Shops nutzen möchte, muss häufig persönliche Daten wie Namen, Geburtsdatum oder eine Immatrikulationsbestätigung an Verifizierungsdienste preisgeben. Es kommt sogar vor, dass Studierende ihren Studierendenausweis hochladen müssen.
«Warum müssen mehr persönliche Daten preisgegeben werden, als für einen Nachweis nötig wären?»
fragte sich Asmir Baftijari, Wirtschaftsinformatik-Student an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Ginge das auch anders? Diese Frage steht im Zentrum von Asmir Baftijaris Bachelor-Arbeit. Seine Auftraggeberin ist Prof. Dr. Petra Maria Asprion, Co-Head des Center for Digital Trust, Hochschule für Wirtschaft FHNW. «Diese Bachelor-Arbeit», erkärt die Dozentin, «war Teil der Forschungsaktivitäten des Centers zu Blockchain-Technologien und, im weiteren Sinne, zur Sicherheit digitaler Zahlungssysteme.» Asmirs Betreuer und Coach Prof. Dr. Walter Dettling trug als Basis die wissenschaftliche Expertise bei und identifizierte das Midnight Network als potentiell nützliche Plattform.

«Eigentlich», so lautet Asmir Baftijaris Lösungsansatz, «kann in den geschilderten Fällen der Nachweis der digitalen Identität auf eine einzige Frage reduziert werden kann. Sie lautet: Ist die Person immatrikuliert: Ja oder nein?»
In Baftijaris Lösung wird der Nachweis anhand sogenannter Zero-Knowledge-Proofs erbracht, ohne dass weitere persönliche Informationen preisgegeben werden müssen: «Kurz gesagt: Es geht ums Beweisen, ohne alles offenzulegen.».
Auf der Testumgebung von Midnight Network entwickelte Asmir Baftijari einen Prototypen. Die neue Blockchain-Plattform ist auf datenschutzfreundliche digitale Nachweise ausgelegt. Vereinfacht gesagt können damit Informationen verifiziert werden, ohne die zugrunde liegenden persönlichen Daten preiszugeben. Die prüfende Stelle erhält lediglich die Bestätigung, ob ein Nachweis gültig ist oder nicht. Weitere Angaben bleiben verborgen. Auch ein direkter Kontakt zur Hochschule ist nicht nötig, und einzelne Abfragen lassen sich nicht zu einem Profil verknüpfen. Der Nachweis bleibt damit vertrauenswürdig, die Privatsphäre der Studierenden gewahrt. Für Asmir Baftijari ist die Zero-Knowledge-Verifizierung deshalb eine sinnvolle Ergänzung zur SWITCH edu-ID.

«Asmirs Arbeit liefert wertvolle Impulse für unsere weitere Forschung», so Prof. Dr. Petra Maria Asprion weiter. Sie sieht in dieser Lösung Potential, das über den konkreten Fall hinausgeht. «Die Arbeit zeigt, wie sich Datenschutz und digitale Nachweise künftig neu denken lassen: Studierende können ihre Qualifikationen nachweisen, ohne mehr persönliche Daten preiszugeben als nötig. Genau das ist für mich ein wichtiger Aspekt von Digital Trust: Vertrauen schaffen und gleichzeitig die Privatsphäre schützen.» Dieses Prinzip könne in Zukunft auch für andere Bereiche interessant sein, etwa für digitale Zahlungssysteme.
Der zweite Teil der Geschichte
Die Bestnote eröffnet Asmir Baftijari nun neue Perspektiven. Mit seiner Bachelor-Arbeit überzeugte er die Nanyang Technological University (NTU) in Singapur. Die renommierte Hochschule nahm ihn in ihren Masterstudiengang Blockchain auf und sprach ihm zudem ein Stipendium zu. Die NTU zählt zu den weltweit führenden technischen Universitäten. Im internationalen QS World University Ranking 2026 belegt sie Rang 12 (zum Vergleich: die ETHZ liegt auf Rang 7). Bis zu seiner Abreise jobbt Asmir nun, um sich den Aufenthalt in der teuren Millionenmetropole zu finanzieren.
In Singapur war er bisher noch nie. Auch eine Unterkunft hat er noch nicht gefunden. «Das wird sich schon ergeben», sagt er gelassen.
Für Prof. Dr. Petra Maria Asprion ist die Zulassung eine besondere Anerkennung: «Dass Asmirs herausragende Bachelorarbeit auch an der NTU überzeugt hat, freut uns sehr.»

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