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Das EUT-Fach: Was ist edcp?

FHNW|20. Juni 2020

Wie kann man ein Produkt entwerfen, sodass es möglichst spät oder gar nie zu Abfall wird? Was ist mit Blick auf gesamte Produktionsprozesse sinnvoll? Solche Fragestellungen aus dem Bereich des Umweltmanagements werden im Modul «Ecodesign von Produkten und Prozessen» (edcp) im vierten Semester des EUT-Studiums behandelt.

Kreislaufwirtschaft in einer Darstellung der Ellen Macarthur Foundation: bioligische und technische Kreisläufe sind für praktisch jeden Stoff oder jedes Produkt möglich. Bild: Ellen Macarthur Foundation.

Dass eine Kehrricht-Anlage den Rauch nicht ungefiltert in den Himmel lässt und Abwässer heute in der ganzen Schweiz gründlichst gereinigt werden, ist hierzulande selbstverständlich. Jahrzehntelange Bemühungen im Bereich Umweltschutz sind in diesen Bereichen umgesetzt. «Dieser End-of-Pipe-Umweltschutz ist bei uns schon sehr weit entwickelt», sagt Michael Bösch, Professor für Ressourceneffizienz an der Hochschule für Technik. Grosses Potential bestehe jedoch bei der gesamtheitlichen Optimierung von Produkten über den gesamten Lebenszyklus – vom Design bis zur Entsorgung.

Blick auf den Gesamtkreislauf

Dies ist auch der Blickwinkel des Moduls «Ecodesign von Produkten und Prozessen» (edcp). «Unser Hauptziel in diesem Modul ist es, dass die Studierenden ein gesamtheitliches, ökologisches und wirtschaftliches Verständnis der Wertschöpfungsketten von Produkten erlangen», sagt Bösch, der in edcp unterrichtet. Konkret erproben die Studierenden verschiedene Ansätze und Instrumente, um Produkte ökologisch herzustellen oder länger haltbar zu machen. – So könnte zum Beispiel ein technisches Gerät so erbaut werden, dass einzelne Teile bei Defekt ausgewechselt würden, statt das ganze Gerät zu ersetzen. Oder Produkte werden gar nicht mehr verkauft, sondern im Sinne des «Product-as-a-Service» als Leistung angeboten. Dadurch erhalten Unternehmen eine intrinsische Motivation, ihre Produkte möglichst langlebig und reparierfreundlich zu gestalten.

Das Modul edcp ist in die drei Teile produktionsintegrierter Umweltschutz, energetische Optimierungen und Ecodesign von Produkten gegliedert. Eine Exkursion, Laborversuche und Gastreferate von externen Experten machen den Unterricht vielfältig. So werden Praxisbeispiele wie zum Beispiel jenes von «SBB Green Class» analysiert: Wie entstand das inzwischen etablierte Label der SBB? Welche konkreten Überlegungen aus dem Bereich Ecodesign stehen dahinter? Wie wurde das Angebot marktfähig gemacht?

Wertschöpfung mit nachhaltigen Produkten

Wer in Kreisläufen und ganzen Produktionsprozessen denkt, muss interdisziplinär fit sein. Es geht immer um technische, naturwissenschaftliche und wirtschaftliche Fragestellungen zugleich. «Das Modul verzahnt Technik und Wirtschaft», sagt Bösch. Sein grosses Anliegen ist es zu zeigen, dass Wertschöpfung und Nachhaltigkeit keine Widersprüche sind. Umweltschutz als Thema sei häufig ein Kostenthema – der neue Filter an der Anlage kostet, die Abfallentsorgung ist teuer. Wer jedoch in Kreisläufen denke, könne neue Geschäftsmodelle kreieren und dadurch mit nachhaltigen Konzepten Wertschöpfung generieren.

Hinweis: Das Modul edcp wird gegenwärtig neu konzipiert, da im Rahmen des Curriculums EUT 2020 neue Zielvoraussetzungen gelten. Der Fokus des neuen Moduls edcp liegt dann auf der Produktenwicklung und der Umweltquantifizierung.

Eine klassische Aufgabenstellung: das Gurken-Dilemma

Ist es aus ökologischer Sicht immer sinnvoll, auf verpacktes Gemüse – zum Beispiel die eingeschweisste Gurke – zu verzichten?

Grundsätzlich ist natürlich die Vermeidung von Abfall sinnvoll; jährlich landet tonnenweise unnötiger Plastik in den Schweiz Abfalleimern. «Verpackung hat jedoch immer eine Funktion und ist mehr als nur das Material selbst», sagt Michael Bösch. So gelte es für eine saubere Ökobilanzierung, den Blick auch auf den Inhalt der Verpackung zu legen. Eine gute Verpackung ermöglicht nämlich die Frischhaltung von Nahrungsmitteln und bietet eine optimale Portionierung, was Foodwaste stark reduzieren kann, also das Verderben der Gurke bereits während des Transports, im Laden oder nach dem Kauf. Bei Optimierungsmassnahmen ist deshalb immer die Gesamtbilanz im Blick zu behalten, und Änderungen bei der Verpackung mit deren Auswirkung auf die Funktion in Beziehung zu setzen, sagt Bösch. Als Kundin oder Kunde gilt: Je weniger Abfall, desto besser – solange durch Verzicht auf eine Verpackung kein Foodwaste entsteht!

Zum Weiterlesen und -hören

  • Bösch, Michael (2019): Mit schlauen Containern gegen den Plastikmüll. In: Digital Bytes, 3.4.2019.
  • Hirschier Roland (2018): Eine Verpackung ist mehr als nur Abfall. In: Thema Umwelt 3/2018, S. 24f. (mit Gegenstandpunkt durch Sofia Marazzi und Michelle Sandmeier) 
  • Jacquemart, Charlotte (2018): Crevetten aus der Schweiz – ja, das gibt es. In: SRF Heute morgen, 16.11.2018. Interview mit SRF zur Crevetten-Farm in Rheinfelden.
  • Zhiyenbek et al (2016): Ökobilanzierung Früchte- und Gemüseproduktion. Eine Entscheidungsunterstützung für ökologisches Einkaufen. Zürich: ETH.
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