Corona und Fernstudium

EUT-Studium @ home Nr. 7 – Unterricht gestalten

FHNW|17. Mai 2020

Yvonne Zickermann, Dozentin und Verantwortliche Projektschiene EUT

Mit Laptop in der Küche: „Die fest gesetzten Grenzen sind verschwommen“, sagt Yvonne Zickermann. Bild: ZVG.

Ein Drittel des Semesters war bereits um, als die Nachricht kam, dass die praktischen Projekte in den zweiten, dritten und vierten Semestern nicht fortgeführt werden. Wie haben damals die Studierendenteams reagiert? 

In der Woche vor dem Lockdown haben alle Teams getestet, wie Sie das Projekt auch von Ferne gut über die verfügbaren Webtools weiterbearbeiten können würden. Vereinzelt hat dann die Streichung der Projekte für Unmut gesorgt, denn die Teams waren eigentlich gut aufgestellt. Die meisten Projektteams reagierten aber positiv und waren froh, dass Ihnen der Wegfall des Projekts für die anderen Fächer mehr Luft gebracht hat.

Gibt es Projekte, die im nächsten Semester weiterbearbeitet werden?

Die Auftraggeberinnen und Auftraggeber haben verständnisvoll reagiert. Die meisten Projekte können wir im Herbstsemester weiterführen. Die Projektteams haben alle erarbeiteten Unterlagen archiviert. An dieser Stelle können dann die Projekte wieder aufgegriffen werden. Wie aussagekräftig die erstellten Protokolle und die Projektaufträge waren und ob ein nahtloses Anschliessen an die Arbeit möglich ist, wird sich erst im Herbst zeigen.

Der Unterricht für das Grundlagenmodul in Projektmangagement („pro 1“) lief weiter. Wie liess sich das Modul umorganisieren?

Bereits im letzten Semester habe ich meinen Teil des Moduls auf Flipped Classroom umgestellt. Die Voraussetzungen für die individuelle Vorbereitung der Theorie waren also ideal. Statt die Gruppenzusammensetzung zu variieren, wie ich dies im Präsenzunterricht jeweils getan habe, wurden diese Aufgaben nun aber in den bereits bestehenden Projektteams bearbeitet. Die meisten nutzten dafür MS Teams und konnten mich damit bei Fragen in die Besprechung holen. Die Ergebnissen besprachen wir im Webex-Plenum. Zusätzlich hatten wir aber auch Glück: Das erste Drittel des Moduls ist theorielastig. Danach geht es an die inhaltliche Arbeit in den Projetteams und es finden weniger Unterrichtseinheiten statt. Nach wie vor gibt es Sitzungen und Feedbackgespräche mit den Projektgruppen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Arbeiten in den kleinen Gruppen über Webex oder MS Teams sehr gut möglich ist. Bedingung dafür ist, dass die Kamera eingeschaltet ist. Denn damit wird auch ein Teil der nonverbalen Kommunikation übertragen.

Was ist im Online-Unterricht die grösste Herausforderung – und was war ein Erfolg?

Es geht wohl allen Dozierenden ähnlich. Wenn ich im Webex-Plenum alle 21 Studierenden mit ausgeschaltetem Mikrofon und ausgeschalteter Kamera vor mir habe, komme ich mir vor, als spräche ich in ein schwarzes Loch. Natürlich versuche ich, so selten wie möglich solche Unterrichtssituationen zu planen! Interaktion lässt sich gut über den Chat und via Umfragen gestalten.

Ein Erfolgserlebnis war der Excel-Kurs, den wir in jedem Grundlagenmodul pro 1 anbieten. Ziel ist es, dass die Studierenden möglichst viel Zeit haben, die Funktionen selbst auszuprobieren und sich gegenseitig helfen. Für den Kurs im Online-Unterricht teilten wir die Studierenden in Gruppen ein und erstellten für jede Gruppe einen Kanal in MS Teams. So konnten mein Kollege und ich die Studierenden besuchen und die Studierenden uns auch rufen, wenn sie Hilfe bennötigten. Fazit: Das Ganze klappte fast besser als im Präsenzunterricht!

Die letzte Frage an die Projektmanagerin: Wie lässt sich im Homeoffice Struktur finden?

Auch als Projektmanagerin ist mir das sehr schwer gefallen! Seit 14 Jahren arbeite ich 60 bis 70%. Ich habe also immer gut zwischen Arbeit und Privatleben trennen müssen. Das hat viel Struktur gefordert. Auf einmal sind nun meine fest gesetzten Grenzen verschwommen. Die ganze Familie war daheim. Schule, Mittagstisch und Betreuung waren nach Hause verlagert.

Die Strukturanforderungen waren damit nicht auf das Homeoffice begrenzt, sondern auch auf die ganze Familie mit Schulprogramm und Haushalt. Damit alles funktionierte, musste erst die Struktur für die Kinder und die Mahlzeiten aufgebaut werden, dann hat sich die Zeit fürs Arbeiten ergeben. Bereits früher konnte ich feststellen, dass man ganz in Ruhe nach 20:00 Uhr arbeiten kann! 🙂

Meine wichtigsten Werkzeuge in dieser Zeit waren dieselben wie immer: meine Agenda, in der geschäftliche und private Termine eingetragen sind, und meine mit Prioritäten versehene Pendenzenliste. Mit diesen beiden Werkzeugen ist auch dann noch nichts verloren, wenn die geplante Tagestruktur durch äussere Einflüsse – momentan geschieht dies häufig – durcheinandergerät.

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