Mit nur 20 Jahren erobert der Berner Kontrabassist Elias Kobi die grossen Bühnen. An den Schlusskonzerten der Hochschule für Musik Basel FHNW am 1. Juni ist er der einzige Bachelorstudierende unter den Mastertalenten. Wer ist Elias Kobi?

Bild: zVG
Von seinem Zuhause in Bern bis zum Haus der Grosseltern waren es nur ein paar Schritte. Elias Kobi, knapp vierjährig, hörte damals seinen Grossvater Béla Szedlàk jeweils schon von draussen den Kontrabass spielen. So lernt das Kind «en passant» nicht nur Ungarisch, die Sprache seiner Grosseltern, er kommt auch zur Musik. «Mein Grossvater spielte, und ich habe es einfach nachgemacht.» Das wuchtige Instrument – zunächst in Kindergrösse – liegt Kobi von Beginn an.
Elias Kobi steht schon als Kind auf der Bühne. Gemeinsam mit seinem Grossvater tritt er bis heute als Duo Basso55 auf. Bis 2024 ist er festes Mitglied des Jugendsinfonieorchesters des Konservatoriums Bern und findet zunehmend Gefallen daran, auch als Solist auf der Konzertbühne zu stehen, ohne vertraute musikalischen Stützen an seiner Seite, im vollen Vertrauen auf die Kraft seines Instrumentes: «Mir gefällt der eigenwillige Klang und das einzigartig weite Spektrum, von tiefen bis sehr hohen Tönen. Der Kontrabass ist viel melodiöser als man denkt.» Vor drei Jahren hat er zu «seinem» Instrument gefunden: Einem italienischen Kontrabass von 1850 aus der grossväterlichen Sammlung. Es war Liebe auf den zweiten Blick. «Ich musste mich daran gewöhnen, aber inzwischen mag ich ihn sehr. Ich finde, er passt zu mir.»
Bei Komponisten wie Beethoven, Mozart oder Brahms sucht man vergeblich nach Solostücken für Kontrabass. Das Repertoire ab dem 18. Jahrhundert ist überschaubar. Elias Kobi sieht es entspannt. Präferenzen für eine bestimmte Epoche hat er ohnehin nicht. Er spiele alles gern. Bei Komponisten wie Beethoven, Mozart oder Brahms sucht man vergeblich nach Solostücken für Kontrabass. Das Repertoire ab dem 18. Jahrhundert ist überschaubar. Elias Kobi sieht es entspannt. Präferenzen für eine bestimmte Epoche hat er ohnehin nicht. Er spiele alles gern.
Spielen am «krassesten Ort»
Die Fachwelt ist längst auf das Jungtalent aufmerksam geworden. Kobi gewinnt den Rahn Musikpreis 2026 für Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass. Bereits 2024 holt Elias Kobi den 1. Preis am I. Grunewald International Music Competition (Kategorie Bratsche & Kontrabass). Im Preisträgerkonzert debütiert der damals 18-Jährige als Solist mit dem Geringas Chamber Orchestra in der Berliner Philharmonie, «dem bisher krassesten Ort», in dem ich je aufgetreten bin», so Elias. Kobi entscheidet davor den schweizerischen Jugendmusikwettbewerb mehrfach für sich und erlangt erste Preise mit Auszeichnung in den Jahren 2016, 2018 und 2020.
Nach einem Jahr am PreCollege der Hochschule der Künste Bern hat Kobi seit 2023 einen Studienplatz im Bachelorstudium an der Hochschule für Musik Basel FHNW in der Klasse von Prof. Roman Patkoló. «Elias ist ausserordentlich begabt und technisch hervorragend, mit einem Potential, das in technischer wie musikalischer Hinsicht keine Grenzen kennt», sagt Patkoló. «Man hört schon bei den ersten Tönen, wie sehr er den Kontrabass liebt.»
Gesang für den Kontrabass
Live-Aufnahme vom ZKO Haus Zürich 21.1.2026
Nun hat auch das Publikum die Gelegenheit, den jungen Musiker zu erleben. Am 1. Juni 2026 tritt Elias Kobi, begleitet vom Kammerorchester Basel, an den diesjährigen Schlusskonzerten der Hochschule für Musik Basel FHNW auf. Er ist der einzige Bachelor-Studierende im Programm und dürfte zu den jüngsten Solist*innen des Abends gehören.
Kobi spielt das Konzert für Kontrabass und Orchester Nr. 2 in h-Moll des italienischen Komponisten Giovanni Bottesini (1821–1889). Bottesini komponierte das Werk im Alter von 24 Jahren, kaum älter also als Kobi heute. Er spiele es sehr gern, erklärt der Berner. Für den Kontrabass sei das Konzert wie ein Gesang.
Dasselbe Werk bringt er zwei Tage später, am 3. Juni, beim renommierten Johannes Matthias Sperger Wettbewerb in Berlin zur Aufführung. Zwei fordernde Ereignisse innerhalb weniger Tage stehen Kobi bevor.
Die Sonne scheint. Die Kollegen liegen jetzt an der Aare, Elias ist am Üben. «Ja, das ist nicht immer so einfach. Aber da muss ich jetzt durch. Im Juli kommen wieder chilligere Zeiten.» Wettbewerbe seien so streng wie verlockend. «Mir ist es lieber, ich gehe durch den ganzen Stress und lande irgendwo hinten, als es gar nicht erst zu versuchen.» Angst zu verlieren habe er keine, solange er alles gebe.
Kobi denkt nun über einen Master in Musikalischer Performance nach. Als Solist auf der Bühne zu stehen, ist sein klares Ziel. An welcher Hochschule er diesen Weg weiterverfolgt, ist noch offen. Sicher ist hingegen, was er aus Basel mitnimmt. «Der Campus in Basel ist richtig schön», sagt er. «Die historischen Häuser, das Grün, die Umgebung: Ich bin überzeugt, dass eine solche Atmosphäre einen grossen Einfluss darauf hat, wie man spielt.»
Elias Kobi live
Konzert 2: Montag, 1. Juni 2026, 19:30 Uhr, Musik-Akademie Basel, Leonhardstrasse 6, 4051 Basel
Kollekte zugunsten des Stipendienfonds der Dozierenden der Hochschule für Musik Basel FHNW, Klassik

