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Neuer Satellit sieht das Weltraumwetter mit neuen Augen,

16.3.2026 – Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Technik und Umwelt, Hochschule für Informatik


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Alle News und Storys
Illustration von SMILE als Satellit im Weltraum. In der Mitte der goldene Satellit, an dem wie zwei Flügel die Photovoltaik-Module zur Energieversorgung hängen.
Bild: European Space Agency – ESA

FHNW-Forschende waren massgeblich an der Realisierung des neuartigen Satelliten SMILE beteiligt. In diesen Tagen wird der Satellit gelauncht. Über die Gründe, warum SMILE viel mit dem einwandfreien Funktionieren unserer Handys zu tun hat.

  • Story
Animation vom Start von SMILE und Entfaltung der Solarsegel
Video: European Space Agency - ESA

Am Centre Spatial Guyanais, dem europäischen Weltraumhafen in Französisch-Guayana (Südamerika), sind alle auf ihren Positionen parat. Das 2.3 Tonnen leichte Raumfahrzeug SMILE, davon 1.6 Tonnen Treibstoff, wird im Zeitfenster vom 8. April bis 7. Mai 2026 gestartet. Seine finale Destination ist der Orbit, wo SMILE jeweils in jeweils rund 48 Stunden die Erde in elliptischer Form umrundet.

Wenn die Trägerrakete zündet, haben die beteiligten Forschenden der Hochschule für Informatik FHNW und der Hochschule für Technik und Umwelt FHNW viel Grund zum Feiern. FHNW-Projektleiter und Astrophysiker Prof. Dr. Säm Krucker (Hochschule für Informatik FHNW) erlebt in seiner Karriere schon den vierten Launch. Routine ist es aber keine.

«Der Start von SMILE ist für uns alle ein Highlight, auch wenn unsere Arbeit einiges vorher mit der Abgabe unserer Komponenten und Software endete.»
Säm Krucker, SMILE-Projektleiter an der FHNW
Man sieht wie die SMILE-Sonde über der Erde das Magnetfeld misst, links sieht man die Sonne. Sonnenwinde sind duch gelbe Linien von der Sonne zur Erde gekennzeichnet. Um die Erde ist ein blaues Magnetfeld.
Künstlerische Illustration der SMILE-Mission
Bild: European Space Agency – ESA (CC BY-SA 3.0 IGO)

SMILE steht für «Solar wind Magnetosphere Ionosphere Link Explorer» und ist eine Weltraummission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS).

Das Ziel der Mission ist, das Weltraumwetter besser zu verstehen, um präzisere Voraussagen machen zu können. Das Wetter im All wird bestimmt durch Sonnenwinde und sogar -stürme, die das Erdmagnetfeld, also die Schutzhülle um die Erde, dynamisch verändern können. Dies wiederum kann satellitengestützte Infrastruktur wie GPS beeinträchtigen. «Sonnenstürme könnten auch unseren Handyempfang stören und Kraftwerke stilllegen. Um die Physik des Weltraums besser zu verstehen, wurde die Mission SMILE lanciert», erklärt Säm Krucker die Relevanz der Mission.

Zwar untersuchten auch in der Vergangenheit Raumsonden die Auswirkungen des Sonnenwinds auf den magnetischen Schutzschild der Erde, aber immer nur in Ausschnitten. Punktmessungen lieferten Einblicke in das Geschehen an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt. Es war ein Mosaik ohne Gesamtbild.

Das Teleskop ist ein schwarzes Trapez. Der Radiator unterhalb ist eine weisse Fläche um die viele Kabel Laufen
Das Röntgenteleskop SXI (Soft X-ray Imager) ist das grösste, wichtigste und technisch anspruchsvollste auf SMILE
Bild: European Space Agency – ESA

FHNW-Expertise im anspruchsvollsten Teleskop der Mission

SMILE kann es besser: Dank seiner Positionierung weit weg von der Erde und den besonderen «Augen» hat SMILE den Überblick über das Weltraumwetter. SMILE wird erstmals Aufnahmen liefern, welche die Verformung des Erdmagnetfelds durch Sonnenstürme zeigen.

SXI ist eine Weltraumkamera, die mithilfe von Weitwinkel‑Messsystemen den magnetischen Schutzschild der Erde in Röntgenbildern abbildet. Die Herausforderung, so Säm Krucker, war die Gewinnung wissenschaftlich verwertbarer Daten. Er beschreibt das Problem in einfachen Worten: «Das Teleskop sieht viel, aber nicht scharf, und alles vor einem hellen Hintergrund.» Die Aufgabe Säm Kruckers und des Teams an der Hochschule für Informatik FHNW bestand darin, mit Hilfe von maschinellem Lernen und KI entscheidende Strukturen sichtbar zu machen. Diese Expertise wurde in mehreren Space-Projekten über die letzten zwanzig Jahren verfeinert, u.a. beim Röntgenteleskop Stix (ESA-Sonde Solar Orbiter).

Ein Mann in Schutzkleidung verlegt Kupferkabel auf einer Stahlplatte, die später der Radiator ist.
Der Radiator leitet effizient die Wärme der Sonne ab
Bild: Hochschule für Technik und Umwelt FHNW

Kühlen, kühlen, kühlen

Ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt an der FHNW betraf das Kühlsystem des SXI-Röntgenteleskops unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Peter Gröbelbauer (Hochschule für Technik und Umwelt FHNW).

Zentraler Teil dieses Kühlsystems ist ein unscheinbar wirkendes, rechteckiges Panel von etwa 30 x 40 Zentimetern Grösse. Dieser sog. Radiator verrichtet indes Schwerstarbeit. Er ist auf der Sonne abgewandten Seite des Teleskops montiert und zeigt in Richtung des kalten Weltraums. Der Radiator kann daher effizient Wärme abführen und ist mit Kupferleitungen mit den Detektoren verbunden, also den Komponenten, die die gesammelten Röntgenstrahlen in auswertbare Signale übersetzen. «Damit SXI einwandfrei funktioniert, muss der Radiator die beiden Detektoren über den ganzen Orbit zuverlässig auf ihre ideale Betriebstemperatur von -110°C kühlen», erläutert Gröbelbauer.

Drei Männer in Laborkitteln mit Schutzhandschuhen, Atemmasken, Haarhauben arbeiten an einem technischen Gerät
Installation der Radiator-Transportvorrichtung nach erfolgreichem Abschluss des Vibrationstests. Von links: Florian Wirz, Hans-Peter Gröbelbauer und Olivier Studer (rechts)
Bild: Hochschule für Technik und Umwelt FHNW

Bei der Entwicklung des Radiators in Leichtbauweise, der nicht nur projekt-spezifische thermische und mechanische Anforderungen, sondern auch die allgemeinen europäischen Raumfahrtnormen erfüllen muss konnte Gröbelbauer auf eine umfangreiche Erfahrung aus früheren Missionen zurückgreifen. Dieses Fachwissen ist auch in zwei der bedeutendsten ESA-Projekte der nahen Zukunft gefragt: Envision zur Exploration der Venus, sowie ARRAKIHS, wo es um die Erforschung dunkler Materie sowie die Entstehung von Galaxien im kleinen Massstab geht.

Nicht ohne die Studierenden 

Bei Raumfahrt-Projekten vergeben die Hochschule für Informatik FHNW und die Hochschule für Technik und Umwelt FHNW regelmässig Themen für Bachelor- und Masterarbeiten. Florian Wirz war einer von insgesamt neun Master-Studierenden im Projekt SMILE. Der Maschinenbauingenieur arbeitete drei Jahre lang an Berechnungen, Konstruktion und Tests des Radiators. Die Tests – in den eigenen Labors der Hochschule für Technik und Umwelt FHNW durchgeführt – simulieren die extremen Vibrationen beim Start und die Schocklasten beim Absprengen von Antriebsstufen.

«Ein echtes Highlight waren die Tests, weil sie eindrücklich zeigten, was bald wirklich passiert.»
Florian Wirz, Master-Studierender im Projekt SMILE

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