Was macht die Sonnenfinsternis vom 12. August so besonders? Warum es sich lohnt, das seltene Spektakel im Raum Nordwestschweiz zu beobachten, erklärt Astrophysiker und FHNW-Dozent Prof. Dr. Säm Krucker im Q&A.
Infos zur Sonnenfinsternis am 12.8.2026
Worauf freuen Sie sich persönlich, wenn Sie an die kommende Sonnenfinsternis denken, Prof. Dr. Säm Krucker?
Säm Krucker: Eine Sonnenfinsternis ist ein sehr besonderer Moment. Plötzlich verhält sich die Natur auf seltsame Weise. Dinge, die wir im Normalfall nicht beachten, verändern sich und versetzen uns in Erstaunen. Die Vögel hören zum Beispiel auf zu singen. Im Wald zeigt sich ein ausserdem ein aussergewöhnliches optisches Phänomen. Die kleinen Zwischenräume zwischen den Blättern, die normalerweise helle Lichtflecken auf den Boden werfen, funktionieren wie kleine Lochkameras und projizieren tausendfach das sichelförmige Bild der Sonnenfinsternis auf den Boden. Das wird faszinierend.
Eine Sonnenfinsternis ist aber immer eine Frage der Perspektive. Es gibt jederzeit Sonnenfinsternisse irgendwo hinter dem Mond. Das Spezielle am 12. August ist, dass die Erde zumindest an einigen Orten im Mondschatten liegt.

Wichtig: Augen schützen!
Auch bei einer Sonnenfinsternis blendet die Sonne stark. Schauen Sie daher nie mit blossen Augen in die Sonne, sondern verwenden Sie eine zertifizierte Sonnenschutzbrille.
Erklären Sie uns bitte in einfachen Worten, was am 12. August passiert.
Am Abend des 12. August schiebt sich der Mond vor die Sonne. Zu sehen gibt es, genau genommen, eine partielle Sonnenfinsternis. In der Schweiz wird eine Abdeckung der Sonne von maximal 93 Prozent erreicht. Bei uns in der Schweiz geschieht das ziemlich spät, fast zeitgleich mit dem Sonnenuntergang. Wie oft haben wir schon die Gelegenheit, einen Sonnenuntergang mit einer nur noch sichelförmigen Sonne zu beobachten? Ein vergleichbares Spektakel in der Schweiz gab es zuletzt am 11. August 1999. Eine so ausgeprägte partielle Sonnenfinsternis wird es bei uns erst wieder am 13. Juli 2075 geben.
Was sieht man im Aargau oder generell in der Nordwestschweiz?
Weil es spät am Tag ist, steht die Sonne bereits sehr tief. Man braucht deshalb einen freien Blick zum Horizont, in Richtung Nordwesten zum Sonnenuntergang. Es reicht nicht aus, sich auf einen Hügel zu begeben. Auch die Sichtrichtung muss stimmen. Gute Orte dafür sind zum Beispiel die Sternwarte Schafmatt in der Nähe von Aarau oder ein hoher Standort mit freiem Blick, zum Beispiel auf einem Turm und einer flachen Umgebung. Wichtig: Auch eine fast verdeckte Sonne blendet noch stark. Es ist unabdingbar, nur mit einer zertifizierten Sonnenfinsternisbrille direkt in die Sonne zu schauen. Bitte unter keinen Umständen mit blossem Auge oder durch ein normales Fernglas schauen!
Wohin sollte man idealerweise reisen für das schönste Erlebnis?
In der Schweiz werden wir wie gesagt nur eine partielle Sonnenfinsternis erleben. Die Sonne wird zu rund 88 bis 93 Prozent bedeckt, je nach Region. Die grösste Sonnenabdeckung werden wir im Wallis erleben. Für eine totale Sonnenfinsternis, bei der die Sonne komplett verschwindet, müsste man weiter reisen: Die Zone der Totalität verläuft an diesem Abend über Island, die Iberische Halbinsel und die Balearen. Aber auch bei uns lohnt es sich, genau zu beobachten: Weil die Sonne so stark abgedeckt wird, kann man interessante Schattenspiele beobachten – zum Beispiel die erwähnten Lochkamera-Effekte im Wald.
Wo werden Sie persönlich die Sonnenfinsternis mitverfolgen?
Mein Wetterglück bei einer Sonnenfinsternis war bisher sehr bescheiden. Meistens war es bewölkt oder es hat sogar geregnet. Deshalb warte ich ab und plane erst am Vorabend. Ist der Himmel unbedeckt, überlege ich mir eine Fahrt an meinen Lieblingsort für Sonnenuntergänge.
Die Sonne spielt auch in der Forschung und der Lehre an der Hochschule für Informatik FHNW eine grosse Rolle. Was sind die Projekte und Schwerpunkte?
Wir hatten das Privileg, unser Knowhow beim Bau mehrerer Weltraumteleskope einzubringen. SMILE ist gerade erst gestartet und beobachtet die Magnetosphäre, also unseren Schutzschild gegen den Sonnenwind. Solar Orbiter war dabei unser Zugpferd: Er beobachtet die Röntgenstrahlung der Sonne, die bei Sonneneruptionen entsteht. Beide Missionen helfen uns, besser zu verstehen, wie die Sonne unsere Satelliteninfrastruktur beeinflusst. Das ist deshalb wichtig, weil dabei GPS, der Flugverkehr und die Kommunikation gestört werden können.

Die Sonnenseite der FHNW
Der Bereich Astroinformatik und Space Science der Hochschule für Informatik FHNW verbindet Datenwissenschaft und Weltraumforschung. Durch die Mitarbeit in zahlreichen internationalen Projekten verfügt die FHNW über breites Know-How im Bereich Raumfahrt.
Zur Person
Prof. Dr. Samuel Krucker hat nach der Kantonsschule in Baden an der ETH Zürich Astrophysik studiert und promoviert. Er ist seit 2010 an der FHNW und am Space Sciences Laboratory der University of California, Berkeley (USA) tätig. An der FHNW ist Säm Krucker ausserdem Dozent am Institut für Data Science (Hochschule für Informatik FHNW).

Prof. Dr. Samuel Krucker
- Telefon
- +41 56 202 77 04 (Direkt)
- samuel.krucker@fhnw.ch
