Bevor Sie einen Verlagsvertrag unterschreiben, sollten Sie gründlich abklären, ob die Publikation seriös ist und Ihre Rechte geschützt sind.
Qualität und Reputation von Verlagen
Mit dem Aufkommen der verschiedenen Open-Access-Publikationsmodelle und neuer Open-Access-Zeitschriften treten auch unseriöse Zeitschriften auf den Publikationsmarkt. Sogenannte «Predatory Journals» oder «Raubverlage» fordern Publikationsgebühren für redaktionelle Leistungen ein, welche sie nicht oder nur in minderer Qualität erbringen. Ihr Geschäftsmodell zielt primär auf finanzielle Einnahmen statt auf wissenschaftliche Qualität und transparente Begutachtungsverfahren ab. Diese zweifelhaften Geschäftspraktiken schaden nicht nur den Autor:innen, sondern der gesamten wissenschaftlichen Publikationslandschaft.
Wie prüfe ich die Qualität eines Verlages?
Es ist zu beachten, dass nicht jede Zeitschrift oder jeder Verlag mit Qualitätsmängeln automatisch ein Raubverlag ist. Gerade neue oder kleinere Publikationsangebote verfügen teilweise noch nicht über etablierte Strukturen, professionelle Redaktionen oder umfassende Ressourcen. Auch wenn hier keine absichtliche Täuschung vorliegt, können unzureichende Qualitätsstandards, fehlendes Peer Review oder mangelhafte Transparenz dennoch problematisch sein und die Orientierung erschweren.
Kriterien zur Bewertung der Qualität von Verlagen finden Sie in der Checkliste Think. Check. Submit.
Auch ein Abgleich mit folgenden Quellen kann Sicherheit geben:
Betrügerische Absichten
Zunehmend problematisch sind sogenannte Paper Mills. Dabei handelt es sich um kommerzielle Anbieter, die gegen Bezahlung komplette wissenschaftliche Arbeiten oder einzelne Bestandteile (z.B. Datensätze, Abbildungen, Texte, fingierte Peer Reviews) erstellen oder manipulieren. Solche Publikationen enthalten häufig erfundene oder stark verfälschte Daten und untergraben die wissenschaftliche Integrität erheblich.
Dieses Phänomen hat in den letzten Jahren aufgrund der technischen Entwicklungen deutlich zugenommen. Automatisierte Textproduktion, generative KI, Bildmanipulation und leicht zugängliche Publikationsplattformen ermöglichen es, scheinbar glaubwürdige, aber inhaltlich wertlose oder gefälschte Arbeiten schneller und in größerem Umfang zu erzeugen. Dadurch wird es schwieriger, seriöse von unseriösen Angeboten zu unterscheiden.
Folgende Warnsignale können ein Hinweis auf Paper Mills oder manipulierte Arbeiten sein und auf betrügerische Absichten hindeuten:
Inhalt
- Datensätze wirken unrealistisch glatt oder statistisch "zu perfekt"
- Ergebnisse sind nicht nachvollziehbar oder Methodik bleibt vage
- Widersprüche zwischen Text, Tabellen und Abbildungen
- Gleiche Bilder/Diagramme tauchen in mehreren Artikeln wieder auf
- Ungewöhnliche oder generische Formulierungen, inhaltlich leerer Text
- Auffällig ähnliche Struktur oder Wortwahl über mehrere Artikel hinweg
Autor:innen und Einreichungsprozess
- Identische, wiederkehrende Autor:innenkombinationen bei unterschiedlichen Themen
- Unklare oder nicht überprüfbare institutionelle Zugehörigkeit
- Sehr viele Publikationen in kurzer Zeit
- Kontakt nur über private E-Mail-Adressen
Journal oder Verlag
- Extrem kurze Begutachtungszeit
- Fehlende oder intransparente Review-Prozesse
- Hohe Publikationsgebühren ohne erkennbare redaktionelle Qualität
- Aggressive Einladungen per E-Mail
- Journal in der Community nicht bekannt/nicht in bekannten Verzeichnissen gelistet
Verlagsvertrag und Rights Retention
Bevor Sie einen Vertrag mit einem Verlag unterschreiben, klären Sie Ihre Rechte als Urheber:in ab und achten Sie darauf, dass Sie die Rechte an Ihren Texten nicht exklusiv und zeitlich unbeschränkt an den Verlag abtreten.
Rights Retention Strategy
Die Rights Retention Strategy (RRS) ist ein Mechanismus, der Forschenden ermöglicht, zentrale Nutzungsrechte an ihren wissenschaftlichen Publikationen zu behalten, insbesondere das Recht auf Zweitveröffentlichung. Die Strategie wurde von Mitgliedern der cOAlition S entwickelt, einer Allianz bedeutender Forschungsförderer, zu denen auch der Schweizerische Nationalfonds (SNF) gehört.
Warum ist Rights Retention wichtig?
Viele wissenschaftliche Verlage verlangen im Rahmen des Publikationsprozesses, dass Autor:innen ihre Urheberrechte ganz oder teilweise an sie übertragen. Häufig werden den Verlagen im Verlagsvertrag exklusive Nutzungsrechte eingeräumt, die es den Publizierenden später verbieten würden, die eigene Arbeit an einem anderen Ort zugänglich zu machen – etwa in einem institutionellen Repositorium.
An diesem Punkt setzt die Rights Retention Strategy an, indem Autor:innen sich ihre Rechte so weit vorbehalten, dass eine Zweitveröffentlichung an einem anderen Ort möglich ist. Meist betrifft dies das Recht, das Author Accepted Manuscript (AAM) unter einer offenen Lizenz zu veröffentlichen.
Wie funktioniert die Strategie?
Rückwirkende Anpassung des Verlagsvertrages
Der Verlagsvertrag wird rückwirkend angepasst, indem das AAM von den Vertragsbedingungen ausgeschlossen wird oder die Absätze, die eine exklusive Rechteübertragung verlangen, ganz oder teilweise angepasst werden.
Addendum beifügen
Bei der Unterzeichnung wird dem Verlagsvertrag ein Addendum beigefügt. Autor:innen können dem Vertrag einen Zusatz beifügen, der die Hinterlegung der Publikation auf dem Repository oder einem Dokumentenserver regelt. Das Addendum muss vom Verlag gegengezeichnet werden. Eine Vorlage dazu kann online erstellt werden.
Rights Retention Statement bei der Einreichung
Autor:innen machen bereits bei der ersten Einreichung des Manuskripts auf die Bedingungen der Forschungsförderer aufmerksam. In einer Fussnote wird festgehalten, dass sie das akzeptierte Manuskript ohne Sperrfrist mit einer CC-BY-Lizenz veröffentlichen möchten.
Der SNF unterstützt Autor:innen bei diesem Vorgehen und stellt eine Vorlage zur Verfügung: "Diese Forschung wurde ganz oder teilweise durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) [Beitragsnummer] gefördert. Zur Umsetzung von Open Access wird eine CC-BY-Lizenz (Creative Commons Attribution) auf jedes Author’s Accepted Manuscript angewendet, das aus dieser Einreichung hervorgeht."
Creative-Commons-Lizenzen
Als Urheber:innen von wissenschaftlichen und künstlerischen Werken können Sie mit den Creative-Commons-Lizenzen (kurz CC-Lizenzen) selbst bestimmen, unter welchen rechtlichen Bedingungen Ihre Werke veröffentlicht, weiterverbreitet und verwendet werden dürfen. Dies unter der Voraussetzung, dass Sie als Urheber:in die ausschliesslichen Nutzungsrechte an niemand anderen übertragen haben. Bei diesen Lizenzen handelt es sich um ein globales und einheitliches System, das in vielen Sprachen erhältlich ist. Verschiedene Symbole visualisieren die Lizenzen und erklären, welche Bedingungen bei der Weiterverwendung zu beachten sind. Sie sind daher auch ohne juristische Kenntnisse für die Nutzer:innen leicht verständlich.
Die CC-Lizenzen funktionieren wie ein Baukastensystem. Die Lizenzbedingungen können miteinander kombiniert werden, so dass sich insgesamt eine Auswahl von sechs verschiedenen Lizenzen ergibt. Je nach Kombination, kann eine offene oder restriktive Verwendung der Inhalte erlaubt werden.
Forschungsförderer und Hochschulen empfehlen, eine möglichst offene Lizenz wie beispielsweise CC BY (Urheber:in muss genannt werden) zu verwenden.