Wer Forschungsergebnisse wirkungsvoll teilen möchte, profitiert davon, Publikation und Kommunikation der Forschungsergebnisse frühzeitig mitzudenken.
Das Flowchart (PDF, 94 KB) unterstützt bei der Entscheidung über geeignete Publikationswege, während die Checkliste hilft, zentrale Aspekte der Publikations- und Kommunikationsplanung systematisch mitzudenken – von sensiblen Inhalten über disziplinäre Normen bis hin zu Sichtbarkeit und Zeitplanung. Ziel ist keine starre Strategie, sondern eine reflektierte Orientierung, die Forschende dabei unterstützt, ihre Ergebnisse wirksam und verantwortungsvoll zu veröffentlichen.
Publikations- und Kommunikationsplanung
Reifegrad prüfen
- wann sind die Ergebnisse der Forschung (voraussichtlich) publikationsbereit
- welche Zielgruppen sollen erreicht werden
Sensible oder eingeschränkte Inhalte identifizieren
- patentierbare Ergebnisse
- personenbezogene oder vertrauliche Daten
- proprietäre Partnerdaten
- ethische Einschränkungen
- rechtliche Risiken
Feedback-Schleifen nutzen
- schützenswerte Inhalte vorab identifizieren und von Feedback ausschliessen
- Zwischenergebnisse ggf. in Workshops / auf Tagungen präsentieren
- kollegiale Reviews oder Lab-Meetings einholen
Negative / nicht-signifikante Ergebnisse mitdenken
- Null-Ergebnisse dokumentieren
- Daten/Methoden zumindest in einem Repository verfügbar machen
Sichtbarkeit und Impact planen
- Registered Reports oder Pre-Prints zur frühen Sichtbarkeit erwägen
- Veröffentlichung auf relevante Zeitpunkte abstimmen (Konferenzen, Calls, Themenzyklen)
- Kommunikationsmassnahmen parallel planen (Presse, Social Media, Newsletter)
- ORCiD / Repositorien / Preprints zur Auffindbarkeit nutzen
Disziplinäre Publikationsnormen beachten
- übliche Formate im Fach identifizieren (Journal, Preprint, Monographie, Proceedings)
- geeignete Journals recherchieren
- Review-Zyklen und Erscheinungsrhythmen kennen
- alternative Publikationsformen (Wissenschaftsblog, Social Media, etc.) erwägen
Karriere- und Förderfristen berücksichtigen
- Bewerbungen / Tenure / Evaluationstermine
- Deadlines für Förderberichte oder Projektabschluss beachten
- Publikationen rechtzeitig einplanen (Peer-Review dauert oft 3-12 Monate)
Förder- und Vertragsbedingungen prüfen
- Open-Access-Option prüfen
- Embargofristen kennen
- Datenmanagementplan berücksichtigen
- Kooperationsverträge prüfen
Publikation der Forschungsdaten planen
- Daten vorbereiten (Dokumentation / Metadaten)
- FAIR-Prinzipien beachten
- Lizenzen klären
- geeignetes Repositorium auswählen
- Ressourcen / Zeit für Veröffentlichung einplanen
- Empfehlungen und Hilfestellungen des Forschungssupports lesen
Zeitliche Gesamtplanung
- Publikationsmeilensteine definieren (Publikationen priorisieren und zeitlich einordnen)
- finanzielle Ressourcen für Publikationen und Kommunikation einplanen
- Puffer für Peer-Review und Revisionen einrechnen
- Verantwortlichkeiten verteilen
Glossar
Preprints
Preprints ermöglichen es Forschung frühzeitig sichtbar machen. Sie sind vorläufige Versionen wissenschaftlicher Artikel, die den Peer-Review Prozess noch nicht durchlaufen haben. Sie werden frei zugänglich auf spezialisierten Preprint‑Servern veröffentlicht und ermöglichen einen schnellen, offenen Austausch von Forschungsergebnissen. Forschende behalten dabei das Urheberrecht und können ihre Arbeit unmittelbar zitierfähig machen.
Vorteile von Preprints:
- Schnelle Sichtbarkeit: Ergebnisse stehen sofort weltweit zur Verfügung – ohne Wartezeit im Begutachtungsprozess.
- Priorität sichern: Ein Preprint dokumentiert Ideen und Ergebnisse mit einem eindeutigen "Datumsstempel".
- Offenes Feedback: Preprints ermöglichen Rückmeldungen aus einer breiten wissenschaftlichen Community, noch bevor ein Journal die formale Begutachtung durchführt.
- Karrierevorteile: Gerade für Nachwuchsforschende bieten Prepreints einen Vorteil: Sie machen Forschungsaktivität nachweisbar und können in Bewerbungen, Förderanträgen oder CVs ausgewiesen werden.
- Alternative oder Ergänzung zum Journal: Auch Arbeiten, die nicht klassisch publiziert werden, können über Preprints sichtbar werden.
Was ist zu beachten?
- Preprints durchlaufen kein Peer-Review. Die wissenschaftliche Qualität muss daher kritisch geprüft werden.
- Inhaltlich fragwürdige oder unvollständige Studien können schneller verbreitet werden, weshalb ein kritischer und verantwortungsvoller Umgang wichtig ist.
- Nicht alle Verlage akzeptieren Manuskripte, die zuvor als Preprint veröffentlicht wurden.
Registered Reports
Registered Reports sind ein Publikationsformat in der Wissenschaft, bei dem Studienprotokoll und Forschungsplan vor der Datenerhebung begutachtet und akzeptiert werden. Die Entscheidung zur Veröffentlichung hängt nicht vom Ergebnis, sondern von der Qualität der Fragestellung und Methodik ab.
- Normalerweise werden nur "signifikante" Ergebnisse veröffentlicht.
- Registered Reports publizieren auch nicht-siginifikante Resultate.
Für welche Disziplinen sind Registered Reports besonders geeignet?
- Psychologie
- Medizin / klinische Studien
- Sozialwissenschaften
- Neurowissenschaften
- zunehmend auch Data Science
