Menschen lassen sich nicht nach Rezept motivieren, führen oder verändern. Dr. Janna Küllenberg, Programmleiterin des neuen CAS Menschen in Organisationen der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW, erklärt, warum psychologisches Verständnis oft wirksamer ist als einfache Führungsrezepte und wie Organisationen die Entwicklung und Potenziale von Menschen und Teams gezielt stärken können.
Teil 1: Verstehen – Was Mitarbeitende motiviert
Was wissen wir aus der aktuellen psychologischen Forschung darüber, was Menschen im Arbeitskontext motiviert und wo weicht das von gängigen Annahmen ab?
Menschen werden nicht allein durch Geld, Druck oder Belohnungen motiviert. Besonders wichtig sind das Erleben von Selbstbestimmung, Kompetenz und sozialer Zugehörigkeit. Wer versteht, wofür eine Aufgabe wichtig ist, eigene Handlungsspielräume erlebt und sich wirksam fühlt, engagiert sich eher nachhaltig.
Eine verbreitete Fehlannahme ist daher, dass Führung Menschen von aussen motivieren müsse. Oft geht es vielmehr darum, Bedingungen zu schaffen, unter denen Motivation entstehen und erhalten bleiben kann.

Aktuelle Forschung verbindet die Befriedigung dieser psychologischen Grundbedürfnisse und selbstbestimmte Motivation mit Engagement, Zufriedenheit und Leistung. Genau hier setzt das neue CAS Menschen in Organisationen: verstehen, stärken, coachen an: Es stärkt die Fähigkeit, diese Bedürfnisse bei sich selbst zu erkennen und im eigenen Führungsalltag gezielt Bedingungen dafür zu schaffen.
Berufseinstieg, Familienphase, Karrierewechsel, unterschiedliche Persönlichkeiten und Arbeitsweisen: Menschen bringen ganz verschiedene Voraussetzungen mit in ihren Arbeitsalltag. Wie gelingt es uns, diesen Unterschieden gerecht zu werden, ohne Menschen vorschnell in Schubladen zu stecken?
Wer andere begleiten, entwickeln oder unterstützen möchte, braucht deshalb weniger einfache Rezepte als die Fähigkeit, Unterschiede zu verstehen und Potenziale zu erkennen.
Dazu gehört auch, Potenziale dort zu erkennen, wo sie nicht sofort sichtbar sind. Entscheidend ist nicht, alle gleich zu behandeln, sondern herauszufinden, was einzelne Personen brauchen, um ihre Fähigkeiten bestmöglich einzubringen.
Genau diese Kompetenzen stehen im Mittelpunkt unserer neuen Weiterbildung CAS Menschen in Organisationen: verstehen, stärken, coachen.
Teil 2: Stärken – Potenziale erkennen, Verantwortung übergeben
Wie erkenne ich Potenziale bei Mitarbeitenden, die sich selbst nicht in den Vordergrund stellen?
Nicht jede Stärke macht laut auf sich aufmerksam. Forschung zeigt, dass Selbstsicherheit und tatsächliche Kompetenz nicht immer dasselbe sind. Deshalb lohnt sich ein Perspektivwechsel: Statt zu fragen «Wer fällt besonders auf?», sollten wir fragen «Welche Kompetenzen brauchen wir eigentlich für diese Aufgabe?». Geht es um analytisches Denken, Verlässlichkeit, Empathie, Kreativität, sorgfältige Planung oder die Fähigkeit, andere einzubinden?
Potenzial entsteht dort, wo die Stärken eines Menschen zu den Anforderungen einer Aufgabe passen. Gute Führung bedeutet deshalb nicht nur, Talente zu erkennen, sondern auch die richtigen Menschen für die richtigen Aufgaben zu finden. Oft entdecken wir Potenziale erst dann, wenn wir Menschen die Gelegenheit geben, sie zu zeigen.
«Kannst du das für mich entscheiden?» Wie gehe ich mit Mitarbeitenden oder Arbeitskolleg*innen um, die Entscheidungen, die sie selbst treffen könnten, an mich delegieren?
Oft steckt hinter der Frage «Kannst du das für mich entscheiden?» entweder die Frage «Traue ich mir das zu?» oder «Darf ich das überhaupt entscheiden?»
Gute Zusammenarbeit bedeutet deshalb nicht nur, Menschen zu befähigen, sondern auch Verantwortlichkeiten und Entscheidungsspielräume klar zu machen. Erst wenn beides zusammenkommt, können Eigenständigkeit und Verantwortung entstehen.
Menschen wachsen selten daran, dass andere für sie entscheiden. Sie wachsen daran, dass ihnen Verantwortung zugetraut und übertragen wird.
Teil 3: Coachen – Bei sich selbst anfangen
Was verändert sich durch das CAS mit Blick auf sich selbst und auf die Menschen, mit denen wir arbeiten?
Gute Zusammenarbeit beginnt oft mit einem besseren Verständnis für sich selbst. Im CAS setzen sich die Teilnehmenden mit ihren eigenen Denk- und Verhaltensmustern auseinander und gewinnen gleichzeitig neue Perspektiven auf andere Menschen. Das hilft dabei, Unterschiede besser zu verstehen, Potenziale zu erkennen und Gespräche sowie Entwicklungsprozesse bewusster zu gestalten.
Welche Methoden und Werkzeuge vermittelt das neue CAS Menschen in Organisationen, damit Führungskräfte Mitarbeitende besser verstehen, stärken und coachen können?
Das CAS verbindet drei zentrale Themen:
- Menschen verstehen,
- Entwicklung fördern und
- professionell begleiten.
Die Teilnehmenden lernen, was Menschen motiviert, wie Potenziale erkannt werden können und wie man Gespräche so führt, dass Eigenverantwortung und Entwicklung gestärkt werden. Dabei arbeiten wir mit konkreten Modellen, Reflexionswerkzeugen und Coachingmethoden, die direkt im Berufsalltag eingesetzt werden können.
Besonders wichtig ist uns die Verbindung von Wissenschaft und Praxis: Die Teilnehmenden lernen von einem erfahrenen und vielfältigen Dozierendenteam aus Psychologie, Führung, Coaching und Organisationsentwicklung und profitieren von unterschiedlichen Perspektiven auf die Arbeit mit Menschen.
Welche Kompetenzen bauen Teilnehmende in den sechs Monaten auf und wie wird das Gelernte in den eigenen Berufsalltag übertragen?
Die Teilnehmenden lernen, Menschen und ihr Verhalten im Arbeitskontext besser zu verstehen, Potenziale gezielter zu fördern und Gespräche wirksamer zu führen. Gleichzeitig stärken sie ihre eigene Reflexionsfähigkeit und entwickeln eine professionelle Coachinghaltung.
Besonders wichtig ist uns der Praxistransfer: Die Teilnehmenden arbeiten während des gesamten CAS an eigenen Fragestellungen aus ihrem Berufsalltag. So wird das Gelernte nicht nur verstanden, sondern direkt ausprobiert und angewendet. Der Austausch mit anderen Teilnehmenden und einem breit aufgestellten Dozierendenteam bringt dabei zusätzliche Perspektiven und neue Ideen für die eigene Praxis.
Nächster Start: 23. April 2027

