Resilienz ist in aller Munde. Einzelpersonen und Unternehmen investieren in Coaching, Achtsamkeitsprogramme und in den Aufbau und die Förderung von persönlicher Stärke. Das ist gut so, aber reichen Einzelmassnahmen aus?
Was Resilienz eigentlich bedeutet
Resilienz ist die Widerstandskraft um mit Widrigkeiten (Rückschlägen und Stressoren) im Alltag umzugehen. Sie besteht aus drei Komponenten:
- Resilienz-Kapazität: Ressourcen über die eine Person verfügt oder zu denen sie Zugang hat
- Resilienz-Mechanismen: Reaktionen, Erfahrungen und Verhaltensweisen, die eine Person bei Konfrontation mit Widrigkeiten erlebt und anwendet
- Resilienz-Demonstration: Aufrechterhalten oder Wiederherstellen von Wohlbefinden, Funktionieren oder Leistung trotz Widrigkeiten.
Resilienz im Arbeitsalltag
Resilienz wird in Organisationen zunehmend relevanter – und das aus konkreten Gründen wie beispielweise:
- hohes Veränderungstempo, das die Wahrscheinlichkeit, dass Widrigkeiten auftreten, erhöht
- Unsicherheit und Informationsüberflutung – E-Mail, Chat-Nachrichten, Notifcations piepen oft gleichzeitig – im Arbeitsalltag
- Aufweichen der Grenzen zwischen Privatleben und Arbeit
- gesteigerte Ergebnis- und Eigenverantwortung aufgrund höherer Flexibilität in Organisationen
All das erhöht den Druck auf Einzelpersonen und auf Teams. Viele Organisationen reagieren darauf mit Massnahmen zur Steigerung der persönlichen Resilienz. Das ist ein wichtiger Anfang, greift aber oft zu kurz, denn: Selbst wenn jede Person im Team resilient ist, läuft nicht automatisch alles rund.
Das gilt für beide Typen von Widrigkeiten, mit denen Teams konfrontiert werden:
Typ 1: SOS-Situationen
Plötzliche, akute Ereignisse wie ein Systemausfall, eine vorgezogene Deadline, ein Cyber-Angriff oder ein hitziger Streit im Team. Sie erfordern schnelles, koordiniertes Handeln.
Typ 2: Chronische Bedrohungen
Schleichende Belastungen wie konstanter Druck, Überlastung, gesundheitsvermindernde Arbeitsbedingungen oder ein angespanntes Teamklima. Sie zermürben langsam und werden oft zu spät erkannt.
Beide Typen haben eines gemeinsam: Sie treffen nicht nur Einzelpersonen, sondern das Team als Einheit. Wie ein Team auf Widrigkeiten reagiert, hängt deshalb nicht allein von der individuellen Resilienz der Teammitglieder ab, sondern davon, wie das Team als Ganzes funktioniert. Teamresilienz ist mehr als die Summe individueller Stärken. Sie entsteht aus gemeinsamen Strukturen, Beziehungen und Lernprozessen.
Die Faktoren der Teamresilienz
Die angewandte Forschung zeigt, dass Teamresilienz auf drei Ebenen entsteht:

Die erste Ebene sind die Team Mental Models. Ein gemeinsames Verständnis und Klarheit zu Zielen, Rollen und Entscheidungswegen.
Die zweite Ebene ist die Beziehungsqualität. Wie das Team kommuniziert, wie es sich gegenseitig unterstützt und wie es mit Konflikten umgeht.
Die dritte Ebene ist die Kontinuierliche Entwicklung. Teamreflexion, kollektives Lernen und Teamflexibilität.
Alle drei Ebenen zusammen erzeugen psychologische Sicherheit und damit die Voraussetzung dafür, dass die Leistungsfähigkeit des Teams und der Zusammenhalt auch in schwierigen Phasen erhalten bleiben.
Arbeit an Resilienz lohnt sich
Erste Erkenntnisse aus der Praxis zeigen: Teams, die gezielt an ihrer Resilienz arbeiten, berichten von Verbesserungen bei 8 von 9 gemessenen Faktoren.
Was die Beteiligten dabei überrascht: «Wir dachten, unser Team sei bereits gut. Dabei gab es Sachen, die nicht optimal gelaufen sind und die jetzt viel besser laufen.»Teamresilienz entsteht nicht in der Krise. Sie muss in ruhigeren Phasen aufgebaut werden, damit sich das Team dann, wenn es darauf ankommt, auf seine Kapazitäten und Ressourcen verlassen kann. Und selbst wenn das Gefühl überwiegt, dass alles gut läuft: Ein genauerer Blick auf die bildenden Faktoren lohnt sich. Denn Verbesserungen zeigen sich auch dort, wo man sie am wenigsten erwartet.

CAS Resilienz – Mensch, Team, Organisation
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