Dritter Nordwestschweizer Bildungstag, 7. November 2025

Der Dritte Nordwestschweizer Bildungstag stand unter dem Titel «Bildung Wozu? Perspektiven für Schule und Berufswelt 2040». Rund 130 Fachpersonen aus Schule, Hochschule, Verwaltung, Politik und Wirtschaft kamen am Campus Muttenz der Fachhochschule Nordwestschweiz zusammen. Der von der Pädagogischen Hochschule und den Trägerkantonen der FHNW gemeinsam ausgerichtete Tag bot den Teilnehmenden Anlass, um wichtige Zukunftsfragen des Bildungsraums Nordwestschweiz zu diskutieren. Moderiert von der Philosophin Barbara Bleisch, erstreckte sich das Programm auf eine erziehungswissenschaftliche Keynote, zwei Flashlights zur Berufsbildung, ein Podiumsgespräch und zahlreiche Workshops. Deren Gestaltung lag in den Händen von Expertinnen und Experten aus dem Bildungsraum Nordwestschweiz sowie von Gästen aus anderen Kantonen und des Bundes.

In seiner Begrüssung stellte Mustafa Atici als Vorsteher des Erziehungsdepartements des Kantons Basel-Stadt und als Vorsitzender des Regierungsausschusses der Trägerkantone heraus, dass Bildung eine wichtige Ressource für die wirtschaftliche Entwicklung darstelle, aber nicht minder wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Entfaltung der Persönlichkeit sei.

Roland Reichenbach (Universität Zürich) betonte in seiner Keynote, dass es gute Gründe gebe, Verheissungen des pädagogischen Fortschritts zu einer besseren Zukunft misstrauisch zu begegnen. Diese basierten nämlich auf überzogenen Annahmen zur Planbarkeit und Machbarkeit der Geschichte. In Fragen der Bildung sei das Suchen wichtiger als das Finden, weil alles Gefundene sich schnell als vorläufig oder sogar unwichtig erweisen werde. Bei der Unterstützung dieser Suchbewegungen seien pädagogische Tugenden wie Ermutigung, Geduld und Gelassenheit wesentlich, die das Selbstvertrauen und die Neugierde von Kindern und Jugendlichen stärken.

Zwei Flashlights boten Einblicke in aktuelle Entwicklungen und innovative Ansätze der betrieblichen Berufsbildung: Fabienne Stähelin von der der Baloise Group betonte, dass sich aufgrund des sozialen und technologischen Wandels die Aufgabe für die Berufsbildung stelle, weit stärker als bisher auf die individuelle und flexible Entfaltung menschlicher Potenziale zu setzen.

Am Beispiel der Endress+Hauser Flowtec AG zeigte Ralf Martin, wie ein weltweit tätiges Familienunternehmen traditionelle Stärken der dualen Berufsbildung mit Formaten der Weiterqualifikation so verknüpft, dass der Betrieb zu einem wichtigen Ort des lebenslangen Lernens wird.

In den Workshops hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, aktuelle Herausforderungen und zukunftweisende Strategien vertieft zu diskutieren: Die Angebote erstreckten sich von verschiedenen Reformprojekten im Bereich der beruflichen Bildung über Aspekte der Kooperation und Partizipation im Bildungssystem bis hin zur Einladung, Schule und Bildung neu und anders zu denken.

Ein Podiumsgespräch rundete den Austausch ab: Hier kamen die Aargauer Bildungsdirektorin Martina Bircher, Martin Dätwyler als Direktor der Handelskammer beider Basel, Fabian Kammer als Repräsentant der Lehrpersonen an Berufsfachschulen sowie Bettina Tschäppät als Schulleiterin auf der Sekundarstufe I zu Wort. Sie erörterten aus verschiedenen Blickwinkeln Ansätze guter Bildungspraxis und benannten Gesichtspunkte, um Angebote der Allgemein- und Berufsbildung konstruktiv auf die Zukunft auszurichten.

Beim Nordwestschweizer Bildungstag kam das Verhältnis von Schule und Berufswelt 2040 in einem umfassenden Sinn zur Sprache. Dabei wurde nicht nur die Rolle verschiedener Schulstufen und Schultypen beim Mitgestalten der Berufswelt der Zukunft beleuchtet, sondern auch verdeutlicht, dass Bildung nicht ausschliesslich eine Aufgabe der Schule ist. Vielmehr leisten viele gesellschaftliche Kräfte und Gruppen durch sehr wertvolle Angebote zur Kultur des Lernens in einer demokratischen Wissensgesellschaft einen wichtigen Beitrag, namentlich auch im Bereich der betrieblichen Aus- und Weiterbildung.

Sowohl im Plenum als auch in den Workshops wurde in vielen Inputs und Diskussionsbeiträgen der Obertitel «Bildung Wozu?» nachdrücklich aufgegriffen und betont, dass die Schule nicht auf die Aufgabe eines wirtschaftlichen Faktors reduziert werden dürfe. Denn sie sei auch unabdingbar dafür zuständig, demokratische Werte zu vermitteln, kulturelle Perspektiven zu erweitern, zum sozialen Zusammenhalt beizutragen, und den Kindern und Jugendlichen dazu zu verhelfen ihren jeweils eigenen individuellen Lebensweg zu gestalten. Der Anlass bot die Gelegenheit, durch die Begegnung verschiedener Anspruchsgruppen den eigenen Horizont zu erweitern; als gemeinsamer Nenner zeichnete sich ein Plädoyer für ganzheitlich ausgerichtete Bildungsangebote ab, die einen Tunnelblick auf verwertbare Kompetenzen vermeiden und die Wichtigkeit allseitigen Lernens betonen.

Zum Abschluss dankte Guido McCombie als Direktor der PH FHNW für die vielen interessanten und informativen Beiträge und Wortmeldungen. In der Fortsetzung der Nordwestschweizer Bildungstage von 2021 und 2023 habe der aktuelle Anlass bestätigt, wie wertvoll der Dialog verschiedener Anspruchsgruppen im Bildungsraum Nordwestschweiz sei. Erfreulich sei eine Kultur des Austausches, bei der auf plakative Formeln verzichtet wird und stattdessen der «Wirklichkeitssinn» pädagogischen Handelns durch umsichtige Argumentation gestärkt werde. Es bleibe eine höchst anspruchsvolle Aufgabe, Kinder und Jugendliche darin zu unterstützen, in Bildungsprozessen ihr individuelles Profil zu finden. Zur Bewältigung dieser Aufgabe trage bei, dass am NW-Bildungstag nicht nur über pädagogische Tugenden geredet werde, sondern diese Tugenden auch im Miteinander praktiziert werden: Geduld und Heiterkeit ebenso wie Leidenschaft und Zuversicht.

Im Rahmen des Tagungsfeedbacks ergibt sich eine positive Bilanz, wobei 54 von den 133 Anwesenden ein Votum abgegeben haben (Rücklauf 40,6 %). Nahezu einhellig wurde das Programm als inhaltlich ansprechend beurteilt (39 % stimmten hier vollkommen, 57 % tendenziell zu). Dass der Anlass gut organisiert war, bejahten 72 % der Befragten vollkommen und 28 % tendenziell. Im Hinblick auf die Zukunft sehen 57 % die Durchführung von weiteren Nordwestschweizer Bildungstagen als sehr sinnvoll und 39 % als sinnvoll an.
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Prof. Dr. Carsten Quesel
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