Mit Fachpersonen aus dem Frühbereich eruieren Zyklus-1-Verantwortliche Möglichkeiten gemeinsamer Unterstützungsformen.
Mit dem early childhood lab – kurz echoo lab – ist am Institut Kindergarten-/Unterstufe (IKU) der PH FHNW ein Entwicklungs- und Denkraum entstanden, in dem der Austausch zwischen Fachpersonen aus dem Frühbereich und aus dem Zyklus 1 gefördert werden soll. Am ersten Anlass «IKU im Dialog» standen Figuren und ihr Potenzial im Fokus.
Text: Marc Fischer. Fotos: Janine Andreotti (Header-Foto), Marc Fischer (Foto unten)
Susi übernimmt die Begrüssung. Die gelb-rote Plüschschlange spricht mit zischendem S und zischender Berliner Schnauze. Im weiteren Verlauf des Anlasses «IKU im Dialog» haben auch Esel Emil, Uhu Schuhu, Frank der Fuchs, Bert der Bär oder Eisbärin Lisa ihren Auftritt. Die Hand- und Figurenpuppen werden gespielt von Janine Andreotti und Petra Hofmann. Beide sind als Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am IKU tätig. Andreotti unterrichtet daneben im Zyklus 1, Hofmann ist als Schauspielerin und Bauchrednerin oft an Schulen im Einsatz.
Andreotti und Hofmann zeigen anschaulich, welches Potenzial die Figuren in Spielgruppen, Kitas, Kindergarten oder Schule haben. Sie eröffnen einen spielerischen Zugang zu Themen, schaffen Nähe und ermöglichen es Kindern über Gefühle, Gedanken und Fragen zu sprechen. Sie regen die Motivation und die Kreativität an und fördern das Klima in der Gruppe oder Klasse.
Was tun, wenn der Fuchs alle Guetsli isst?
Schlange Susi etwa kann glaubhaft fragen, wie viel 3 plus 3 ist. «Wenn du das fragst, wissen die Kinder, dass du die Antwort schon kennst», sagt Susi an Petra Hofmann gewandt. Wenn Fuchs Frank seinem Freund dem Bären Bert alle selbstgebackenen Guetsli weggegessen hat, sind die Kinder sofort mit Leib und Seele dabei und suchen Möglichkeiten, wie Frank das wiedergutmachen und die Freundschaft kitten kann – was sich natürlich dann im Unterricht auf reale Vorkommnisse auf dem Pausenplatz übertragen lässt. Und wenn Uhu Schuhu am Morgen im Klassenzimmer in seinem Nest schläft, weil er einen anstrengenden nächtlichen Ausflug hinter sich hat, bemühen sich die Kinder, ruhig zu sein und ihn schlafen zu lassen.

All diese Beispiele zeigen, dass Figuren Potenzial haben, um die überfachlichen Kompetenzen der Kinder zu fördern. Doch auch bei Übergängen können sie hilfreiche Unterstützer*innen sein. Sie können Rituale begleiten, Themen aus vorhergehenden Lektionen wieder aufgreifen oder von einer Aktivität zur nächsten überleiten. Langfristig eingesetzt unterstützen sie nicht nur bei solchen horizontalen Übergängen im Alltag, sondern auch bei vertikalen zwischen Bildungsstufen. Vertraute Figuren können beispielsweise den Übergang von der Kita in den Kindergarten oder vom Kindergarten in die Schule begleiten oder als gemeinsame «Bezugspersonen» zwischen verschiedenen Klassen oder Stufen wirken.
Absprachen nötig
Der Austausch unter den anwesenden Fachpersonen aus früher Bildung und Zyklus 1 zeigte, dass viele den Einsatz von Figuren schätzen und den grossen Gewinn erkennen. Die Anwesenden brachten eigene Ideen – wie etwa fachspezifische Figuren – ein. Sie wiesen aber auch auf Herausforderungen hin. Oft sind etwa Kitas, Kindergarten und Schule nicht am gleichen Ort. Das erschwert die Absprachen untereinander und das gegenseitige Kennenlernen. Hilfreich wäre es aus ihrer Sicht, so eine Teilnehmerin, wenn Lehrpersonen oder Schulen, die bereits Figuren einsetzen, auf die lokalen Kitas und Spielgruppen zugehen und die Figuren bekannt machen.
«So könnte sich die Frühförderung den Schulen anhängen.» Ein weiterer Input war, dass es in Frühförderung und Zyklus 1 gar nicht die gleiche Figur sein müsse, die die Kinder begleite. «Die Figur aus der Frühförderung könnte beispielsweise ankündigen, dass im Kindergarten ihr Freund oder ihre Freundin wartet.» Denn, so ergänzte eine weitere Teilnehmerin: «Am wichtigsten ist die Haltung und das Selbstverständnis, dass Figuren im Unterrichtsalltag wichtig sein können.»
Übergang gemeinsam gestalten
Die Lernwerkstatt am FHNW Campus Brugg-Windisch ist die Heimat des neuen early childhood labs (echoo lab) der PH FHNW. Ziel des Labs sei es, den Austausch zwischen Frühbereich und Zyklus 1 zu fördern, sagt echoo-Projektleiterin Manuela Schuler. «Es ist ein Raum für gemeinsames Lernen. Was in Teams, Kitas, Kindergärten und Schulen ausprobiert wird, wird aufgegriffen, weiterentwickelt und wieder zurückgetragen. So entsteht ein gemeinschaftliches Wissensecho.»
Zweimal jährlich sind «IKU im Dialog» -Veranstaltungen geplant, dazu kommen Ausstellungen und ein echoo-Netzwerk, das Akteursgruppen vernetzt. Echoo orientiert sich am etablierten EULE®-Modell der PH FHNW als gemeinsamem Denkrahmen für frühe Bildung und den Übergang in den Zyklus 1. «Im echoo lab bieten wir einen Entwicklungsraum und diesen Übergang gemeinsam zu denken und zu gestalten», so Manuela Schuler. Auch im Studium wird die Verzahnung zwischen Frühbereich und Zyklus 1 künftig noch enger. «Neu ermöglichen wir am IKU mit einem Wahlmodul Praktika im Frühbereich», so Schuler.

Ausgabe Nr. 15 (2026) zum Thema «Übergänge»
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