Ausgebucht bis auf den letzten Platz, über 700 Teilnehmende vor Ort und rund 1000 im Stream – Der Anlass «Fostering School Success Through Visible Learning» stiess bei Lehrpersonen, Schulleitenden, Studierenden, Forschenden, Verbänden, Stiftungen und Mitarbeitenden von PHs und aus Bildungsverwaltungen auf riesiges Interesse. Im Mittelpunkt stand die Frage, was Lernen nachweislich wirksam macht – und wie Lehrpersonen und Schulen ihren Einfluss auf die Lernfortschritte sichtbar machen.
Ein Nachmittag für das, was im Unterricht wirklich wirkt
John Hattie führte im Referat in seine jahrzehntelange Forschung ein, die über 2 100 Meta-Analysen und 130 000 Einzelstudien zusammenführt und rund den Einfluss von 450 Faktoren auf den Lernerfolg datenbasiert aufzeigt.
Seine Botschaft: Lehren und Lernen können und sollen sichtbar gemacht werden – mit klaren, gemeinsam hoch gesteckten Erwartungen, wirksamem Feedback und dem Aufbau von Kompetenzen, die es Lernenden ermöglichen, ihr Lernen selbst zu steuern. Und: Lehrpersonen sollen Unterricht «durch die Augen der Lernenden» sehen.
Dabei warnt Hattie vor einer Überbetonung des Alleinarbeitens unter dem Etikett «individualisiert und personalisiert». Effektives gemeinschaftliches Lernen finde in Tandems oder Kleingruppen statt – hier «unterrichten» Lernende ihre Peers. Klare Instruktion, gezieltes vertiefendes Üben und reflektierte Selbststeuerung seien für den Unterricht zentral. Optimal ist, so Hattie, wenn der Unterricht fortlaufend datenbasiert auf die Lernbedarfe von Einzelnen, Gruppen und ganzer Klassen zugeschnitten wird.
Basis seiner Ausführungen sind seine millionenfach verbreiteten Bestseller «Visible Learning» (2009) und «Visible Learning – The Sequel» (2023). Der Vortrag wurde durch eine «Geschichte, die uns die Daten erzählen» gegliedert, mit vier zentralen Ideen: Gutes Schul- und Lernklima ist Basis; weniger monologisches Unterrichten und mehr selbstgesteuertes Lernen; immer sichtbar machen, an welchen Punkten das Lernen steht und wieviel Einfluss das Lehren hat; gemeinschaftliche Verantwortung aller Lehrpersonen einer Schule zusammen mit den Lernenden: Geteiltes Verständnis von Lernerfolg und -fortschritt, wie man ihn misst und daraus Schlüsse für den Unterricht zieht. Dies sind die Schlüssel für herausragende Schulen.

Schweizer Praxis im Fokus
Besonders nah an der Schulrealität: In John Hatties Vortrag wurden drei kurze Filme aus Schweizer Schulen eingespielt, die zeigen, wie Lernen sichtbar machen im Unterricht und in der ganzen Schule umgesetzt wird. Lernende nutzen analoge oder digitale Rückmeldeverfahren um zu zeigen, wo sie im Lernprozess stehen. Solche Lernbelege ermöglichen es den Lehrpersonen, gezielt das selbstgesteuerte Lernen zu ermöglichen oder Einzelne oder kleine Gruppen zu unterstützen. Fortgeschrittene Schulen machen Lernfortschritte schulweit transparent, so dass sich Lehrpersonen für die nächsten Schritte, auch fächerübergreifend, abstimmen können.
Poster-Session und Podium
Fünf Schulen, die von der PH FHNW langjährig hin zu einer transparenten Kultur des Lehrens und Lernens begleitet werden, gaben in einer Postersession Einblicke in ihre durch Hatties Ideen inspirierten Schul- und Unterrichtsentwicklung. Poster und die Live-Aufzeichnung der Veranstaltung sind online verfügbar.
In der Podiumsdiskussion ging es schwerpunktmässig darum, wie evaluatives Denken und datengestützte Unterrichtsentwicklung konkret in den Schulen gestärkt werden können. Janet Clinton und Wolfgang Beywl, die Schulen seit vielen Jahren bei der Selbstevaluation unterstützen, betonten folgende Punkte: Die Verfahren dürfen keinen Mehraufwand erfordern, sie müssen direkt nützlich sein für Unterricht und Lernen und die gemeinsame Verantwortung aller für das Lernen fördern.
Mit «Luuise», einem von über 2 000 Lehrpersonen erfolgreich eingesetzten Verfahren, kann dies nachweislich unterstützt werden. Dies zeigten Kathrin Pirani und Philipp Schmid in ihrem Blitzvortrag inklusive eines von Lehrpersonen selbst erstellten Videos zur Gewährleistung konzertierter Übungsphasen. Auf dem PH FHNW-Portal www.lernensichtbarmachen.ch gibt es darüber hinaus Dutzende bewährte Methoden und vielfältige praxisnahe Materialien, die Lehrpersonen unterstützen, ihren Unterricht entlang der Erkenntnisse von John Hattie nachhaltig wirksam zu gestalten.
Besonderes Abendprogramm – «Schools as Community Hubs» mit Janet Clinton
Am frühen Abend vertiefte Prof. Dr. Janet Clinton die Idee der Schulen als Community Hubs mit geladenen Gästen aus Verwaltung, Forschung und Praxis – in einem Workshop mit dem Toolkit «How to build community schools» für konkrete Umsetzungsschritte im Schweizer Kontext.
Der Besuch an der PH FHNW ist Teil des Schweiz‑Besuchs von John Hattie und Janet Clinton, gemeinsam organisiert von der Pädagogischen Hochschule FHNW, der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik und der PH Zürich.
Für alle, die am 18. März 2026 nicht vor Ort dabei sein konnten: Die Veranstaltung fand in Englisch statt, wurde live gestreamt, und die untertitelte Aufzeichnung steht in Kürze online zur Verfügung. Die Aufzeichnung ohne Untertittel ist bereits verfügbar.

Alle Fotos: Christian Irgl / PH FHNW
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