Carmen Weber kennt die PH FHNW aus zwei Perspektiven: als Studentin in Aarau – und heute als Praxisdozentin an der Partnerschule Wohlen. Dazwischen liegen fast zwanzig Jahre Unterrichtserfahrung und die Überzeugung, dass gute Lehrer*innen vor allem eines brauchen: Haltung, Reflexion und echte Beziehung zu Jugendlichen.
Zwei Ichs, eine Hochschule
«Mein junges Ich verbindet mit der PH FHNW die Studienzeit», sagt Carmen Weber. Direkt nach der Matura studierte sie von 2004 bis 2008 in Aarau Deutsch, Französisch und Sport. «Mein jetziges Ich verbindet mit der PH FHNW die Arbeit als Praxisdozentin der Partnerschule Wohlen.»
Diese zweite Perspektive ist für sie mehr als ein «Nebenamt»: Sie begleitet Studierende im Partnerschulpraktikum, leitet Basisseminare am PH-Standort Brugg-Windisch, gemeinsam mit Roman Bucher und ist immer wieder Schnittstelle für punktuelle Kooperationen – etwa mit der Professur für Deutschdidaktik oder in Workshops, die aus der Praxis heraus entstehen, wie ihr Lernatelier-Workshop mit Kerstin Bäuerlein.

Carmen Weber begleitet Studierende dort, wo es zählt: in der Praxis – und im gemeinsamen Nachdenken darüber, was Unterricht wirksam macht.
Bally, Selecta – und Blockwochen, die bleiben
An ihre Studienzeit erinnert sich Weber nicht nur wegen der Inhalte, sondern wegen der Bedingungen. Das ehemalige Bally-Gebäude in Aarau sei «doch eher speziell» gewesen: keine Mensa, dafür ein Selecta- und ein Getränkeautomat als Pausenversorgung. «Kein Vergleich» zur heutigen Infrastruktur in Brugg-Windisch und Muttenz, sagt sie – und man spürt, wie sehr Räume auch Lernkultur prägen können.
Was geblieben ist, sind aber vor allem Erinnerungen an die intensiven Formate: die Blockwochen im Fach Bewegung und Sport – in Magglingen, Tenero und in Zürich beim Zirkus Monti. Diese Wochen stehen sinnbildlich für das, was Weber an Ausbildung schätzt: Lernen, das nicht nur erklärt, sondern erlebt wird.
Dort, wo Theorie die Praxis trifft
Heute erlebt Carmen Weber Praxisbedeutsamkeit im Alltag – und zwar dort, wo Zusammenarbeit wirklich eng wird. Als Partnerschule hat Wohlen «immer wieder Studierende im Partnerschulpraktikum», die «in die Praxis eintauchen können». Entscheidend ist für sie die Reflexion: In den Reflexionsseminaren – gemeinsam mit Mentorin Anne Blass-Ziegler und den Praxisdozierenden – komme Theorie und Praxis so nah zusammen, dass es nicht bei «Richtig/Falsch» stehen bleibt. Genau das, sagt Weber, werde von den Studierenden sehr geschätzt: nicht nur tun, sondern verstehen, was man tut – und warum.
«Als Lehrperson musst du ein Typ sein»
Eine Schlüsselszene trägt Weber bis heute mit sich: Ihr Praxislehrer sagte im ersten Praktikum zu ihr, als Lehrperson müsse man ein «Typ» sein – und Menschen gernhaben. Fast zwanzig Berufsjahre später unterschreibt sie das noch immer, allerdings mit Präzisierung: Entscheidend sei das Bewusstsein für die eigene Wirkung. «Wenn ich mir als Lehrperson meiner Wirkung bewusst bin, mich kritisch reflektiere und genau weiss, wo ich mit der Klasse hinwill, wirke ich authentisch und glaubwürdig.» Daraus entstehe oft Motivation – auch extrinsische –, weil die Lehrperson «greifbar» werde und Jugendliche bereit seien, «ein Team» zu bilden. Und gleichzeitig, betont Weber, dürfe man niemanden aus dem Blick verlieren: Der Schulalltag sei nur ein Teil der Teenager-Realität – wer unterrichtet, begegnet immer auch dem, was ausserhalb des Klassenzimmers mitläuft.
Interessant ist dabei ihr eigener Wandel: «Heute ist mir das theoretische Know-how näher als damals im Studium.» Früher wollte sie vor allem «vor der Klasse stehen und mit den Jugendlichen agieren». Theorien seien eher Mittel zum Zweck gewesen. Heute sieht sie klarer, wofür sie da sind: nicht als Ballast, sondern als Werkzeug, um Unterricht und Beziehung bewusster zu gestalten.
Wünsche: Mut, Vernetzung, interdisziplinär
Was sie der PH FHNW für die nächsten 20 Jahre wünscht, klingt wie ein Programm – aber eines mit Wärme: interessierte und motivierte Studierende, Dozierende und Praxislehrpersonen, die bei Studierenden «ein Feuer» entfachen können, eine starke Verknüpfung von Forschung und Lehre, noch mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit – innerhalb der PH und mit Schulen ausserhalb – und Mut zur Weiterentwicklung. Kurz: eine Hochschule, die nicht nur ausbildet, sondern zur Profession begeistert.

20 Jahre Pädagogische Hochschule FHNW
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Christian Irgl
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