Janine Gut leitet die Geschäftsstelle Studium und Lehre am Institut Spezielle Pädagogik und Psychologie der PH FHNW. Zum 20 Jahre Jubiläum erzählt sie, warum die Hochschule für sie Weitsicht bedeutet – und weshalb gute Studienprogramme dort entstehen, wo sich Wissenschaft und Praxis treffen.
Ein Bildungsraum, viele Perspektiven
Wer mit Janine Gut über die PH FHNW spricht, merkt schnell: Sie denkt in Zusammenhängen– und in Räumen. «Ich verbinde mit der PH FHNW Vielfalt und Weitsicht», sagt sie. Lehre und Forschung für Lehrpersonen, Sonderpädagog*innen und Logopäd*innen sind hier «unter einem Dach» vereint – als Teil einer grossen Fachhochschule, in einem vierkantonalen Bildungsraum, verteilt auf mehrere Standorte. «Das ist einzigartig und macht es für mich so spannend, vielseitig und herausforderungsvoll, hier zu arbeiten.»
Der Moment, der blieb
Einen «Aha‑Moment» datiert Gut auf ihren Einführungstag für neue Mitarbeitende. Sie sitzt an einem Tisch mit künftigen Kolleg*innen aus Life Science, Wirtschaft, Sozialer Arbeit – und hört Lebensläufe, die mit ihrem eigenen zunächst wenig zu tun haben. «Da habe ich gedacht: Wow, hier arbeiten Menschen aus so vielen unterschiedlichen Disziplinen – und ich darf ein Teil davon sein.» Es sei nicht nur ein freundlicher Empfang gewesen, sondern ein Perspektivwechsel: Die unterschiedlichen Interessen und Expertisen «öffneten meinen persönlichen Horizont, über meinen eigenen Weg und meine Themen nachzudenken».
Im «Third Space»: Übersetzen, verbinden, aushalten
Janine Gut arbeitet im «Third Space» der Hochschule – in einem Dazwischen, das weder rein wissenschaftlich noch rein administrativ ist und doch beides braucht. Da geht es um Übersetzungsarbeit: Was in der Forschung als Konzept präzise ist, muss im Studienbetrieb als Programm funktionieren – und im Berufsfeld als Kompetenz ankommen. Man sitzt mit unterschiedlichen Anspruchsgruppen am Tisch, die alle recht haben: die Wissenschaft, die nach Begründung und Evidenz fragt; das Management, das Ressourcen, Prozesse und Rahmenbedingungen im Blick behält; und das Berufsfeld, das wissen will, was Studierende morgen tatsächlich können. In diesem Spannungsfeld entstehen Passungen – Kohärenz. Und am Ende muss handfest sein: ein Studium, das verständlich, anspruchsvoll und umsetzbar ist, qualifiziert und nicht zuletzt auch begeistert.
Kohärenz statt Lagerdenken
In ihrer aktuellen Funktion – der Entwicklung und Gestaltung von Studienprogrammen – erlebt Gut Praxisbedeutsamkeit dort, wo man die scheinbar klare Grenze zwischen Theorie und Praxis nicht einfach hinnimmt. «Ich orientiere mich an der Herstellung von Kohärenz für unsere Studierenden: woher sie kommen, wohin sie gehen und was sie dabei unterstützt.» Studienangebote sollen Lerngelegenheiten eröffnen, sich an Aufgaben und Situationen im Berufsfeld orientieren – und sich zugleich «auf einem Kontinuum von Handlungs- und Wissenschaftsorientierung» verorten. Der Anspruch dahinter ist leise, aber hoch: nicht «entweder-oder», sondern beides– und nachvollziehbar verbunden.
Zusammenarbeit als Kernkompetenz
Was braucht es, um solche Programme zu planen, zu führen, weiterzuentwickeln? Gut nennt weniger «Genie‑Momente» als vielmehr professionelle Routinen – und Kompetenzen, die oft unterschätzt werden. «Laterale Führungskompetenzen, Kooperations- und Kommunikationskompetenzen sind für meinen Berufsalltag ebenso wichtig wie Konzeptions- und Methodenkompetenzen.» Wer zwischen Rahmenbedingungen und Anspruchsgruppen professionell handeln will, müsse sich im Dialog bewegen können – intern wie extern, mit unterschiedlichen Perspektiven, Sprachen und Logiken.

Wer mit Janine Gut spricht, landet schnell bei der grossen Frage: Wie baut man Räume, in denen Lernen zusammenhängt?
Wunsch für die nächsten 20 Jahre
Ihr Blick nach vorn ist entsprechend: selbstbewusst, aber nicht selbstzufrieden. Sie wünscht der PH FHNW, «dass sie im Kontext von dynamischen Entwicklungen und Herausforderungen in ihrer Identität als Professionshochschule selbstbewusst weiterwachsen kann» – und dass sie «vorausschauend immer wieder Mut und Wege findet, da zu suchen, wo (noch) kein Licht ist». Denn genau dort entstehe Entwicklung: im Unfertigen, im noch nicht klar Ausgeleuchteten. Und am Ende, sagt Gut, müsse das auf das zurückwirken, worum es geht: «massgeblich für die Stärkung der Schulen im Bildungsraum Nordwestschweiz» da zu sein.

20 Jahre Pädagogische Hochschule FHNW
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Christian Irgl
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