«Für mich ist die Pädagogische Hochschule FHNW ein Ort, an dem fachwissenschaftliche Tiefe und pädagogisch-didaktische Reflexion systematisch zusammengeführt werden», sagt Urs Meyer, Dozent für Fachdidaktik Informatik Sek II an der Professur Didaktik der Informatik und Medienbildung. Gerade in seinem Fach sei diese Verbindung zentral: «Inhalte, Werkzeuge und gesellschaftliche Rahmenbedingungen verändern sich so dynamisch, dass sie oft schneller sind, als ein Lehrbuch nachgedruckt werden kann.»
Neue Technologien didaktisch einordnen
Auch deshalb wird Praxisbedeutsamkeit grossgeschrieben. «Wir entwickeln Inhalte konsequent aus der Schulpraxis heraus und führen sie dorthin zurück, etwa über konkrete Unterrichts- und Beurteilungsbeispiele, die den Realitätscheck im Klassenzimmer bestehen», beschreibt Urs Meyer. Denn: «Im Informatikunterricht geht es darum, neue Technologien didaktisch einzuordnen und nicht jedem neuen Tool unreflektiert zu folgen. Praxisbedeutsam ist für mich, was Lehrpersonen langfristig handlungsfähig macht – auch über die nächste technologische ‘Revolution’ hinaus.» Meyer spricht aus eigener Erfahrung, die er an Schule und Hochschule gesammelt hat. Er war über 20 Jahre lang als Lehrer am Gymnasium Laufen tätig, davor unterrichtete er an Sekundar- und Berufsschulen. Darüber hinaus war er in der Software- und Lehrplanentwicklung, in der Schulung für die Industrie und in der Lehrpersonenweiterbildung aktiv.

Nicht nur die Lehrpersonenbildung, auch diese Reihe lebt von persönlichen Fäden und Verbindungen – und deshalb darf auch dieser Fact Platz haben: «In meiner Freizeit spiele ich in verschiedenen Bands», sagt Urs Meyer, «und mit Adrian Sieber, der ebenfalls porträtiert wurde, war ich an der Jazzschule.»
So kann er auch einschätzen, welche Kompetenzen, die an der PH FHNW vermittelt werden, besonders wichtig sind. «Ein zentraler Wert ist für mich die professionelle Offenheit – gegenüber neuen fachlichen Entwicklungen, unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und der Unsicherheit, die in der Dynamik des Informatikunterrichts dazugehört. Dinge funktionieren nicht immer so, wie man es geplant hat, und das ist Teil des Lernprozesses.» Ebenso wichtig, so Meyer, ist «die Fähigkeit zur didaktischen Reduktion: komplexe Inhalte verständlich und sinnvoll aufzubereiten, ohne sie auf reine Klickanleitungen zu verkürzen.»
Wenn Stoffvermittlung zur Lernbegleitung wird
Und so denkt er bei PH-Momenten, die ihm in Erinnerung geblieben sind, vor allem an Situationen, in denen Studierende «eine zunächst abstrakte, aber dennoch fundamentale Idee der Informatik in ein tragfähiges Unterrichtskonzept transferieren können – und dabei Sicherheit und Selbstvertrauen gewinnen». Prägend seien für ihn dabei Erfahrungen, «in denen deutlich wurde, wie stark sich das professionelle Selbstverständnis angehender Lehrpersonen im Verlauf der Ausbildung verändert – weg von der reinen Stoffvermittlung hin zu einer reflektierten Lernbegleitung, vom ‘Ich erkläre euch das jetzt’ hin zum ‘Ich schaue, was die Lernenden wirklich verstehen’.»
Blick nach vorn
Angesprochen auf Wünsche für die PH FHNW für die nächsten 20 Jahre sagt Urs Meyer schmunzelnd: «20 Jahre sind eine Ewigkeit in der Informatik, vermutlich sind mehrere Paradigmenwechsel inklusive.» Gerade deshalb wünscht er der PH FHNW, «dass sie weiterhin mutig neue Ausbildungsformate erprobt, fachliche und didaktische Entwicklungen aktiv mitgestaltet und dabei den engen Bezug zur Schulpraxis beibehält – auch dann, wenn sich Rahmenbedingungen, Technologien und Anforderungen weiter verändern.»

20 Jahre Pädagogische Hochschule FHNW
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