Bardha Ejupi ist Sonderpädagogin an der Primarschule Allschwil und wirkt an der PH FHNW in Reflexionsseminaren der Berufspraktischen Studien mit. Ihr eigener Weg – mit albanischen Wurzeln, Berufslehre und späterem Studium – hat ihren Blick auf Bildung geschärft: für Durchlässigkeit, Chancengerechtigkeit und die Frage, wer in der Schule wirklich mitgemeint ist.
Für Bardha Ejupi ist die PH FHNW ein Ort, an dem systemisches Denken, Heilpädagogik und gesellschaftliche Fragen zusammenfinden. Durch ihren Hintergrund in der Sozialen Arbeit lernte sie früh, über Fächer und Zuständigkeiten hinaus zu denken. Im Studium konnte sie dieses Denken mit heilpädagogischen Perspektiven verbinden – und zugleich erfahren, wie wichtig es ist, Erfahrungswissen nicht einfach stehen zu lassen, sondern mit wissenschaftlichem Wissen in Beziehung zu setzen.
Themen wie Inklusion, Menschenrechte und Teilhabe prägen ihr Bildungsverständnis bis heute. Vielleicht auch deshalb, weil sie manches, was in Studien beschrieben oder in Seminaren theoretisch verhandelt wird, in ihrer eigenen Biografie wiedererkennt.
Ein persönlicher Blick auf Durchlässigkeit
Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Moment, in dem sie ihre eigene Bildungsbiografie offenlegen musste. Dabei wurde die Durchlässigkeit des Schweizer Bildungssystems zum Thema – nicht abstrakt, sondern konkret, über ihren eigenen Weg. Bardha Ejupi hat albanische Wurzeln und kam über ihre Ausbildung zur Fachfrau Betreuung Kinder zu jenem Blick auf Bildung, der heute ihre Arbeit prägt.
Die Reaktionen auf diese Erzählung seien von «Entsetztheit, Faszination und ehrlichem Interesse» geprägt gewesen. Bewegend war für sie vor allem, was daraus entstand: Gespräche über Bildungsgerechtigkeit, Chancen und gesellschaftliche Strukturen. Also genau über jene Fragen, die im Schulalltag oft am stärksten wirken und zugleich am leichtesten übersehen werden.

Bardha Ejupi verbindet Sonderpädagogik, systemisches Denken und persönliche Erfahrung – in der Schule ebenso wie in den Reflexionsseminaren der PH FHNW.
Praxis: Unterricht, Beziehung, System
Praxisbedeutsamkeit erlebt Ejupi nicht punktuell, sondern täglich – in der Verbindung von didaktischem Wissen, Beziehungsgestaltung und systemischem Denken. Als Sonderpädagogin an der Primarschule Allschwil geht es für sie darum, Unterricht so zu gestalten, dass alle Kinder teilhaben können. Begriffe wie Differenzierung, Förderplanung und adaptive Didaktik sind in ihrem Alltag keine Module mehr, sondern Arbeitsinstrumente.
Gleichzeitig zeigt ihr die Praxis, «wie eng Schule, Familie und gesellschaftliche Bedingungen zusammenhängen». Auch deshalb ist ihre zusätzliche Tätigkeit an der PH FHNW für sie mehr als ein Lehrauftrag: In den Reflexionsseminaren 1 im Studiengang Sonderpädagogik bringt sie diese Perspektive in die Ausbildung zurück. Dort wird sichtbar, dass Schule nicht nur im Klassenzimmer stattfindet, sondern immer auch in einem grösseren sozialen Zusammenhang.
Keine Einzelkämpfer*innen mehr
Gefragt nach den Werten, die sie in ihrem Alltag tragen, nennt Bardha Ejupi vor allem drei: Inklusion, Reflexion und Chancengerechtigkeit. Die PH habe sie darin bestärkt, Vielfalt nicht als Problem, sondern als Bereicherung zu lesen – und Kinder ressourcenorientiert zu begleiten.
Ebenso zentral ist für sie die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Gute Förderung, so ihr Fazit, gelingt nur dann, wenn Wissen über unterschiedliche Berufsgruppen vorhanden ist und Kooperation wirklich gelebt wird. Oder, wie sie es klar sagt: «Einzelkämpfer*innen darf es aus meiner Sicht nicht mehr geben, wenn Kinder bestmöglich begleitet werden sollen.»
Wunsch für die nächsten 20 Jahre
Für die Zukunft wünscht sie der PH FHNW, dass Systemdenken, gesellschaftliche Zusammenhänge und Chancengleichheit noch stärker ins Pflichtstudium eingebettet werden. Nicht als Randthemen, sondern als Grundlage professionellen Handelns in Schulen: «Diese Themen sind grundlegend für die Arbeit an Schulen und sollten nicht dem Zufall überlassen werden, ob sich zukünftige Lehrpersonen damit auseinandersetzen.»
Zudem wünscht sie sich «mehr vertretene Lebenswelten» an der Hochschule – und eine kritische Auseinandersetzung mit den Zugängen zum Studium, besonders mit Blick auf Chancenungleichheiten und ihre Folgen.

20 Jahre Pädagogische Hochschule FHNW
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Christian Irgl
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