Für Benjamim war Valencia mehr als ein Auslandsaufenthalt: eine prägende Zeit voller Freundschaften, Wachstum und unvergesslicher Erlebnisse.
Name: Benjamim Huber
Studiengang: Sekundarstufe I
Partnerhochschule: Universidad de Valencia
Aufenthalt: Januar–Juni 2026
Vorbereitung
Ich habe mich für einen Austausch entschieden, weil ich in meinem Leben noch nie längere Zeit im Ausland verbracht hatte und auch noch nie wirklich alleine unterwegs oder komplett auf mich selbst gestellt gewesen war. Es war schon immer ein Ziel von mir, etwas von der Welt zu sehen und meine kleine Stadt zu verlassen. Die Möglichkeit, ein Auslandsstudium zu machen, hat sich dafür perfekt angeboten. Für Valencia habe ich mich entschieden, weil ich Spanisch bereits in der Schule gelernt hatte und deshalb meine Spanischkenntnisse verbessern wollte. Außerdem war es mir wichtig, einen Ort mit warmem Klima und Meer auszuwählen. Was mich dann endgültig von Valencia überzeugt hat, war die Tatsache, dass es eine Großstadt ist, aber trotzdem nicht zu groß und nicht zu touristisch wirkt, wie zum Beispiel Barcelona.
Für Valencia braucht man kein Visum und auch keine speziellen Impfungen. Den Antrag zu stellen war an sich nicht ganz einfach, aber mithilfe der Betreuenden der FHNW hatte ich damit keine Probleme. Mit der Planung habe ich ungefähr ein halbes Jahr vor Semesterbeginn angefangen. Ich war von Ende Januar bis Ende Juni dort und musste deshalb eigentlich alles Mögliche an Kleidung mitnehmen. Am Anfang war es noch sehr kalt, und es hat auch oft geregnet und gewindet. Ansonsten sollte man natürlich Hygieneartikel mitnehmen und je nach Unterkunft auch Handtücher und Bettwäsche. Ich würde außerdem empfehlen, einen Reisepass mitzunehmen, falls man zum Beispiel einen Trip nach Marokko machen möchte.
Anreise und Ankommen
Die Anreise verlief bei mir ohne Probleme. Ich habe mich dazu entschieden, vom Flughafen ein Uber zu meiner Adresse zu nehmen. Dort hat mich mein Vermieter bereits begrüßt und mir alles erklärt. Die ersten Tage waren natürlich etwas stressig, und ich musste mich zuerst einmal in der Stadt orientieren. Durch Erasmus-Events und WhatsApp-Gruppen konnte man aber sehr schnell Freunde und Bekanntschaften machen. Dadurch war man eigentlich schon vom ersten Tag an verplant und hatte immer etwas vor.
Vor Ort hatte man eine Ansprechperson von der Universitat de Valencia. Bei mir war das Frau Silvia Chireac. Ich würde empfehlen, sich so schnell wie möglich um Mobilitäts-Abos zu kümmern, zum Beispiel um das Mobilis 30. Außerdem muss man sich natürlich um das Learning Agreement kümmern und sich bereits im Voraus über den eigenen Campus und die Fakultät informieren. Ich würde sehr empfehlen, zu den Empfangsveranstaltungen zu gehen, da man dort viele wichtige Informationen bekommt und direkt neue Leute kennenlernt.
Unterkunft und Verpflegung
Ich habe meine Unterkunft über Idealista im Internet gebucht und hatte das Glück, direkt über einem Supermarkt zu wohnen. Die Supermärkte, die ich empfehlen kann, sind Consum und Mercadona. Das Essen war sehr gut, allerdings gab es oft Tapas, also eher kleinere Speisen, anstatt einer großen und sättigenden Mahlzeit. In Valencia gibt es aber so viele verschiedene Möglichkeiten zu essen, dass für jeden etwas dabei ist.

Valencia ist zwar eine große Stadt, aber man merkt schnell, dass viele Leute, die man kennenlernt, in der Nähe wohnen. Ich habe in Grau La Marina gewohnt, in der Nähe vom Hafen und vom Strand, aber trotzdem nur etwa 20 Minuten mit der Tram von meiner Fakultät entfernt. Dieses Viertel kann ich sehr empfehlen, da es vor allem im Sommer extrem angenehm ist, nicht ewig zum Strand fahren zu müssen. Außerdem ist fast alles innerhalb von etwa 20 Minuten erreichbar: das Stadtzentrum, die Fakultät und der Strand.
Die Hochschule
Der Unterricht war sehr gut, und ich war positiv von meinen Dozierenden überrascht. Die Kurse waren etwas größer als an der FHNW, ungefähr 50 Personen pro Kurs. Die Gruppen waren gemischt aus Erasmus- Studierenden und spanischen Studierenden.
Das Hochschulleben ist ganz anders als zu Hause. Fast alle Studierenden wohnen in der Stadt, wodurch man viel einfacher in Kontakt bleiben kann. Da Valencia außerdem eine deutlich größere Stadt als Brugg ist, gibt es ständig Events, bei denen man auch Bekannte aus der Universität trifft. Die Leute sind sehr offen, vor allem die Erasmus-Studierenden, da alle in derselben Situation sind und neue Freunde finden möchten.
Ich habe folgende Module besucht:
- 2025–26 Llengua estrangera I: anglès Gr.3A-X (33661)
- 2025–26 La cultura en l’ensenyança de llengües estrangeres: anglès Gr.3A-X (33662)
An der FHNW konnte ich mir folgende Module anrechnen lassen:
- FW EN 2.1: Language and Linguistics 1
- FW EN 2.5: Language and Linguistics 2
- FW EN 2.2: Literature and Culture 1
Land und Leute
Das Leben in Valencia wirkt deutlich entspannter. Man ist sehr spontan unterwegs, und Pünktlichkeit existiert quasi nicht. Trotzdem sind die Menschen sehr freundlich und meinen das nicht böse, es gehört einfach zu ihrer Kultur. Essen geht man auch deutlich später, meistens ungefähr um 20:30 oder 21:00 Uhr. Oft bekommt man in Restaurants um 18:30 Uhr noch gar nichts Richtiges zu essen.

In Valencia wird nicht nur Spanisch gesprochen, sondern auch Valencianisch. Deshalb sollte man sich nicht wundern, wenn auf Schildern etwas steht, das nicht auf Spanisch geschrieben ist. Allerdings spricht eigentlich jede Person auch normales Spanisch, also muss man sich keine Sorgen machen.
Was mich in Valencia sehr überrascht hat, war die große Anzahl an Festen. Von den bekannten Fallas über Ostern bis hin zu anderen Festen ist ständig etwas los. Es gibt sehr oft Feuerwerke und Mascletàs, also Böller, die vor allem Lärm machen. An Ostern laufen manche Menschen mit Kapuzenkutten herum. Man sollte sich davon nicht erschrecken lassen, denn das ist eine religiöse Tradition. Die Spanierinnen und Spanier sind sehr religiös.
Auch für Kunstliebhaberinnen und Kunstliebhaber hat Valencia sehr viel zu bieten. Es gibt viele Museen, aber auch wunderschöne Gebäude mit besonderer Architektur. Eines der bekanntesten Gebäude ist das Museum of Science and Arts.
Während der Fallas sollte man sich, je nachdem wo man wohnt, darauf einstellen, nicht besonders gut oder lange schlafen zu können, da von morgens bis abends geböllert wird. Ich hatte zum Glück keine großen Probleme damit, aber Freunde von mir, die in der Innenstadt wohnten, konnten kaum schlafen.
Freizeit
An Aktivitäten mangelt es in Valencia überhaupt nicht. Egal, ob man ein neues Hobby wie Padel oder Beachvolleyball anfangen möchte oder ob man seinen eigenen Sport weiterführen oder ins Fitnessstudio gehen will: Es gibt tausend Möglichkeiten. Oft werden auch Gruppen mit anderen Erasmus-Studierenden für alle möglichen Hobbys erstellt.
Was ich persönlich neu für mich entdeckt habe, ist Bachata und Salsa tanzen. Es gibt viele sehr günstige Kurse, für die man sich anmelden kann und bei denen man auch leicht neue Freunde findet. Die Kurse sind sehr anfängerfreundlich, und alle sitzen im selben Boot. Niemand fängt als Tanzprofi an. Oft sieht man auch Gruppen von Menschen an öffentlichen Orten, zum Beispiel in Parks, Bachata tanzen. Dort kann man einfach fragen und sich dazugesellen.

Es gibt außerdem mehrere Running Clubs, bei denen man ganz unkompliziert mitlaufen kann, falls man nicht alleine joggen gehen möchte. Valencia ist zum Joggen sehr zu empfehlen, da die Stadt sehr flach ist. Im Sommer wird es natürlich sehr anstrengend, aber danach kann man sich direkt im Meer abkühlen.
Wenn man abends ausgehen möchte, gibt es ebenfalls sehr viele Möglichkeiten. Es gibt unzählige Bars und viele Clubs. Mein persönlicher Favorit ist die Bar Saints and Scholars, auch wenn es dort sehr warm werden kann. Mein Lieblingsclub ist der Marina Beach Club, sehr nah am Hafen. Dieser Club lohnt sich aber erst, wenn es etwas wärmer ist, da er ein Open-Air-Club ist. In der Zwischenzeit kann man in bekannte Clubs wie das Mya oder das Committee gehen.

Ich würde aber empfehlen, alles selbst auszuprobieren, da jeder Mensch einen anderen Geschmack hat. Was ich jedem ans Herz legen kann, ist, sich über Seiten wie HappyErasmus und Erasmus Life darüber zu informieren, welche Events stattfinden, und dort auch Tickets zu kaufen. Diese sind oft viel billiger als auf den offiziellen Seiten oder am Türverkauf.
Ich konnte hier natürlich nur aus meiner Perspektive erzählen, aber es gibt in Valencia wirklich so viele Aktivitäten, dass für jede Person etwas dabei ist. Man muss sich keine Sorgen machen, sich zu langweilen. Man muss eher aufpassen, dass man nicht zu viel unterwegs ist.
Persönliches Fazit
Für mich war dieser Aufenthalt das beste Kapitel in meinem Leben. Ich habe so viele neue Freunde gefunden, so viele tolle Dinge erlebt und mich als Person extrem weiterentwickelt. Ich konnte meine Spanischkenntnisse verbessern, aber vor allem zwischenmenschlich habe ich mich sehr stark weiterentwickelt.
Es ist kaum in Worte zu fassen, wie glücklich man während eines solchen Aufenthalts ist. Ich muss allerdings vorwarnen: Der Abschied ist sehr hart. Gleichzeitig zeigt das natürlich auch, wie schön die Zeit war.
Ich kann wirklich jedem ans Herz legen, sich für einen Auslandsaufenthalt und besonders für Valencia zu entscheiden. Für mich war diese Erfahrung ein absoluter Traum und eine klare 10 von 10. Das Einzige, was ich rückblickend anders machen würde, wäre, mich früher um mein Mobilitätsabo zu kümmern und noch mehr verschiedene Events zu besuchen. Oft habe ich jede Woche die gleichen Events mit den gleichen Leuten besucht. Das war natürlich eine angenehme Routine, aber ich würde wirklich jedem empfehlen, so viel wie möglich auszuprobieren und sich aus der eigenen Komfortzone zu bewegen.
Worte können diesem Aufenthalt und der Stadt Valencia eigentlich nicht gerecht werden. Man muss es selbst erleben.
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