Weitervermitteln, was man selber gelernt hat. Der ehemalige PH-Student Akeepan Singrasa ist nun Praxislehrperson und kann selber nun zum Beispiel zu Beziehungsgestaltung vieles den PH-Studierenden mitgeben.
Die Pädagogische Hochschule FHNW war für Akeepan Singrasa die erste Hochschulstation. Sie habe ihn «nachhaltig geprägt», sagt er. Dort erwarb er nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch praktische Erfahrungen, die ihm den Einstieg in den Beruf erleichterten. Heute steht er auf der anderen Seite: als Lehrperson am Kindergarten Tangentenweg in Basel und als Praxislehrperson, die Studierende begleitet.
Was er damals selbst schätzte, möchte er weitergeben: Orientierung, individuelle Begleitung, Vertrauen in den eigenen Weg. «Es ist mir ein besonderes Anliegen, Studierende auf ihrem Weg zur eigenständigen Lehrperson zu unterstützen», sagt Singrasa. Man hört darin keinen grossen Anspruch, sondern eine pädagogische Haltung: Ausbildung gelingt dort, wo jemand genau hinschaut.

«Der eigentliche Erfolg liegt für mich darin, wenn Studierende Inhalte nicht nur verstehen, sondern situativ anwenden können.»
Die Kraft der Aha-Momente
Drei Erfahrungen aus seiner eigenen Studienzeit sind ihm besonders geblieben. Eine Dozentin, die mit praxisnahen Erfahrungen begeisterte und Raum zum Üben gab. Ein Dozent, dessen Leidenschaft für den Märchenunterricht hängen blieb. Und der Musikunterricht, der ihn besonders berührte: Die Dozierenden vermittelten nicht nur Inhalte, sondern stärkten Können und erkannten Potenzial.
Genau solche Momente will Singrasa heute selbst ermöglichen. Studierende sollen nicht nur Methoden kennenlernen, sondern erfahren, was passiert, wenn aus einer Idee eine Handlung wird. Wenn etwas im Raum kippt. Wenn Kinder reagieren. Wenn man nach dem Unterricht nicht einfach abhakt, sondern fragt: Was hat funktioniert? Was habe ich übersehen? Was lerne ich daraus?
Kindergarten als Erfahrungsraum
Praxisbedeutsamkeit ist für Singrasa kein Zusatz zur Ausbildung, sondern ihr Prüfstein. «Anhand meines eigenen Unterrichts möchte ich Studierenden konkret veranschaulichen, wie theoretische Grundlagen und praktisches Handeln ineinandergreifen.» Der Kindergarten wird dabei zum authentischen Lern- und Erfahrungsraum: Studierende können ausprobieren, beobachten, reflektieren und weiterdenken.
Besonders sichtbar wird dieser Ansatz in seiner Tandemarbeit mit Marvin Ferrante, Dozent an der PH FHNW. Die Zusammenarbeit entstand im Rahmen des Projekts HERMES, welches das Ziel verfolgt, das Verstehen, Erklären und Vermitteln zwischen wissenschaftlicher Praxis und der Praxis zielstufengerechter Erziehung und Bildung weiterzuentwickeln. Dabei soll das Zusammenspiel wissenschaftlich fundierter und reflektiert unterrichtserfahrener Perspektiven für die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen gestärkt werden.
Aus dem Projekt ist eine längerfristige Arbeits-Partnerschaft geworden: Singrasa und Ferrante gestalten Seminarbausteine mit, in denen Studierende kleine Lerninterventionen für vier- bis achtjährige Kinder entwickeln und im Kindergarten erproben. Es geht um Prototypen wie Spiele, Sinnesstationen oder Erzählräume, die vor Ort getestet, beobachtet und überarbeitet werden. So entsteht ein Kreislauf aus Entwurf, Erfahrung, Rückmeldung und Verbesserung. Oder, anders gesagt: Forschung und Lehre bleiben nicht im Seminarraum, sondern gehen mit in den Kindergarten.
Beziehung, Präsenz, positive Atmosphäre
Was Singrasa an der PH FHNW gelernt hat und heute weitervermittelt, lässt sich nicht auf Fachwissen reduzieren. Fachwissen sei wichtig, sagt er, aber es reiche nicht aus. Zentral seien eine wertschätzende Beziehungsgestaltung, die Fähigkeit, Kinder dort abzuholen, wo sie stehen, und sie als Begleiter in ihrer Entwicklung zu unterstützen.
Dazu gehören Klassenführung, der bewusste Umgang mit Gruppendynamiken, Authentizität und Präsenz im Unterricht. Vor allem aber: die Einsicht, dass eine positive Lernatmosphäre die Grundlage für erfolgreiches Lernen bildet. Das klingt einfach. Im Kindergartenalltag ist es anspruchsvoll. Denn Präsenz heisst nicht, alles zu kontrollieren. Sie heisst, wahrzunehmen, was gerade geschieht, und daraus pädagogisch klug zu handeln.
Erproben, beobachten, weiterdenken
Für die nächsten 20 Jahre wünscht sich Akeepan Singrasa, dass die PH FHNW die Verbindung von Hochschule und Schulfeld weiter stärkt. Für Singrasa wird Ausbildung dort besonders wirksam, wo Studierende nicht nur über Unterricht nachdenken, sondern Unterricht erleben: im Klassenzimmer, mit Kindern, mit Unsicherheiten, mit echten Reaktionen. Dort wächst jene Sicherheit, die es später auch in heterogenen Lerngruppen braucht. Die PH FHNW soll für ihn ein Ort bleiben, an dem nicht nur Fachwissen vermittelt wird, sondern engagierte, reflektierte und beziehungsfähige Lehrpersonen heranwachsen, die wissen: Der eigentliche Erfolg beginnt dort, wo wir Inhalte nicht nur verstehen, sondern verinnerlichen und situativ anwenden können.
20 Jahre Pädagogische Hochschule FHNW
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