Skip to main content

26.02.2021 | Institut Soziale Arbeit und Gesundheit, Hochschule für Soziale Arbeit

Drug-Checking-Angebote: ein wirksamer Ansatz zur Schadensminderung

Eine im Auftrag des BAG durchgeführte Studie zeigt, dass Drug-Checking-Angebote dazu beitragen, die Konsumierenden vor Überdosierung und unerwünschten Wirkungen von Streckmitteln zu schützen. Die Studie streicht auch das Potenzial dieses Angebots für die Früherkennung von gefährdeten Personen und das Monitoring des Drogenmarkts heraus.

Grafik von einem Berater und einer Patientin, die sich gegenüber sitzen und über Drug-Checking sprechen

In Städten wie Basel, Bern, Genf oder Zürich können heute kleine Mengen von Drogen anonym bei einer Beratungsstelle zur Analyse abgegeben werden. Solche Tests werden auch in bestimmten Clubs oder bei Festivals angeboten. Die Rückmeldungen zur Substanzanalyse sind in professionelle Beratungsgespräche durch Sozialarbeitende mit den betroffenen Personen eingebettet. Jährlich werden in der Schweiz rund 4000 Proben getestet, hauptsächlich Kokain, MDMA/Ecstasy und Amphetamin. In mehr als der Hälfte der Fälle zeigt die getestete Probe eine erhöhte Gefahr für den Konsumenten oder die Konsumentin auf.

Wirkungsvolle Sensibilisierung

Um die Wirkungen dieser Angebote zu untersuchen, hat das BAG bei Interface und der Fachhochschule Nordwestschweiz eine Studie in Auftrag gegeben. Die Studie zeigt auf, dass Drug-Checking-Angebote die Nutzerinnen und Nutzer für einen weniger riskanten Konsum von Drogen sensibilisieren können. In Extremfällen können diese Angebote sogar Todesfälle verhindern. Zudem ermöglichen sie die Information der schwer zu erreichenden Zielgruppe der Gelegenheitsdrogenkonsumierenden.

So gaben neun von zehn im Rahmen der Studie befragten Personen an, nach dem Erhalt einer Substanzwarnung weniger oder gar nicht von den getesteten Drogen mehr konsumiert zu haben. Ein Viertel der Betroffenen gab die Warnung auch an das Umfeld weiter. Die wichtigsten Substanzwarnungen werden auch online und insbesondere auf der Website infodrog.ch verbreitet. Sie erreichen in der Schweiz über 1000 Personen pro Monat.

Monitoring des Drogenmarktes

Dank des Drug Checking Angebots können gefährdete Personen zudem frühzeitig erkannt und an geeignete Hilfsangebote verwiesen werden. Schliesslich kann eine systematische Auswertung der Substanzproben im Rahmen eines Monitorings Informationen zum Drogenmarkt liefern und problematische Entwicklungen aufzeigen. All das sind laut Studie relevante Funktionen, die weiterentwickelt und ausgebaut werden könnten, um das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Angebote weiter zu verbessern.

Die Schweiz war bereits ab den 1990-er Jahren eines der ersten Länder, das solche Angebote bereitstellte. Die Qualität der auf dem Schwarzmarkt erhältlichen Drogen ist den Käuferinnen und Käufern in der Regel unbekannt. Auch Personen, die gelegentlich Drogen konsumieren, gehen so potenziell tödliche Risiken ein.

Quelle: Medienmitteilung des Bundesamtes für Gesundheit BAG. Unter diesem Link finden Sie die Studie zum Downloaden sowie weitere Kontaktangaben. 

Die Studie wurde von INTERFACE Politikstudien Forschung Beratung in Kooperation mit Prof. Carlo Fabian von der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW durchgeführt.

Diese Seite teilen: