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12.05.2020 | Hochschule für Soziale Arbeit, Studienzentrum

So lehren und studieren wir in Zeiten von Corona

Seit kein Präsenzunterricht mehr stattfinden darf, hat sich unser aller Hochschulalltag tiefgreifend verändert. Das Ziel ist klar: Die Studierenden sollen auch unter diesen besonderen Umständen ihr Studium weiterführen und das Frühlingssemester 2020 regulär abschliessen können.

Distance teaching and learning

Aufgrund des Bundesratsbeschlusses galt es, unseren Studienbetrieb ab 16. März 2020 für das laufende Frühlingssemester ohne Präsenzunterricht neu zu gestalten und die Ausbildung in alternativer Form weiterzuführen. Zügig haben wir zentrale Anpassungen umgesetzt, neue Lehr- und Lernformate installiert und flexible Angebote geschaffen, damit das Studium den individuellen Bedarfslagen entsprechend angepasst und anders fortgesetzt werden kann. Der Unterricht findet online statt, beispielsweise mit Videokonferenzen, aber auch mit Videoaufzeichnungen. Natürlich wird auch in Zeiten ohne Präsenzunterricht Wert auf Zusammenarbeit und Austausch gelegt – und auch der kann online erfolgen. Lerngruppen treffen sich in virtuellen Räumen oder Dozierende und Lernende stehen über Diskussionsforen, Chattools oder Zusammenarbeitsgruppen in unserem Intranet im Austausch.

Videokonferenz mit Dozierenden und Studierenden

Statt an Marktplatz-Veranstaltungen zur neuen Bachelor-Studienform «Freiform» treffen sich Dozierende und Studierende jetzt virtuell zum Austausch. (© Jeremias Amstutz)

Sozial agieren – wann, wenn nicht jetzt?

Das gesamte Modulangebot musste überprüft werden und einzelne Module abgesagt werden. Mit dem Aufbau von Ersatzangeboten wollten wir gleichzeitig honorieren, dass sich alle bestmöglich zu einer positiven Wendung der Krise einsetzen, sei es in der Familie, im Umfeld, in der Praxis der Sozialen Arbeit oder in der Gesellschaft und dabei ihre im Studium entwickelten Fähigkeiten nutzen. So entstanden ganz nah am Puls der Zeit zwei neue Bachelor-Module «Einsätze in der Praxis Sozialer Arbeit in Zeiten gesellschaftlicher Krisen» für das laufende Frühlingssemester 2020. Sie richten sich an Studierende, die ihre Prioritäten anders setzen wollen, freie Kapazitäten haben, weil Verpflichtungen weggebrochen sind oder die in den Praxisorganisationen aufgrund eines erhöhten Austauschbedarfs seitens der betreuten Personen viel intensiver beansprucht sind. Sie alle haben damit nun die einmalige Möglichkeit, während der Krise im Kontext von COVID-19 einen Einsatz in der Praxis der Sozialen Arbeit zu leisten. Der Bedarf an solchen Studierenden ist gross, da an diversen Orten wie zum Beispiel in der Basler Obdachlosenhilfe Versorgungslücken im Sozialen Bereich entstanden sind.

Praxisausbildung mittendrin

Wir pflegen enge Partnerschaften mit mehr als 1000 Praxisorganisationen der Sozialen Arbeit. Dort absolvieren unsere Bachelor-Studierenden ihre Praxisausbildung. Die Praxisausbildung ist ein wichtiger Teil des gesamten Bachelor-Studiums in Sozialer Arbeit – dies gilt erst recht im Kontext von COVID-19. Wir ermuntern unsere Studierenden, ihre Praxisausbildung grundsätzlich fortzusetzen. Gerade sie können jetzt in unseren Praxisorganisationen mit ihrem Engagement dazu beitragen, die Versorgungssicherheit in diesen Organisationen zu gewährleisten und damit zusätzlich ein symbolisches Zeichen der Solidarität setzen. Flexibles Anpassen der Bedingungen ist deshalb auch in der Praxisausbildung gefragt, wenn Studierenden wegen veränderten Aufgabenfeldern – in teilweise oder vollständig geschlossenen Praxisorganisationen – ihre Kompetenzerwerbsplanung anpassen müssen oder alternative Einsatzmöglichkeiten gefunden werden müssen. Als Entlastung haben die Bachelor-Verantwortlichen eine Reduktion der formal geforderten Stundenanzahl ermöglicht.

Studentin Gaétane Gfeller

Während dieser ausserordentlichen Lage, in der wir mit tiefgreifenden Einschränkungen konfrontiert sind, erachte ich es im Praxisalltag als sehr wichtig, offen zu sein – für rollende Kompetenzerwerbsplanungen, innovative Ansätze der Unterstützung und unkonventionelle Kommunikationsformen. Zudem verdeutlicht die Krise den gesellschaftlichen Stellenwert der Sozialen Arbeit.

Gaétane Gfeller, Studentin in der Praxisausbildung bei den Universitären Psychiatrischen Diensten Bern, Zentrum Psychiatrische Rehabilitation, Freizeitzentrum metro

In den neu initiierten Online-Austauschen sowohl unter den Mentorinnen und Mentoren als auch unter den Praxisausbildenden besteht die Möglichkeit, Anliegen und Fragen in der Begleitung und Ausbildung der Studierenden in den aktuellen Zeiten mit den Umstellungen durch COVID-19 zu besprechen.

Praxisausbildner Stefan Pfister

Der plötzliche Wechsel des Arbeitsplatzes in die Räumlichkeiten des vertrauten Zuhause unserer 6-köpfigen Familie (inkl. 4 Homeschooling-Plätzen!) erfordert auch nach 2 Monaten an jedem Tag bewusste und ganz spezifische Rituale, um die Arbeitsinhalte des Kinderschutzes vom Privaten ausreichend abgrenzen zu können. Noch nie zuvor war es notwendig, derart rasch und intensiv neue Strategien zur Optimierung meines Selbstmanagements, der Rollenkonflikte und dem Austausch mit meinen Zusammenarbeitspartner/innen zu entwickeln und tagtäglich weiter auszubauen. Der Lerneffekt bezüglich den benannten Punkten wirkt sich für mich dank der gesellschaftlichen Krise insgesamt als ziemlich ergiebig aus. Anlässlich der nun bevorstehenden und äusserst ersehnten Rückkehr in die «neue Normalität» möchte ich Einiges davon mitnehmen können.

Stefan Pfister, Sozialarbeiter FH und Praxisausbildner am Kinder- und Jugendhilfezentrum Regensdorf

Erfolgreiche Kooperation und Impuls für Einsätze in der Praxis während der Krise

Mit der Initiative unserer Hochschule für Soziale Arbeit FHNW für eine schweizweite Plattform einer Notstellenbörse für die Soziale Arbeit haben wir ein starkes Zeichen für die Soziale Arbeit als Disziplin und Profession im Umgang mit der Krise setzen können. In Kooperation mit sozialinfo.ch konnte eine Börse für COVID-19 Aushilfsstellen aufgeschaltet werden. Soziale Institutionen und Personen mit IV-Assistenz publizieren hier ihre personellen Engpässe aufgrund von COVID-19 Ausfällen. Davon können auch unsere Studierenden profitieren, wenn sie sich für solche Jobs interessieren und dieses Engagement auch gleich mit einem der neuen Module «Einsätze in der Praxis Sozialer Arbeit in Zeiten gesellschaftlicher Krisen» verknüpfen möchten.

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