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02.12.2019 | Hochschule für Angewandte Psychologie

Forum Wirtschaftspsychologie 2019

Braucht es künftig überhaupt noch Führungskräfte? Arbeitspsychologe Andreas Krause gab am Forum Wirtschaftspsychologie 2019 einen Überblick über die aktuelle Forschung zum Thema Führung. In der anschliessenden Podiumsdiskussion wurden Führungsmodelle thematisiert, bei denen Führungsaufgaben auf alle Mitarbeitenden verteilt werden. Anita Imbach erhielt den diesjährigen Weiterbildungsaward.

Einmal im Jahr lädt die Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW gemeinsam mit dem Alumniverein der Hochschule ins Stadttheater Olten zum Forum Wirtschaftspsychologie. Das diesjährige Forum am 28. November 2019 war das zehnte seit dem Start der Veranstaltungsreihe und stiess auf besonders grosse Resonanz. Das Thema des Abends lautete «Führung in der Arbeitswelt von morgen». Bettina Sollberger, Leiterin des Zetrums für Weiterbildung der Hochschule und Initiatorin der Veranstaltungsreihe, freute sich über den dauerhaften Erfolg des Veranstaltungsformats und über das Interesse der über 150 Besucherinnen und Besucher.

Drei Paradigmen in der Führungsforschung

In seinem Eingangsreferat zeigte Andreas Krause, Arbeitspsychologe an der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW, drei unterschiedliche Paradigmen in der Führungsforschung auf. Der erste Blickwinkel war in den letzten 30 Jahren dominant: Führungskräfte sollen charismatisch-inspirierend, authentisch sein und als Vorbild ihre Mitarbeitenden mitreissen und begeistern. Der zweite Ansatz fordert hingegen von Führungskräften, sich weniger wichtig zu nehmen und auf Machteinsatz zu verzichten: Führungskräfte erbringen Dienstleistungen für ihre Mitarbeitenden, sind also Servicekräfte mit dem Anliegen, dass Mitarbeitende sich besser auf das Erledigen ihrer Arbeit und ihre eigene Performance konzentrieren können. Im dritten Paradigma wiederum wird gefordert, auf Hierarchien ganz zu verzichten: Traditionelle Führungskräfte wie Abteilungsleitungen werden abgeschafft, stattdessen können und sollen alle Mitarbeitenden Führungsaufgaben übernehmen. Bei diesem dritten Ansatz wird viel stärker hinterfragt, wie Rahmenbedingungen in der Organisation die Selbstorganisation und Verantwortungsübernahme der Mitarbeitenden fördern können, z.B. indem agile Teams Produktvision, Arbeitsteilung und Arbeitstempo selbst festlegen.
Andreas Krause zeigte auf, dass Unternehmen das zu ihnen passende Führungsmodell prüfen sollten und kein Führungsmodell per se überlegen ist. Wichtig sei aber die konsequente Umsetzung. Gerade eine widersprüchliche Kombination von traditionell-hierarchischen Vorstellungen (z.B. Führungskraft als starke, inspirierende Persönlichkeit) und neuen Ansätzen (z.B. verteilte Führung in selbstorganisierten, hierarchiefreien Teams) könne Führungskräfte und Mitarbeitende einer Organisation verunsichern und demotivieren. Dies geschähe beispielsweise, wenn agile Arbeitsformen eingeführt würden, aber Führungshierarchien sich weiter in die Arbeitserledigung einmischten und damit der versprochenen Selbstorganisation wiedersprächen.

Führung in der Zukunft ohne Chefin oder Chef?

Doch was bringt nun die Zukunft? Besonders kontrovers werden rund um die Zukunft und den Wandel der Arbeitswelt (New Work) aktuelle Führungsmodelle diskutiert, bei denen Hierarchien abgeschafft werden. IT-Unternehmen sind hierbei Vorreiter. Entsprechend spannend war die Diskussion auf dem Podium, moderiert von Simone Inversini. Dort sprachen mit Gabriela Keller, CEO bei Ergon Informatik, und Annina von Planta, HR-Spezialistin bei Liip, zwei Vertreterinnen von IT-Unternehmen über ihre Erfahrungen. Beide Unternehmen haben sich moderne Führungsmodelle gegeben, in denen selbstorgansierte Teams oder «Kreise» bestehend aus verschiedenen Rollen eine grosse Verantwortung für ihre selbst gesteckten Ziele tragen. Beide Unternehmen sind damit sehr erfolgreich und mehrfach ausgezeichnete, beliebte Arbeitgeber.

Weiterbildungsaward für Abschlussarbeit über soziale Roboter

In diesem Jahr wurde eine Abschlussarbeit mit dem Weiterbildungsaward ausgezeichnet, die sich mit sozialen Robotern beschäftigte. Anita Imbach, Absolventin des MAS Business Psychology, verfasste ihre MAS-Thesis zum Thema: «Akzeptanz von sozialen Robotern in der Zusammenarbeit». In einem Laborexperiment testete sie, wie humanoide Roboter im Vergleich zu virtuellen Agenten erlebt werden. Die Thesis wurde durch Hartmut Schulze, Arbeitspsychologe und Institutsleiter an der FHNW betreut.

Der Beirat Weiterbildung und das Zentrum für Weiterbildung der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW vergeben jährlich einen Preis für die beste MAS Thesis der Teilnehmenden eines Master of Advanced Studies.

Forum 2020 – Mobilität der Zukunft

Das kommende Forum Wirtschaftspsychologie 2020 widmet sich dem Thema «Mobilität der Zukunft» und findet am Donnerstag, 26. November 2020 in Olten statt.

Weitere Informationen

Forum Wirtschaftspsychologie

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