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Südafrika: Gqeberha (früher: Port Elizabeth)

Jonas Vogel musste sich an einige Umstände gewöhnen, so z. B. wie mit den regelmässigen Stromabstellungen umzugehen ist.

Vorbereitung

Für meinen Auslandaufenthalt habe ich mich entschieden nachdem ich an der Veranstaltung Prima(r)! war. Ganz neu wurde Port Elizabeth – Gqeberha, die einzige Stadt im Süden Afrikas aufgelistet. Aufgrund meiner persönlichen Vergangenheit – ich habe als Kind 3 Jahre in Namibia gelebt – war für mich selbstverständlich, dass ich die Chance nutzen wollte um wieder «zurück» zu gehen. Entsprechend war meine Vorbereitungszeit extrem kurz. So war ich im Herbst an der Info-Veranstaltung und bereits im Januar nach Südafrika geflogen. Meine Planung hat verhältnismässig spät begonnen.

Der administrative Aufwand war sehr gross. So waren die formellen Bedingungen, die erfüllt werden sollen, ziemlich hoch. So war im Voraus ein Gesundheitscheck inklusive Röntgenbild der Lunge, ein Besuch im Tropeninstitut sowie allfällige Impfungen nötig.

Der administrative Aufwand bezüglich des Wohnortes ist überschaubar, da der Wohnort vertraglich geregelt ist. Da wird Geduld benötigt, um sich auf der gewöhnungsbedürftigen Homepage zurechtzufinden.

Der Aufwand für die Beantragung des Visums ist nicht zu unterschätzen. Da werden die Bestätigungen der Uni sowie die der Unterkunft benötigt - diese kommen aber erst ca. 3 bis 4 Wochen vor dem Abflug. Weiter wird ein Strafregisterauszug auf Englisch benötigt, was in der Schweiz bedeutet, dass eine zusätzliche Beglaubigung einer Übersetzung benötigt wird. Ebenfalls wird ein zusätzlicher Besuch beim Arzt notwendig, um eine Tuberkulose mithilfe eines Röntgenbildes auszuschliessen. Alle Unterlagen müssen persönlich auf der Botschaft vorbeigebracht werden. Die Anfrage auf der Botschaft muss entsprechend mindestens zwei Monate vor dem Abflugtag angefordert werden. Der Termin wird ca. 2 Wochen vor dem Abflug von der Botschaft definiert. Zusätzlich wird da bereits ein Hin- und Rückflugsticket benötigt. Weiter wird eine lokale Krankenkasse benötigt. In Südafrika gibt es zwei verschiedene. Auch von der Krankenkasse wird eine Bestätigung für das Visum benötigt. Die Botschaft stellt ein mehrseitiges PDF mit allen Anforderungen und notwendigen Papieren. Was z.B. auf diesen Papiern nicht aufgelistet ist, ist eine Studienbestätigung – diese sollte man jedoch dringend dabeihaben.

Der finale Entscheid der Botschaft wird per Post zugestellt, ca. 7 Tage vor Abflug. Das bedeutet, dass bis zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich sicher ist, ob alles funktioniert. Dies bedeutet extrem viel administrativer Aufwand bezüglich allfälliger Untervermietungen der eigenen Wohnung sowie eine hohe Flexibilität.

Die Auswahl an Fächer vor Ort ist extrem gross, die Wahl der möglichen Fächer entsprechend aufwändig und (un)gewohnt unübersichtlich.

Anreise/Ankommen

Die Reise an sich ist selbsterklärend, abhängig von Budget gibt’s Flüge ohne oder mit viermal Umsteigen. Dankbar ist, dass abhängig von der Jahreszeit eine Zeitverschiebung von nur max. einer Stunde zu bewältigen ist. Am Flughafen werden die Studierenden grundsätzlich abgeholt. Bei mir hat dies leider nicht funktioniert, entsprechend habe ich mich selbst an den Zielort «ge-Ubert». Ich hatte den Vorteil bereits eine südafrikanische SIM-Card zu besitzen und war entsprechend flexibel bezüglich des nicht vorhandenen Empfangs. Der Empfang auf dem CampusKey – dem Studentenwohnkomplex war sehr warm, freundlich und liebevoll. Bedenkt werden muss: Die vermieteten Zimmer sind leer. Das bedeutet, dass nach der Reise gleich eingekauft werden muss. Dies beginnt bei Pfannen für den Induktionsherd und endet beim Kissen für die nackte Matratze. Unerwartet viel Zeit wird entsprechend für das eigene Einrichten in der WG benötigt.

capeRecife_2.jpgDie ersten Tage waren dem «Ankommen» gewidmet, oft fand abends irgendwo eine WG-Party statt, die Tage wurden am Meer verbracht. Glücklicherweise gab es zu Beginn eine Führung über den für Schweizer Verhältnisse riesigen Campus so wie Unterstützung bei der Fächerwahl und dem Einschreibeprozedere.

Vor Ort existieren Ansprechpersonen für alle Bedürfnisse, von Sicherheit, Naturschutzregeln bis hin zu Bibliotheksöffnungszeiten. «Zuhause» auf dem CK existiert ein Mentorenteam, von seelischer Gesundheit bis zu Support bei allfälligen Veranstaltungen des Hauses. Es sollte also für jegliche Eventualität eine Ansprechperson existieren.

Unterkunft & Verpflegung

Gewöhnungsbedürftig ist, dass die Küche bei 2-er, 5-er und 6-er WGs kein Tageslicht und entsprechend keine direkte Frischluft haben. Nur die 10-er WGs besitzen Fenster in der Küche und dem Wohnbereich. Sofas sind auch nur in der 10-er WG zu finden. Auffallend sind vor allem die Duschen und das Waschbecken, welche in jedem Zimmer einzeln zu finden sind. WCs und Küche werden entsprechend geteilt. Jede Person besitzt ein eigenes Abteil für Nahrungsmittel, Teller und Co. sowie einen eigenen Kühlschrank.

Das Flachdach, welches eine direkte Aussicht auf das Meer zu bieten hat, ist immer ein Besuch wert, das gemeinsame Fitnesscenter entspricht den Grundbedürfnissen. Gemeinschaftsflächen finden sich insbesondere im obersten Stockwerk sowie im EG. CampusKey liegt in Summerstrand, einem Wohngebiet mit vorwiegend vermögenden Bewohner:innen. Die Lage besticht hauptsächlich mit nahegelegenen Einkaufsmöglichkeiten, dem nahegelegenen Strand sowie dem Naturschutzgebiet, welches ein gutes Ziel für joggende Gruppen ist. Zudem gilt Summerstrand als «sicheres Quartier». Der südafrikanischen Kultur von Städten entsprechend sind beinahe alle Grundstücke eingemauert und zusätzlich mit Überwachungskameras und Stromkabel gesichert. Entsprechend entsteht eine Stimmung, die für in der Schweiz lebende Menschen eher befremdend ist.
Was sich nach einigen Wochen als beinahe normal anfühlt, ist der Verzicht auf jegliche Schlüssel. Weder an der Uni, noch auf dem CK werden Schlüssel verwendet, alles funktioniert mit Fingerabdrücken. Von dem Hauptgate bis zur Schlafzimmertüre werden überall Fingerabdrücke verwendet.

Essen in Südafrika ist extrem an das entsprechende Vermögen gekoppelt. Unter Gutverdienenden ist ein regelmässiger Besuch im Restaurant normal. Abhängig von den Essgewohnheiten ist das Essen in einem Restaurant auch nicht immer kostspielig, sondern ab und an beinahe gleich teuer wie selbst zubereitet. Südafrika besitzt über 10 Landessprachen und ist entsprechend auch divers in ihren Esskulturen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass zu jedem «richtigen» Essen Fleisch gehört. Südafrika ist stolz auf ihre Grillkultur (Braai). Fish and Chips sind genau so verbreitet wie Burger und Pizza. Witzig, Südafrikaner:innen bestellen ihre Pommes «wabbly» das bedeutet nicht knusprig und sehr fettig. Werden «Chips» «extra crispy» bestellt ist es offensichtlich, dass es sich um eine nicht einheimische Person handelt.

Die Hochschule

Der Unterricht fand online statt, entsprechend kann und will ich nicht über die Qualität und die damit verbundenen Anpassungen im Bereich Inhalt urteilen. Was aber ganz offensichtlich anders ist als an der FHNW PH Muttenz: Die Fächervielfalt ist gigantisch, das Gebiet der NMU entsprechend auch. Die Gebäude auf dem südlichen Campus streuen sich über beinahe 1000m, entsprechend sah ich in den vereinzelten Präsenzveranstaltungen immer wieder Studierende, die über den Campus eilten…

Zum Campus gehört gleichzeitig noch ein Naturschutzareal, da kann problemlos 1h gewandert werden, heimisch sind in diesem Naturareal unter anderem Zebras und Springböcke.
Auch über das Hochschulleben kann nicht viel erzählt werden, da dies wohl mit der Einführung von Präsenz nochmals komplett anders werden wird.

Die Vielfalt an angebotenen Modulen konnte ich gut nutzen, ich habe entsprechend Vorlesungen aus dem Bereich der «Coaching Science» belegt, Kurse, die sich mit Gender und Vorurteilen befasst haben, etische Vorlesungen bis zu Geschichtsvorlesungen mit dem Fokus auf die Jahre 1990-1994, dem Ende der Apartheit befasst haben.

Kontakt zu anderen Studierenden zu finden ist sehr einfach, sobald sich physisch getroffen wird, z.B. für Prüfungen. Via Onlinevorlesung ist dies eher eine Herausforderung. – Dafür funktioniert die Kontaktaufnahme auf dem CampusKey super einfach.

Land & Leute

Gewohnheiten in anderen Ländern benötigen immer eine gewisse Zeit, bis sie verstanden, adaptiert, akzeptiert oder geliebt werden können. Genau so ist dies auch in Südafrika. Die Menschen scheinen gegen aussen immer freundlich lieb und gut gelaunt, auch sind die meisten Menschen hilfsbereit, oder geben dies zumindest vor. Fragst du nach dem Weg, wirst du nie eine Person treffen, die sagt, keine Ahnung. Bevor «ich weiss es nicht» gesagt wird, wird einfach etwas behauptet.

Die Esskultur in Südafrika ist abhängig von der Bevölkerungsschicht. Spielt Geld keine Rolle, ist der Besuch im Restaurant nichts besonders. Wird auf jeden Rappen geschaut, wird oft «Milli-Pap» gegessen – ein Maismehl welches so lange gekocht und gerührt wird, bis es von Hand gegessen werden kann. Dies dient als Basis und wird dann z.B. mit Hühnchen zusammen gegessen. Fleisch allgemein hat einen sehr hohen Stellenwert. Nicht Fleisch zu essen erscheint nicht überall als verständliches Handeln. Viel Essen wird gegrillt oder frittiert. Absolut genial sind Früchte. Egal in welcher Saison, etwas ist immer saisonal, im Herbst und Winter sind es die Avocados, im Sommer die Mangos und vieles mehr.
Was zu beachten ist, ist das Thema Sicherheit. Wer das Gefühl hat, blauäugig durch die Welt spazieren zu können, wird in GQ eher überrascht werden. Sobald es eindunkelt, leeren sich die Strassen. Ist die Sonne komplett verschwunden, sind die Strassen leergefegt, insbesondere in Wohnquartieren. Egal ob einheimisch oder nicht, nachts läuft niemand nach Hause. Taxis werden auch nicht verwendet, meistens wird Uber verwendet oder BOLT, eine identische Applikation. Ist ein Haus nicht eingemauert, oder mit Gitter umgeben ist dies sehr aussergewöhnlich. Zudem befindet sich beinahe an jedem Grundstück ein Stromzaun mit starkem Strom. Dass sich nachts nicht frei bewegt werden kann, ist sehr gewöhnungsbedürftig, insbesondere im Winter, wenn die Sonne um 18:00 Uhr schon verschwunden ist.

pinguine_2.jpgSüdafrika hat «loadshading», das bedeutet, dass regelmässig der Strom abgestellt wird. Eine App von ESCOM informiert, wann und in welchem Gebiet der Strom abgestellt wird. Grundsätzlich gibt es zwei Faustregeln: Je reicher das Quartier ist, umso weniger loadshading, umso näher der Winter kommt, umso mehr loadshading wird es geben. Im Sommer sind dies ca. alle 3-4 Wochen 1 Woche lang für ca. 2mal 2h kein Strom. Dieser Stromausfall kann komplett egal sein, wenn er z.B. von 2:00-4:30 angesetzt ist, kann aber den Tagesablauf extrem beeinflussen, wenn z.B. von 18-20:30 kein Strom vorhanden ist und entsprechend nicht gekocht werden kann. – Ich war in einer 5er Unit, die wie beschrieben kein Tageslicht in den Gemeinschaftsräumen empfangen, entsprechend sind dann auch die Räumlichkeiten stockdunkel.

Trinkwasser ist Thema, welches abhängig vom Wohnort ist. In und um GQ ist die Wasserqualität sehr schlecht. Es kann gut sein, dass vom Gesundheitsdepartement wieder eine vorübergehende Warnung kommt, die auf die schlechte Wasserqualität hinweist und aktiv davon abrät, das Wasser zu trinken. Trinkwasser kann in jedem Supermarkt in 5l Flaschen gekauft werden. Zudem gibt es Firmen, die auf die Wasseraufbereitung spezialisiert sind, da können die leeren 5l Behälter kostengünstig aufgefüllt werden.

Eine lokale SIM-Card ist ein absolutes Must, kostet nichts ausser Zeit und Geduld. Dabei muss unbedingt der Pass so wie eine Wohnsitzbestätigung mitgebracht werden. Weiter war es immer hilfreich ein Foto des Passes und des Visums bereit zu haben. Mit dem Studentenvisum ist der Eintritt bei vielen nationalen Parks und sonstigen Eintritten zum Teil weniger als halb so teuer. Da lohnt es sich ab und zu noch zu haken und darauf Wert zu legen.

Freizeit

capeRecife.jpgFreizeitaktivitäten gib es sehr viele, ich habe mir schon sehr bald ein secondhand Surfboard gekauft und in J-Bay einen Neoprenanzug, so konnte ich oft surfen gehen. Schlussendlich ist es ein erstaunlich günstiges Hobby, da ich mein Brett nach meinem Aufenthalt gleich weiterverkauft habe. Das nahegelegene Naturschutzgebiet mit der Pinguinstation eignet sich ideal zum Joggen. In und um GQ finden regelmässig Trail-runs von BigQ oder Halbmarathon statt. Für Tauchinteressierte bietet ein Unternehmen Tauchausbildungen an. Bei Fernweh lässt sich im grossen Shoppingcenter Schlittschuh fahren – selbstverständlich jahresunabhängig.

Empfehlenswert sind für mich verschiedene Locations:

  • Addo Elephant Park
  • Tsitsikamma Nationalpark & Dijembe Backpackers
  • Remos, Nolios, Kindreds Kitchen und Muse (Restaurant in GQ)
  • RHBC – locale Brauerei, Mittwochs Pub Quiz – Reservation notwendig.
  • affordable Car Hire (günstigste Fahrzeuge)
  • Cango Kaves
  • Franschhoesk Winetram
  • Coast to Coast – Gratis Reiseführer mit Backpackers
  • J-Bay für alle Meer-angefressenen.

Persönliches Fazit

Ich war absolut zufrieden, 6 Monate entspricht aus meiner Perspektive einer idealen Zeitdauer. Das Einzige, was mich ein wenig ärgert ist, dass ich das Pub Quiz erst nach ca. 2 Monaten entdeckt habe. Ansonsten fand ich auch den Zeitpunkt – auf die Natur bezogen - ideal.

Mit dem Fakt, dass es sich um Onlinevorlesungen gehandelt hat, habe ich am Anfang ein wenig gehadert, schlussendlich habe ich so erstaunlich wenig vom Leben auf dem Unigelände gelernt. Ich konnte mich aber schnell damit abfinden und auch die positiven Seiten darin finden.

Schlussendlich war dies nun ein Austausch, aber wohl auch mein einziger, da ich wohl auf das Alter bezogen zu den älteren Studierenden gehöre und entsprechend auch das Studierendenumfeld in Südafrika eher ein Umfeld mit jüngeren Studierenden ist. (ca. 20-25 Jährig)

Könnte ich nochmals «neu» kommen, würde ich zwingend eine Kopftaschenlampe mitbringen. Zudem stellt sich die Frage, ob mit einer zeitigen Reservation und Organisation die 7-tägige Wanderung «Otter Trail» möglich gewesen wäre, sicher ein tolles to do.

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